Stimmen von der Konferenz Betriebsräte im Visier 2014

Wie habt ihr das durchgehalten?“

Stimmen von der Konferenz „ Betriebsräte im Visier“

Die Mannheimer Kon­ferenz gegen Boss­ing und Mob­bing von Betrieb­sräten bot betrof­fe­nen Kol­legIn­nen ein Forum, um von ihren Erfahrun­gen bericht­en zu kön­nen. Wir doku­men­tieren im Fol­gen­den Auss­chnitte aus einem Podi­ums­ge­spräch mit drei Kol­legIn­nen, deren Namen wir aus Sicher­heits­grün­den verän­dert haben. Die Fra­gen sind von der Mod­er­a­tion vorgegeben wor­den.

MS/RE

•    Frage: „Was war der Auslöser*des Mob­bings?“
•    Rosa: 2006 bin ich Mit­glied in der Tar­ifkom­mis­sion mein­er Gew­erkschaft gewor­den. Mir wurde klar, dass mein Arbeit­ge­ber nicht tar­ifge­bun­den ist und somit auch keine Beschäftigten, selb­st wenn sie organ­isiert sind, an Streiks teil­nehmen kön­nen. Darüber habe ich meine Kol­legIn­nen informiert.
•    Juan: Bere­its in mein­er ersten Woche bei der Fir­ma wurde ich aufge­fordert, 10-12 Stun­den täglich und regelmäßig auch am Woch­enende zu arbeit­en. Nach mein­er Fes­tüber­nahme und auf­grund mein­er Geset­zesken­nt­nisse forderte ich die Geschäfts­führung auf, die Geset­ze einzuhal­ten. Es fol­gte meine Kan­di­datur und die Wahl zum Betrieb­srat. Der größte Teil des Gremi­ums waren und sind Per­so­n­en mit Vorge­set­zten-Funk­tio­nen, die dem Unternehmen treu ergeben sind. Betrieb­srats-Schu­lun­gen wur­den für mich abgelehnt. Man ver­suchte mich mund­tot zu machen. Neben einem Auss­chluss-Ver­fahren aus dem Betrieb­srat fol­gten bis heute ins­ge­samt drei Kündi­gun­gen.
•    Kurt: Ich bin seit 1981 Betrieb­srat zunächst bei einem Konz­ern, dann in einem aus­gegliederten Werk­steil. Als diese Aus­gliederung bekan­nt wurde, ver­hin­derte die Belegschaft mit ein­er Block­ade des Werk­stores zunächst den Verkauf an einen Konkur­renten, weil der poten­zielle Käufer danach abge­sprun­gen ist. Später kam es zwar zum Verkauf, aber zu abgesicherten Bedin­gun­gen (z.B. Beschäf­ti­gungss­chutz). Der dama­lige BR-Vor­sitzende ließ sich bee­in­flussen und die Unternehmensleitung begann mich zu mobben. Dies hat­te  unter anderem zur Folge, dass meine Wahl zum BR-Vor­sitzen­den ver­hin­dert wurde und Haus­tar­ifver­tragsver­hand­lun­gen zu Gun­sten des Unternehmens im Schlich­tungsver­fahren abges­timmt wur­den.
•    Frage: „Was ist passiert?“
•    Rosa: Bei der BR-Wahl 2006 wollte mir das Unternehme sagen, was ich tun solle, mit entsprechen­den Ange­boten, die zu mein­er „pos­i­tiv­en Entschei­dungs­find­ung“ betra­gen soll­ten. Nach mein­er Ablehnung wurde mir gesagt, was das für mich kün­ftig bedeuten werde. Darauf antwortet ich: „Das wer­den wir sehen”. Trotz der lan­gen Unter­stützung und des starken Rück­halts im BR-Gremi­um musste ich Einiges hin­nehmen und erlei­den. Inner­halb von 2 Jahren gab es 11 Abmah­nun­gen gegen mich wegen aller möglichen Hin­terlistigkeit­en. Nach dem Erfolg, dass 17 von 34 Konz­ern­nieder­las­sun­gen mit in den Streik getreten sind, gab ich im Radio ein Inter­view, welch­es ver­fälschend zusam­mengeschnit­ten und gesendet wurde. Das Unternehmen sah sich ver- leumdet. Ich wurde mehrfach gekündigt, ver­bal und tätlich bedro­ht. Mein Auto wurde mehrfach beschädigt. In einein­halb Jahren musste ich 39 Gerichtsver­fahren durch­ste­hen.
•    Juan: Ver­set­zun­gen auf Stra­far­beit­splätze erfol­gten in der Erwartung, dass ich mich krank melde. Es fol­gten Abmah­nun­gen, das Ver­bot mich im Betrieb frei zu bewe­gen und Kündi­gun­gen mit Zus­tim­mung der BR-Mehrheit. Auf­grund dessen und wegen des lange hin­aus­gezögerten Kündi­gungss­chutzver­fahrens war ich monate­lang vor und während der let­zten BR-Wahlen nicht im Betrieb und kon­nte meine Wieder­wahl nicht mehr sich­er­stellen.

•    Kurt: Ich wurde mit Abmah­nun­gen über­zo­gen, um Gespräche mit oder Infor­ma­tio­nen an Beschäftigte zu ver­hin­dern und auch um Angst zu schüren. Es gab ein Beschlussver­fahren gegen mich wegen des ange­blichen Aufrufs zur „Leis­tungsver­weigerung“. Um den erneuten Verkauf des Unternehmens und den möglichen Protest dage­gen zu ver­hin­dern, erfol­gte - nach­dem mich die BR-Mehrheit aus dem Gremi­um aus­geschlossen hat­te - meine Kündi­gung mit der Zus­tim­mung der BR-Mehrheit. Darauf grün­dete sich das Komi­tee „Sol­i­dar­ität gegen BR-Mob­bing“ und organ­isierte meine Unter­stützung auch in der Öffentlichkeit. Im Endergeb­nis wurde durch diese Auseinan­der­set­zung der Verkauf ver­hin­dert und ich musste weit­erbeschäftig wer­den.
•    Frage: „Wie habt ihr das *durchge­hal­ten?“
•    Rosa: Gespräche mit Fam­i­lie, Kol­legIn­nen und Fre­undIn­nen haben mich gestützt, zudem die Soli-Postkarten, die von Unter­stützerIn­nen angeregt wur­den. Bis zu einem tätlichen Angriff auf mich hat­te ich auch den Bei­s­tand des BR-Gremi­ums und meines Anwaltes. Natür­lich war und ist finanzielle Hil­fe in so ein­er Sit­u­a­tion wichtig. Seit 2011 bin ich langzeitkrank durch eine „post­trau­ma­tis­che Belas­tungsstörung“. Es gab allerd­ings auch Ver­luste im Bekan­ntes-/Fre­un­deskreis. Mir ist klar gewor­den, dass nach 10 Jahren bei einem tollen Unternehmen eine Mob­bing-Strate­gie alles zer­stören kann!
•    Juan: Wie bere­its Rosa gesagt hat, habe ich durch die Unter­stützung des Soli-Komi­tees, meines Anwaltes und natür­lich der Fam­i­lie durchge­hal­ten.
•    Kurt: Ich hat­te und habe von ein­er Min­der­heit im Betrieb­srat Unter­stützung und außer­dem ste­ht die Ort­gruppe mein­er Gew­erkschaft hin­ter mir. Der Vor­sitzende des Konz­ern­be­trieb­srats, die Rück­mel­dun­gen von Kol­legIn­nen und der Rück­halt mein­er Fam­i­lie haben mir eben­so Kraft gegeben wie die Hil­fe der Kol­legIn­nen des Soli-Komi­tees.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti 227, November 2014
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