200 Jahre Karl Marx 200 Jahre Streiten um den Arbeitstag

200 Jahre Karl Marx

200 Jahre Streiten um den „Arbeitstag“

Informations- und Diskussionsveranstaltung

Veranstaltung 26.06.2018 - 200 Jahre Karl Marx - 200 Jahre Streiten um den Arbeitstag

Der Ver­anstal­tungs­fly­er zum Down­load

Der Arbeit­szei­t­ex­perte Tobias Michel berichtet von betrieblichen Kon­flik­ten um Erhol­ungspausen und Feier­abend, von 24-Stun­den-Schicht­en und vom Krank­feiern.

Der Autor der Schicht­plan­fi­bel (www.schichtplanfibel.de) zeigt am Beispiel von Gesund­heits­be­trieben, wie Karl Marx in seinem Hauptwerk „Das Kap­i­tal“ die Auseinan­der­set­zun­gen rund um den Arbeit­stag aufar­beit­et; und wie uns diese Erken­nt­nisse in unserem heuti­gen All­t­ag weit­er­helfen.

Tobias Michel ist gel­ern­ter Krankenpfleger und war als Betrieb­srat und Mitar­beit­er­vertre­tung im Kranken­haus tätig. Er ist bei der Gew­erkschaft ver.di aktiv und wirkt bis heute als Sachver­ständi­ger für Betriebs-, Per­son­al­räte und Mitar­beit­er­vertre­tun­gen.

Ein­tritt frei.

Die Ver­anstal­tungsrei­he „Rev­o­lu­tion, Rev­o­lu­tion“ wird getra­gen, organ­isiert und finanziert vom Bünd­nis „Rot­er Okto­ber“:
DIE LINKE. KV OB, DKP OB/MH, His­torisch­er Vere­in Ober­hausen Ost e.V., ISO OB & Fre­undIn­nen, Paroli e.V., Rosa-Lux­em­burg Club OB und weit­ere nicht genan­nte Einzelper­so­n­en.

Heraus zum 1. Mai 2018

Heraus zum 1. Mai!

Das – für einen Tag – bestreikte Oberhausener Rathaus, 20. März 2018. Foto AvantiO.Udo Filthaut

Am 1. Mai 1856 forderten in Aus­tralien Arbei­t­erIn­nen mit Massendemon­stra­tio­nen den Acht­stun­den­tag.
Darauf haben sich 1886 amerikanis­che Arbei­t­erIn­nen berufen und eben­falls zur Durch­set­zung des Acht­stun­den­tags zu einem Gen­er­al­streik am 1. Mai aufgerufen.

Diesen Aufruf beant­wortete das Kap­i­tal mit Masse­naussper­run­gen, was wiederum die berühmte Hay­mar­ket-Ver­samm­lung mit der Rede von August Spies, des Chefredak­teurs der „Arbeit­erzeitung“ zur Folge hat­te. Dies war die Geburtsstunde der amerikanis­chen Gew­erkschafts­be­we­gung. August Spies wurde nach den darauf fol­gen­den von Poli­tik und Kap­i­tal befeuerten Kämpfen mit vie­len Toten zusam­men mit drei Kol­le­gen hin­gerichtet.
Schon damals waren Arbeit­szeit und Arbeits­be­din­gun­gen die wichtig­sten Anliegen.
Nach fast 150 Jahren sind diese Forderun­gen immer noch von außeror­dentlich­er Wichtigkeit.
Wie auch das Auftreten der öffentlichen „Arbeit­ge­ber“ bei den let­zten Tar­ifrun­den in Pots­dam zeigte, wird das von denen immer noch als nicht ern­sthaft ver­han­del­bar, ja als völ­lig unzu­mut­bar, gese­hen.
Zu groß ist tat­säch­lich wohl noch die Reservearmee aus Erwerb­slosen und prekär Beschäftigten.
Und die von der GROKO gese­hene Vollbeschäf­ti­gung, wie passt die dazu?
Ganz ein­fach: Es ist eine durch Zahlen­ma­nip­u­la­tion unter­mauerte Lüge. An die 13 bis 14 % unser­er Kol­legin­nen und Kol­le­gen in Hartz IV, in Mini- oder in unfrei­willi­gen Teilzeitjobs kön­nen nicht von ihrer Hände Arbeit leben.
So lange diese und andere Gemein­heit­en existieren, so lange muss der 1.Mai ein Kampf­tag der Arbei­t­erIn­nen­klasse bleiben!

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, April/Mai 2018

Weiter so? Unser Leben ist mehr wert als ihre Profite!

Weiter so?
Unser Leben ist mehr wert als ihre Profite!

Nach zwei Jahrzehnten Umverteilung von unten
nach oben liegt vieles im Argen.

Unter anderem fehlen    Grafik: AvantiO.
• unbe­fris­tete Arbeit­splätze mit exis­ten­zsich­ern­den Löh­nen und Kündi­gungss­chutz.
• ein sol­i­darisches Renten­sys­tem, das nie­man­den in Alter­sar mut stürzen lässt. 
• Kranken­häuser und Pflege­heime, in denen die Bedürfnisse der Men­schen an erster Stelle ste­hen. Und nicht der Prof­it von Gesund­heit­skonz­er­nen.
• bezahlbare, men­schen­würdi­ge Woh­nun­gen.
• ein Bil­dungssys­tem, das diesen Namen ver­di­ent, und nicht nur „Humankap­i­tal“ her­vor­brin­gen soll.
• ein Verkehrskonzept, das Mobil­ität ermöglicht, ohne dass jedes Jahr Tausende den Verkehrstod ster­ben, unsere Städ te ver­schan­delt, Land­schaften asphaltiert und unsere Um welt vergiftet wer­den.
• Tech­nolo­gien der Energiegewin­nung, die der Tat­sache Rech­nung tra­gen, dass Ressourcen endlich sind. Und die sich nicht allein deshalb rech­nen, weil Gewinne von weni gen pri­vatisiert wer­den, während die große Mehrheit die Kosten und die Las­ten tra­gen muss.
• Frieden, Achtung der Men­schen­rechte unab­hängig von Her kun­ft, Geschlecht, sex­ueller Ori­en­tierung, …
Grundle­gende Bedürfnisse will oder kann unser ange­blich so leis­tungs­fähiges Wirtschaftssys­tem nicht erfüllen.

Wer sich auf die GroKo ver­lässt, ist ver­lassen
Die GroKo 3.0 zeigt kein­er­lei Nei­gung, die Pri­vatisierun­gen wieder rück­gängig zu machen, die zum aktuellen erbärm­lichen Zus­tand des Gesund­heits-, Woh­nungs- und Bil­dungswe­sens geführt haben. Auch die Dereg­ulierung des Arbeits­mark­tes und das HartzIV-Regime stellen CDU/CSU und SPD nicht ern­sthaft in Frage. Und es gehört schon einiges dazu, die befris­tete Festschrei­bung des Renten­niveaus auf 48 % als Erfolg zu feiern.
Tat­säch­lich bläst die GroKo in das Horn so genan­nter Recht­spop­ulis­ten und fördert deren unsol­i­darische „Lösun­gen“. Aus­gren­zung, Hass und Gewalt gegen Geflüchtete, Zuge­wan­derte, Ander­s­gläu­bige, Frauen aber spal­tet und schwächt alle Lohn­ab­hängi­gen – auch diejeni­gen, die so han­deln.
Unsere Alter­na­tive heißt Sol­i­dar­ität
Wer heute mit men­schlichen Grundbedürfnis­sen Prof­ite macht, wird nicht frei­willig darauf verzicht­en. Wer den geset­zlichen Rah­men dafür geschaf­fen hat, nimmt das nicht ein­fach zurück.
Statt darauf zu warten, das jemand anders die drän­gen­den Prob­leme unser­er Zeit löst, kön­nen wir alle bess­er selb­st etwas tun. Zum Beispiel, sich ein­set­zen für mehr Per­son­al in den Kranken­häusern. Oder für einen neuen gemein­nützi­gen Woh­nungs­bau. Für den Aus­bau des Öffentlichen Per­so­nen­nahverkehrs und der Rad­wege. Für ein men­schen­würdi­ges Leben für alle.
Wer mit offe­nen Augen durch Ober­hausen geht, wird viele Möglichkeit­en find­en, sich zu engagieren. Gemein­sam mit den Betrof­fe­nen und möglichst vie­len Unter­stützerIn­nen. Im besten Fall auch gemein­sam mit Gew­erkschaften – nicht als Dien­stleis­tern, son­dern als den größten existieren­den Sol­i­darge­mein­schaften von Lohn­ab­hängi­gen.

ISO Ober­hausen & Fre­undIn­nen

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, April/Mai 2018

Tarifabschluss Öffentlicher Dienst Der Sprung des Tigers

Tarifabschluss Öffentlicher Dienst
Der Sprung des Tigers

Am Dienstag, dem 17. April 2018, wurde nach dreitägigen Verhandlungen in der Tarifrunde für Bund und Kommunen eine Einigung erzielt. Auf den ersten Blick ist sie unbefriedigend.

Helmut Born, ver.di-Linke NRW

Demonstration Öffentlicher Dienst am 10. April 2018 in Dortmund. Foto: AvantiO.

Demon­stra­tion Öffentlich­er Dienst am 10. April 2018 in Dort­mund. Foto: Avan­tiO.

Die Forderung nach 6 % mehr Einkom­men wie nach einem Min­dest­be­trag von 200 € für 12 Monate find­et sich in dem Abschluss nicht wieder. Ins­beson­dere die Forderung  nach dem Min­dest­be­trag war sehr pop­ulär. Sie hat sicher­lich zu den guten Mobil­isierun­gen auch im Ruhrge­bi­et beige­tra­gen.
Der Min­dest­be­trag sollte vor allem den unteren Einkom­mensgrup­pen zugute kom­men. Zudem soll­ten dadurch die Abstände zu den höheren Grup­pen ver­ringert wer­den.
Demge­genüber woll­ten vor allem die VertreterIn­nen der Kom­munen, dass eher die höheren Einkom­mensgrup­pen gestärkt wer­den. Für den öffentlichen Dienst sei es schwierig, Fachkräfte zu bekom­men. Genau diese Logik spiegelt sich im Abschluss wieder, auch wenn die unteren Einkom­mensgrup­pen nicht völ­lig außen vor bleiben.
Der Abschluss über die lange Laufzeit von 30 Monat­en trägt nicht dazu bei, ver.di zu stärken. Es wird eher schwierig wer­den, neue Mit­glieder zu gewin­nen.

Weit­er­lesen

Schließung von GHH Rand und Trump

Schließung von GHH-Rand
Ist Trump schuld?

P.S.

Im Jan­u­ar 2018 beka­men die mehr als 300 Beschäftigten des Schraubenkom­pres­soren-Werks GHH-Rand den Beschluss der US-amerikanis­chen Konz­ern­leitung zur Ken­nt­nis:

Der Fer­ti­gungs­stan­dort Ober­hausen wird zum Ende des Jahres geschlossen, die Pro­duk­tion über­wiegend schon bis Ende Sep­tem­ber eingestellt. Das Man­age­ment von Inger­soll Rand ver­spricht sich durch die Ver­lagerung der Pro­duk­tion auf Stan­dorte in den USA und Chi­na mehr Prof­it.

Die Kol­legIn­nen wer­den nicht alleine ste­hen: Die Entschei­dung über die Werkschließung hat in Ober­hausen für bre­ite Empörung gesorgt. Die IG Met­all, in der viele der Betrof­fe­nen organ­isiert sind, will den Kampf für den Erhalt der Arbeit­splätze aufnehmen.

Ein Satz in der Stel­lung­nahme des 1. Bevollmächtigten der IG Met­all MEO, Jörg Schlüter, wirft dabei Fra­gen auf: „Ver­mutet wird, dass die Entschei­dung des amerikanis­chen Konz­erns auf­grund der Poli­tik: ‚Amer­i­ca first’ getrof­fen wurde.“

  • Wie erk­lären sich ver­gle­ich­bare Pro­duk­tionsver­lagerun­gen, die zeitlich vor Trumps Amt­santritt im Jan­u­ar 2017 liegen?
  • Trifft es nur auf US-amerikanis­che Konz­erne zu, dass sie zur Prof­it­max­imierung auch mit Gewinn arbei­t­ende Stand orte schließen?
  • Wie will es die IG Met­all schaf­fen, inter­na­tion­al agierende Konz­erne in die Schranken zu weisen, wenn sie selb­st der Stan­dort­logik ver­haftet ist?

Es gibt Erk­lärun­gen für die Entschei­dung von Inger­soll Rand, die schlüs­siger sind, als lediglich Trump zu beschuldigen. Und die weit­ere Hand­lungsmöglichkeit­en eröff­nen, als nur hil­f­los an die Lan­desregierung zu appel­lieren.

Wir empfehlen hierzu den Besuch der Ver­anstal­tungsrei­he, die in diesem Jahr in Ober­hausen vom Bünd­nis „Rot­er Okto­ber“ durchge­führt wird.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Januar/Februar 2018

 

Kämpfen wie die Löwen

Kämpfen wie die Löwen“

P.S.

Kundgebung der IG Metall beim Warnstreik am 23.01.18 in Mülheim/Ruhr. Foto: Avanti O.

Kundge­bung der IG Met­all beim Warn­streik am 23.01.18 in Mülheim/Ruhr. Foto: Avan­ti O.

Dem Aufruf der IG-Met­all Mül­heim, Essen, Ober­hausen sowie Gelsenkirchen zum Warn­streik waren 2.500 Kol­legIn­nen gefol­gt,  nach­dem die „Arbeit­ge­ber“ auch in der drit­ten Ver­hand­lungsrunde kein akzept­a­bles Ange­bot vorgelegt hat­ten. „Wir wer­den kämpfen wie die Löwen“, war auf eini­gen Streik­west­en zu lesen.
Die wesentlichen Forderun­gen, mit denen die IG-Met­all in die Tar­ifver­hand­lun­gen für die Met­all- und Elek­troin­dus­trie gegan­gen ist: 6 Prozent mehr Geld und eine Wahlop­tion auf Reduzierung der Arbeit­szeit auf bis zu 28 Stun­den für Beschäftigte, die z.B. Kinder erziehen oder Ange­hörige pfle­gen.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Januar/Februar 2018

Gemeinsam gegen Betriebsrats-Mobbing!

Gemeinsam gegen Betriebsrats-Mobbing!

 

Impressionen von der 4. Konferenz "Betriebsräte im Visier". Fotos: helmut-roos@web.de

P. S. / H. N.

Seit etwa zwanzig Jahren nehmen Fälle sys­tem­a­tis­ch­er Gew­erkschafts­bekämp­fung, prak­tiziert von Unternehmen jeglich­er Größenord­nung, stetig zu. In der Avan­ti O. bericht­en wir regelmäßig über der­ar­tige Machen­schaften. (So auch in dieser Aus­gabe.)
Eine für die Betrof­fe­nen beson­ders bedrohliche Form dieser als „Union Bust­ing“ bekan­nten Unternehmensstrate­gie ist das gezielte Fer­tig­machen von einzel­nen engagierten Kol­legIn­nen im Betrieb; namentlich von Betrieb­sräten, die ihre Auf­gaben ernst nehmen.
Um sich effek­tiv wehren zu kön­nen, brauchen Gew­erkschaften, Betrof­fene und Unter­stützerIn­nen ihrer­seits eine Gegen­strate­gie. Einen Raum, um eine solche zu erar­beit­en, organ­isiert das Mannheimer Sol­i­dar­ität­skomi­tee gegen BR-Mob­bing mit der bun­desweit­en Tagung „Betrieb­sräte im Visi­er – Boss­ing, Mob­bing & Co.”.

Das Komi­tee, das seit dem Jahr 2012 betrof­fene Kol­legIn­nen aus dem Raum Rhein-Neckar aktiv unter­stützt, hat am 14. Okto­ber 2017 die Tagung im vierten Jahr in Folge im Mannheimer Gew­erkschaft­shaus durchge­führt. Über 100 Teil­nehmerin­nen und Teil­nehmern aus ver­schiede­nen Branchen hat­ten sich für diesen Kongress angemeldet.

Mit Rechts­bruch gegen Betrieb­sräte
Anwe­sende Betrieb­sratsmit­glieder aus ver­schiede­nen Betrieben und Branchen berichteten über ihre schock­ieren­den Erfahrun­gen. Diese bele­gen die weit­er gewach­sene Aggres­siv­ität gegenüber gew­erkschaftlich aktiv­en Mit­gliedern von Inter­essen­vertre­tun­gen.
Mit so genan­nten Ver­dacht­skündi­gun­gen, mit Bespitzelung und Zer­set­zung des beru­flichen und pri­vat­en Umfeldes wird gegen engagierte Betrieb­sräte vorge­gan­gen. In der Folge kommt es bei Betrof­fe­nen zu schw­eren depres­siv­en Erkrankun­gen und sog­ar zu Selb­st­mord­ver­suchen. Nicht zulet­zt entste­hen exis­tenzbedro­hende finanzielle und famil­iäre Prob­leme.
Diese skan­dalösen Rechts­brüche haben Unternehmensleitun­gen und ihre Helfer­shelfer in spezial­isierten Anwalt­skan­zleien, Beratungs­fir­men und Detek­teien zu verantworten.Auf der Kon­ferenz kam aber nicht nur die Betrieb­srats- und Gew­erkschafts­bekämp­fung in der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land an aktuellen Beispie­len zur Sprache. Vielmehr wur­den die Möglichkeit­en ein­er erfol­gre­ichen Abwehr des Betrieb­srats-Mob­bings aus ver­schiede­nen Blick­winkeln beleuchtet.

Klaus Stein, 1. Bevollmächtigter der IG Met­all Mannheim, berichtete in seinem Gruß­wort von ein­er zunehmenden Zahl von Angrif­f­en auf Betrieb­sräte und gew­erkschaftliche Organ­isierung in Betrieben der Region. Er betonte die Notwendigkeit ein­er kon­se­quenten Gegen­wehr.

Ger­hard Klas von work watch Köln, ein­er von Gün­ter Wall­raff mit­be­grün­de­ten Ini­tia­tive, forderte die Einzel­gew­erkschaften auf, Opfern von BR-Mob­bing unbürokratisch und schnell finanzielle Not­la­gen-Unter­stützung zu gewähren.

Susanne Kim und Philipp Zysas vom IG Met­all-Vor­stand in Frank­furt referierten zum The­ma „ Organ­isieren – eine Meth­ode zur Vertei­di­gung unser­er Grun­drechte im Betrieb gegen Angriffe auf Gew­erkschaften?”. Eine zen­trale Aus­sage ihrer Aus­führun­gen war, dass die Bekämp­fung von Betrieb­sräten und Gew­erkschaften eine „wach­sende Gefahr für Demokratie in Betrieb und Gesellschaft” ist.

Diet­rich Growe, Fachan­walt für Arbeit­srecht in Mannheim (Kan­zlei Dr. Growe & Kol­le­gen), set­zte sich mit der Frage „§ 119 Betrieb­sver­fas­sungs­ge­setz – kein The­ma im Arbeit­srecht?” auseinan­der. Seine Empfehlung für die juris­tis­che Bekämp­fung des BR- Mob­bings lautete, „Konz­ern­vorstände, Auf­sicht­sratsmit­glieder, Eigen­tümer, Recht­san­wälte und führende Kan­zleipart­ner in die strafrechtliche Ver­ant­wor­tung [zu] nehmen!”

Eine kleine Sen­sa­tion war die Vorstel­lung der ersten Bildergeschichte zu Betrieb­srats-Mob­bing über­haupt. Sie trägt den Titel „Die 10 Schritte zur Besei­t­i­gung des Betrieb­srats“. In ihr haben von BR-Mob­bing betrof­fene Kol­le­gen ihre Erleb­nisse in ein­er beein­druck­enden Form ver­ar­beit­et. Eine Veröf­fentlichung ist geplant.

Peter Köster (IG BAU Mül­heim, Essen, Ober­hausen) skizzierte strate­gis­che Per­spek­tiv­en für die noch wirk­samere Bekämp­fung von BR-Mob­bing durch Betrof­fene, Sol­i­dar­ität­skomi­tees und Gew­erkschaften.

Was tun gegen BR-Mob­bing!
Die Tagung ver­ab­schiedete die Entschließung „Was tun gegen BR-Mob­bing!“
Unter­stützer der vom Komi­tee „Sol­i­dar­ität gegen BR-Mob­bing!“ organ­isierten Kon­ferenz waren IG Met­all Mannheim sowie AKUWILL Ober­hausen, Betrieb­srat Gen­er­al Elec­tric Mannheim, IG BCE Wein­heim, Über­be­trieblich­es Sol­i­dar­ität­skomi­tee Rhein-Neckar, ver.di Rhein-Neckar und work-watch Köln.

Einen berühren­den musikalis­chen Beitrag zum guten Gelin­gen der Tagung leis­tete die Mannheimer Kün­st­lerin Gizem Gözüacik.
In einem Jahr, am 13. Okto­ber 2018, soll die 5. bun­desweite Kon­ferenz „Betrieb­sräte im Visi­er” in Mannheim stat­tfind­en.
Weit­ere Infos: siehe: www.gegen-br-mobbing.de.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Oktober/November 2017

Entschließung der 4. bundesweiten Konferenz „Betriebsräte im Visier“

Was tun gegen BR-Mobbing!

Entschließung der 4. bundesweiten Konferenz
„Betriebsräte im Visier“

BR-Mob­bing ist in Deutsch­land ein wesentlich­er Bestandteil der sys­tem­a­tis­chen Gew­erkschafts­bekämp­fung (des „Union Bust­ing“). Immer häu­figer ver­suchen Unternehmen, Betrieb­sräte und gew­erkschaftlichen Ein­fluss in Betrieben zu ver­hin­dern oder – falls bere­its vorhan­den – zu zer­schla­gen.
BR-Mob­bing bedeutet für die davon betrof­fe­nen Kol­legIn­nen Exis­ten­zsangst und meist auch Exis­ten­zver­nich­tung. BR-Mob­bing führt zu mas­siv­en beru­flichen, finanziellen, gesund­heitlichen, per­sön­lichen und sozialen Schädi­gun­gen. Nicht sel­ten sind schwere depres­sive Erkrankun­gen die Folge. Es kommt in der Folge sog­ar zu ver­sucht­en Selb­st­tö­tun­gen.

BR-Mob­bing gilt offen­bar in der Bun­desre­pub­lik meist als Kava­liers­de­likt. Jeden­falls bleiben die hier­für Ver­ant­wortlichen in Unternehmensleitun­gen und ihre Helfer­shelfer aus „Rechts“- Anwalt­skan­zleien, „Beratungs­fir­men“, dem Kreis fir­men­höriger „unab­hängiger Betrieb­sräte“ und Detek­teien meist straf­frei. Jeden­falls nehmen es Ver­ant­wortliche in Poli­tik, Jus­tiz, Medi­en und lei­der auch in manchen betrieblichen und gew­erkschaftlichen Struk­turen entwed­er gar nicht wahr oder spie­len es als „Einzelfall“ herunter.

Tat­sache ist aber:

  • Die Be- oder Ver­hin­derung der Wahl von Betriebs- oder Per­son­al­räten ist ein Straftatbe­stand.
  • Die Block­ade der geset­zlich fest­gelegten Auf­gaben von ge wählten Betrieb­srats­gremien ist ille­gal.
  • Das Mobben von Betrieb­srats- und Gew­erkschaftsmit­glie dern ist krim­inell.
  • Es han­delt sich hier­bei um mas­sive Ver­let­zun­gen von Grund- und Men­schen­recht­en.

Die kon­se­quente Bekämp­fung von BR-Mob­bing ist deshalb nicht allein eine Pflicht der Gew­erkschaften. Poli­tik, Jus­tiz und Medi­en sind hier eben­falls gefordert.
Es ist pos­i­tiv, dass einzelne Gew­erkschaften wie IG Met­all und ver.di auf ihren Gew­erkschaft­sta­gen Beschlüsse zum Kampf gegen BR-Mob­bing gefasst haben. Aber diese müssen kon­se­quent umge­set­zt und Poli­tik, Jus­tiz und Unternehmen in die Ver­ant­wor­tung genom­men wer­den.
Wir erneuern deshalb unseren Mannheimer Appell gegen BR-Mob­bing vom 11. Okto­ber 2014.
Wir fordern die Einzel­gew­erkschaften auf, Opfern von BR-Mob­bing unbürokratisch und schnell finanzielle Not­la­gen-Unter­stützung zu gewähren.
Wir erwarten von unseren Gew­erkschaften und dem DGB, dass sie hart­näck­ig stre­it­en für:

  • die sys­tem­a­tis­che Erfas­sung und juris­tis­che Ver­fol­gung al ler Fälle von BR-Mob­bing
  • die Bil­dung spezieller Schw­er­punk­t­staat­san­waltschaften
  • das Durch­set­zen eines wirk­samen Anti-Mob­bing-Geset­zes
  • das Unterbinden von BR-Mob­bing durch die Unternehmerver­bände in ihren Mit­glieds­fir­men
  • den Entzug der Zulas­sung der „Unrecht­san­wälte“, die das Recht nicht pfle­gen, son­dern mis­sacht­en, zumin­d­est für das Gebi­et des Arbeit­srechts
  • die Bil­dung schneller gew­erkschaftlich­er Ein­satz­grup­pen, die die umfassende Abwehr von BR-Mob­bing unter­stützen und mit den Kol­legIn­nen vor Ort Wider­stand organ­isieren.

Allen von BR-Mob­bing betrof­fe­nen Kol­legIn­nen rufen wir zu: Gebt nicht auf! Schließt Euch zusam­men! Fordert von Euren Kol­legIn­nen, der Öffentlichkeit, Euren Gew­erkschaften, den poli­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen und den Medi­en Sol­i­dar­ität! Nur wer kämpft, kann gewin­nen!

Die Teil­nehmerIn­nen der 4. bun­desweit­en Kon­ferenz „Betrieb­sräte im Visi­er“
Mannheim, den 14. Okto­ber 2017

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Oktober/November 2017

Freitag, der 13. für H&M!

Freitag, der 13. für H&M!“

Für Fre­itag, den 13. Okto­ber hat­te die aktion ./. arbeit­sun­recht (1) wieder zum „Schwarzen Fre­itag“ aufgerufen, einem bun­desweit­en Aktion­stag gegen miese Jobs und Union Bust­ing. Dies­mal konzen­tri­erten sich die Proteste auf Hennes & Mau­ritz (H&M). In 18 Städten riefen lokale AkteurIn­nen, zum Teil in Koop­er­a­tion mit der Gew­erkschaft ver.di, zu Aktio­nen auf. Auch in der Essen­er Innen­stadt fand eine Kundge­bung vor H&M statt. AKUWILL (2) set­zte hier den Schw­er­punkt auf den Kampf gegen das gezielte Fer­tig­machen von Betrieb­sräten.

P. S.

Am 13.10.2017 in Essen vor H&M. Foto: Avanti O.

Am 13.10.2017 in Essen vor H&M. Foto: Avan­ti O.

Anlass für die Proteste am Fre­itag, den 13. sind zum einen die schlecht­en Arbeits­be­din­gun­gen bei H&M. Seine Waren lässt der glob­al agierende  Mod­ekonz­ern unter katas­trophalen Arbeits­be­din­gun­gen in Asien fer­ti­gen. In Deutsch­land sind Ket­ten-Befris­tun­gen, Flex-Verträge mit gerin­gen Wochen­stun­den­zahlen, die je nach Bedarf des Unternehmens mal um mehr und mal um weniger Stun­den aufge­stockt wer­den kön­nen, und Arbeit auf Abruf üblich. Dies sorgt für Unsicher­heit und macht eine Leben­s­pla­nung der Beschäftigten, sowohl finanziell als auch zeitlich, nur schw­er möglich. Bei Krankheit erzie­len die Kol­legIn­nen nur das Einkom­men, das sich aus der Stun­den­zahl im Arbeitsver­trag ergibt. Und zwis­chen den Zeilen ste­ht die Dro­hung, dass bei uner­wün­schtem Ver­hal­ten die Möglichkeit zur Mehrar­beit jed­erzeit ent­zo­gen wer­den kann.

Ein weit­er­er Grund für Protest ist die von der Geschäft­sleitung prak­tizierte sys­tem­a­tis­che Bekämp­fung von gew­erkschaftlichem Ein­fluss und wirk­samer Inter­essen­vertre­tung der Beschäftigten in dem Unternehmen („Union Bust­ing“). In diesem Zusam­men­hang wird auch der Plan von H&M gese­hen, das Lager in Großos­theim zu schließen: Ein großer Teil der dort Beschäftigten ist bei ver.di organ­isiert, und die Kol­legIn­nen set­zen sich für ihre Rechte ein.

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