Oktober 1917 – was bleibt?

Oktober 1917 – was bleibt?

Selbstorganisation von unten und revolutionäre Politik

Manuel Kellner bei der Veranstaltung am 2.11.2017 in Oberhausen. Foto: Avanti O.

Manuel Kell­ner bei der Ver­anstal­tung am 2.11.2017 in Ober­hausen. Foto: Avan­ti O.

Am 2. Novem­ber 2017 fand im Rah­men von „Hun­dert Jahre Okto­ber­rev­o­lu­tion“ zu diesem The­ma eine Ver­anstal­tung mit Manuel Kell­ner statt. 
Dr. Manuel Kell­ner, Jahrgang 1955, ist Mit­glied der ISO (Vierte Inter­na­tionale) und der Partei Die Linke sowie der IG Met­all. Er ist außer­dem Redak­teur der Sozial­is­tis­chen Zeitung (SoZ).
Die Okto­ber­rev­o­lu­tion 1917 in Rus­s­land hat viele spätere antikap­i­tal­is­tis­che Bewe­gun­gen inspiri­ert. Die Jahrzehnte währende bürokratis­che Dik­tatur diskred­i­tierte jedoch die sozial­is­tis­che Idee. 1991 wurde die Sow­je­tu­nion aufgelöst.

Was bleibt 100 Jahre danach?
Laut Manuel Kell­ner: Die Räte als demokratis­che Selb­stor­gan­i­sa­tion und Gegen­macht, der Inter­na­tion­al­is­mus als Ori­en­tierung auf die Wel­trev­o­lu­tion, die Rolle ein­er rev­o­lu­tionären Partei für die Eroberung der poli­tis­chen Macht durch die Arbei­t­erIn­nen­klasse.
Die rus­sis­che Rev­o­lu­tion von 1905 war nicht nur eine Massen­streik­be­we­gung, sie brachte auch als neue Erschei­n­ung die Arbei­t­erIn­nen­räte her­vor, eine demokratisch organ­isierte Gegen­macht.

In der rus­sis­chen Rev­o­lu­tion von 1917 taucht­en die Arbeit­er-, Sol­dat­en- und Bauern­räte noch mas­siv­er wieder auf. Die Bolschewi­ki errangen die Mehrheit in den Räten und führten sie zur Eroberung der poli­tis­chen Macht.
In Deutsch­land blieb die SPD die Mehrheit in den Räten und ver­hin­derte die sozial­is­tis­che Umwälzung.
Die Bolschewi­ki glaubten nicht an einen Sozial­is­mus nur im eige­nen (dazu noch rück­ständi­gen) Land. Sie set­zten auf die Rev­o­lu­tion in den entwick­el­ten kap­i­tal­is­tis­chen Län­dern und ergrif­f­en die Ini­tia­tive zur Grün­dung der Kom­mu­nis­tis­chen Inter­na­tionale.

Obwohl so Vieles in Rus­s­land und über­haupt in der Welt anders war als heute, und obwohl die rus­sis­che Rätere­pub­lik isoliert bald zu ein­er autoritären Herrschaft über die Arbei­t­erIn­nen­klasse wurde:
Die Lehren aus der Okto­ber­rev­o­lu­tion bleiben wichtig im Kampf für den Sozial­is­mus des 21. Jahrhun­derts.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Oktober/November 2017

Die Oktoberrevolution — Ein schwieriges, aber wichtiges Erbe

Die Oktoberrevolution

Ein schwieriges, aber wichtiges Erbe

Manuel Kellner

Bekanntgabe der Absetzung der Provisorischen Regierung in Petersburg, 25. Oktober 1917 (7. November 1917). Foto: Gemeinfrei.

Bekan­nt­gabe der Abset­zung der Pro­vi­sorischen Regierung in Peters­burg, 25. Okto­ber 1917 (7. Novem­ber 1917). Foto: Geme­in­frei.

Die Okto­ber­rev­o­lu­tion 1917 in Rus­s­land war keineswegs der Putsch ein­er kleinen Min­der­heit, son­dern ein Auf­s­tand. Er stützte sich auf die Mehrheit  der in Räten organ­isierten Arbei­t­erIn­nen­klasse der großen Städte und der über­wiegend bäuer­lichen Bevölkerung.
Damals ging es nicht um die Alter­na­tive „bürg­er­lich-par­la­men­tarische Demokratie“ oder „bolschewis­tis­che Dik­tatur“. Es ging um die Alter­na­tive „bru­tale Mil­itärdik­tatur und Fort­set­zung des Kriegs“ oder „alle Macht den Sow­jets (Räten)“. Die „gemäßigten“ sozial­is­tis­chen Kräfte (Sozial­rev­o­lu­tionäre und Men­schewi­ki) unter­stützten die bürg­er­liche Pro­vi­sorische Regierung, die um jeden Preis den Krieg fort­set­zen wollte. Sie weigerte sich, soziale Refor­men durchzuführen (Brot, Acht­stun­den­tag, Arbeit­erkon­trolle). Sie lehnte es ab, den Bauern Land und den Nation­al­itäten Selb­st­bes­tim­mung zu geben. Die Bolschewi­ki leis­teten – obwohl sie seit den Juliereignis­sen unter­drückt wor­den waren – entschei­dende Hil­fe bei der Nieder­schla­gung des Kornilow-Putschs. Danach errangen sie inner­halb weniger Wochen die poli­tis­che Hege­monie.

Im August 1917, wenige Monate vor der Rev­o­lu­tion, schrieb Lenin Staat und Rev­o­lu­tion. Er rekon­stru­ierte die Posi­tion von Marx und Engels zur Frage des Staates auf­grund von deren Ver­ar­beitung der Erfahrun­gen der Paris­er Kom­mune von 1871. Lenin ver­trat ein radikaldemokratis­ches Konzept: An die Stelle des alten Staat­sap­pa­rats sollte ein Staat vom Typ der Paris­er Kom­mune treten (die „Dik­tatur des Pro­le­tari­ats“), der von Anfang an den Keim des Abster­bens von Staatlichkeit über­haupt in sich trage. Eben in dieser Tra­di­tion sah sich auch die junge Sow­je­tre­pub­lik.

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1917–2017 Hundert Jahre Oktoberrevolution

1917–2017 Hundert Jahre Oktoberrevolution

Eine Veranstaltungsreihe

vom 30.9.2017 — 25.11.2017 in Oberhausen

Plakat zur Veranstaltungsreihe

Plakat zur Ver­anstal­tungsrei­he

 

Die Ver­anstal­tungsrei­he zu „100 Jahre Okto­ber­rev­o­lu­tion 1917 – 2017“ ist eine gemein­same Ver­anstal­tung der weit­er unten aufge­führten Organ­i­sa­tio­nen und Grup­pen sowie etlich­er an dem The­ma inter­essiert­er Einzelper­so­n­en.
Wir als Ver­anstal­terin­nen und Ver­anstal­ter hof­fen, mit der Ver­anstal­tungsrei­he nicht nur im Rah­men ein­er notwendi­gen linken Errin­nerungskul­tur zu wirken. Wir wollen vielmehr auch die Diskus­sion über notwendi­ge gesellschaftliche Verän­derun­gen, konkrete Alter­na­tiv­en und die Über­win­dung des Kap­i­tal­is­mus am Beispiel der Okto­ber­rev­o­lu­tion gemein­sam führen.

Programm:

Samstag, 30.9.17, 19:00 Uhr im K 14
Eröffnung der Veranstaltungsreihe und Eröffnung der Ausstellung mit den Reprints von Plakaten der Oktoberrevolution, die bis zum 2.11.2017 im K 14 zu sehen sein wird

Die Ausstel­lung präsen­tiert Blät­ter aus der bekan­nten Mappe „Plakate der rus­sis­chen Rev­o­lu­tion 1917 — 1929“. Die Bilder wider­spiegeln nicht nur die explo­sive Inten­sität, in der sich die rus­sis­che Gesellschaft der dama­li­gen Zeit befand, son­dern legten auch den Grund­stein für eine neue stil­rich­t­ende Kun­st­form, die bis heute fortwirkt. Außer­dem kann nicht überse­hen wer­den, dass das The­ma der „Inter­na­tionale des rev­o­lu­tionären Pro­le­tari­ats“ der ganzen Welt in diesen Bildern zum Aus­druck kommt, eine Prob­lematik, die bis heute nicht gelöst ist.

Dienstag, 10.10.17, 19:00 Uhr im K 14
Nationales Selbstbestimmungsrecht zwischen Lenin und Wilson mit Martin Massip

Von allen kriegs­führen­den Mächt­en im ersten Weltkrieg war es Rus­s­land unter Lenin, der das „Nationale Selb­st­bes­tim­mungsrecht der Völk­er“ zuerst forderte. Die USA unter Wil­son grif­f­en diese Forderung auf.

Auf die Vielvölk­er­staat­en Europas, KuK-Monar­chie, Osman­is­ches Reich und die Sow­je­tu­nion selb­st hat­te das weit­ge­hende Auswirkun­gen. In den Kolonien ent­standen unter Beru­fung darauf nationale Befreiungs­be­we­gun­gen. Der Vor­trag geht diesen Auswirkun­gen nach.

Dienstag, 17.10.17, 19:00 Uhr im K 14
Vortrag und Diskussion mit Anton Dannat zu Lenins Aprilthesen

Im April 1917 ver­langte Lenin von den Bolschewi­ki den Bruch mit der Unter­stützung der bürg­er­lichen Regierung und den Kurs auf die sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion, er gewann seine Partei. Die Kom­mu­nis­tis­che Inter­na­tionale über­nahm diese Poli­tik der Ver­weigerung der Klassen­zusam­me­nar­beit mit der Bour­geoisie. Dieser Kurs auf die Wel­trev­o­lu­tion begeis­terte Mil­lio­nen Unter­drück­te. Mit der Wende zur Volks­front­poli­tik 1935 wurde Lenins rev­o­lu­tionäre Poli­tik dann wieder zu Grabe getra­gen.

Donnerstag, 19.10.17, 19:00 Uhr im K 14 Text von Alexandra Kollontai
Diskussionsveranstaltung zu den Voraussetzungen und dem Verlauf der russischen Revolution mit Dr. Christoph Jünke

Vorgeschichte, Ursachen und Entwick­lung der Okto­ber­rev­o­lu­tion in den Jahren 1917 — 1921. Dr. Christoph Jünke (Bochum) ist His­torik­er und Pub­lizist.

Donnerstag, 26.10.17, 19:00 Uhr im K 14
„Lenin, Majakowski und ich – 100 Jahre Oktober“

Erich Schaffn­er spricht und singt. Briefe, Szenen, Lieder, Gedichte und Prosa. Am Klavier: Georg Klemp, Club Voltaire.

Erich Schaffn­er ist ein deutsch­er Schaus­piel­er und Rez­i­ta­tor. Er tritt mit Tex­ten von Karl Kraus („Die let­zten Tage der Men­schheit“), Bert Brecht, Kurt Tuchol­sky u. a. auf. Der Klavier­lehrer Georg Klemp begleit­et seit län­ger­er Zeit Erich Schaffn­er am Klavier.

Donnerstag, 2.11.17, 19:00 Uhr im K 14
Oktober 1917 – was bleibt? Selbstorganisation von unten und revolutionäre Politik, mit Dr. Manuel Kellner

Die Okto­ber­rev­o­lu­tion 1917 in Rus­s­land hat viele spätere antikap­i­tal­is­tis­che Bewe­gun­gen inspiri­ert. Die Jahrzehnte währende bürokratis­che Dik­tatur diskred­i­tierte jedoch die sozial­is­tis­che Idee. 1991 wurde die Sow­je­tu­nion aufgelöst. Was bleibt 100 Jahre danach? Laut Manuel Kell­ner: „Die Räte als demokratis­che Selb­stor­gan­i­sa­tion und Gegen­macht, der Inter­na­tion­al­is­mus als Ori­en­tierung auf die Wel­trev­o­lu­tion, die Rolle ein­er rev­o­lu­tionären Partei für die Eroberung der poli­tis­chen Macht durch die Arbeiter*klasse.“

Dr. Manuel Kell­ner, Jahrgang 1955, ist Mit­glied der ISO (Vierte Inter­na­tionale) und der Partei Die Linke sowie der IG Met­all, Redak­teur der Sozial­is­tis­chen Zeitung (SoZ).

Sonntag, 12.11.17, 11:00 Uhr im Linken Zentrum
Veranstaltung mit Raimund Ernst
1917: Die Überwindung der drei großen historischen Diskriminierungen öffnete den Weg zu demokratischem und sozialem Fortschritt

Der Rück­blick auf 1917 darf sich nicht erschöpfen im Bewahren des dama­li­gen „rev­o­lu­tionären Feuers“. Es geht darum, die „rev­o­lu­tionäre Glut“ weit­erzugeben, wie sie in Über­win­dung jen­er Diskri­m­inierun­gen weltweit als unverzicht­bare Errun­gen­schaften lebendig ist. Die unveräußer­lichen Men­schen­rechte unab­hängig von Rasse, Zen­sus und Geschlecht bleiben gefährdet. Ihre all­ge­meine Durch­set­zung ist aktuelles Pro­gramm und Per­spek­tive für den Sozial­is­mus.

Raimund Ernst ist His­torik­er mit dem Schw­er­punkt Osteu­ropa und Mither­aus­ge­ber der Marx­is­tis­chen Blät­ter.

Freitag, 17.11.17, 21:00 Uhr im Druckluft 

Plakat aus der Oktoberrevolution "Bücher aller Wissenszweige". Privatarchiv.

Plakat aus der Okto­ber­rev­o­lu­tion “Büch­er aller Wis­senszweige”. Pri­vatarchiv.


„Roter Punk“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „1917 — 2017, 100 Jahre Oktoberrevolution“

Es treten auf: „The Grabøwskis“ und „Manege frei“.

Bei­de Bands mis­chen sich pro­voka­tiv in heutige Auseinan­der­set­zun­gen ein und trat­en auf antifaschis­tis­chen Demon­stra­tio­nen in Erschei­n­ung.

Samstag, 25.11.17, 19:00 Uhr im Linken Zentrum
Abschlussveranstaltung „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“

Buchau­tor Rain­er Stöck­er berichtet von seinem Groß­vater. Dieser wird als Kriegs­ge­fan­gener in Sibirien von der Rev­o­lu­tion befre­it und dann von den deutschen Mil­i­taris­ten an die West­front geschickt.

Sowie einem Schluss­wort und einem kleinen Mit­bring-Buf­fet und kurzen Zeichen­trick­fil­men aus der Zeit der Okto­ber­rev­o­lu­tion.

Brecht Gedichte
Es wird weiterhin Tafeln mit Gedichten von Bertolt Brecht geben, die aufgrund ihrer inhaltlichen Nähe zur Oktoberrevolution ausgesucht worden sind, und diese werden bei jeder Veranstaltung zu sehen sein.

Der antibürg­er­liche Schrift­steller Bert Brecht (1898 – 1956) entwick­elte sich in den 1920er Jahren zu einem marx­is­tis­chen Stück­eschreiber und Dichter. Unter dem Ein­druck der sozial­is­tis­chen Okto­ber­rev­o­lu­tion in Rus­s­land ver­fasste er zahlre­iche Stücke wie zum Beispiel „Die Mut­ter“ nach Max­im Gor­ki und die bekan­nten „Lehrstücke“.

Welt­berühmt wurde seine „Dreigroschenop­er“ zu Beginn der 1930er Jahre mit tausenden Auf­führun­gen in aller Welt und in vie­len Sprachen.

Die Machtüber­tra­gung an die NSDAP 1933 zwang Bert Brecht, wie zahlre­iche andere sozial­is­tis­che und human­is­tis­che Kün­st­lerin­nen und Kün­stler, zur Flucht aus dem faschis­tis­chen Deutsch­land.

Im Exil bis 1947 in vie­len Län­dern ent­standen seine berühmten und bis heute viel gespiel­ten Stücke, die er bis zu seinem Tod 1956 am „The­ater am Schiff­bauer­damm“ mit dem „Berlin­er Ensem­ble“ in der DDR und in ganz Europa als Regis­seur auf die Bühne brachte. […].

Veranstaltungsorte:

K 14: Lothringer Straße 64, 46045 Ober­hausen
Linkes Zen­trum: Elsäss­er Straße 19, 46045 Ober­hausen
Druck­luft: Am Förder­turm 27, 46049 Ober­hausen

 

Die Ver­anstal­tungsrei­he wird getra­gen, organ­isiert und finanziert von DKP Oberhausen/Mülheim, His­torisch­er Vere­in Ober­hausen-Ost, ISO Ober­hausen, die LINKE Ober­hausen und Paroli – Vere­in für poli­tis­che Kul­tur e.V. sowie weit­eren nicht genan­nten Einzelper­so­n­en.

September 1917 Kurs auf den bewaffneten Aufstand?

September 1917

Kurs auf den bewaffneten Aufstand?

Manuel Kellner

Kundgebung der Arbeiter- und Soldatenräte auf dem Verkündigungsplatz in Nischni Nowgorod. Oktober 1917. Foto: Wikipedia, Gemeinfrei.

Kundge­bung der Arbeit­er- und Sol­daten­räte auf dem Verkündi­gungsplatz in Nis­chni Now­gorod. Okto­ber 1917. Foto: Wikipedia, Geme­in­frei.

In den Wochen vor der Nieder­schla­gung des Kornilow-Putschs hat­ten die Bolschewi­ki ihre Losung „Alle Macht den Sow­jets!“ zurückgenom­men. Grund war die dama­lige  Vorherrschaft von Men­schewi­ki und Sozial­rev­o­lu­tionären in den Räten (Sow­jets). Diese Kräfte unter­stützten offen die bürg­er­liche Regierung Keren­s­ki, welche die Ent­waffnung der Arbei­t­erIn­nen vor allem Pet­ro­grads und die Unter­drück­ung der rev­o­lu­tionären Linken betrieb. Darum sucht­en die Bolschewi­ki in dieser Zeit nach Rück­halt einige Ebe­nen tiefer: bei den Fab­rikkomi­tees und anderen Massenor­gan­i­sa­tio­nen, in denen sie bere­its die Mehrheit hat­ten.
Die Bolschewi­ki hat­ten bei der Nieder­schla­gung des Putschs eine her­aus­ra­gende Rolle gespielt. Dadurch wur­den die Regierung Keren­s­ki und die von gemäßigten Kräften dominierten Sow­jets vor dem Unter­gang bewahrt. Diese Tat­sache und die am autoritären Pro­gramm Kornilows ori­en­tierte Poli­tik der Regierung Keren­s­ki änderten die Lage Anfang Sep­tem­ber 1917 grundle­gend. Der Ein­fluss der Bolschewi­ki in den Räten wurde nach den jüng­sten Erfahrun­gen immer größer.

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Russland 1917 Die Bauern und die Revolution

Russland 1917

Die Bauern und die Revolution

Manuel Kellner

Eine der vie­len Lügen der Stal­in­schen Fälsch­er­schule ist die Behaup­tung gewe­sen, Trotz­ki habe die „Bauern­frage“ unter­schätzt. In Wirk­lichkeit ste­ht in Trotzkis Schrift Ergeb­nisse und Per­spek­tiv­en (der rus­sis­chen Rev­o­lu­tion nach 1905) das Gegen­teil.

Schon 1906 war es Trotzkis Mei­n­ung nach entschei­dend, die Auf­gaben der bürg­er­lichen Rev­o­lu­tion zu lösen. In deren Mit­telpunkt stand die Agrar­reform, das heißt die Befreiung der bäuer­lichen Bevölkerungsmehrheit aus den halbfeu­dalen Ver­hält­nis­sen Rus­s­lands.
Welche der bei­den völ­lig ent­ge­genge­set­zten Gesellschaft­sklassen kon­nte diese Frage lösen und den Bauern das Land geben? Aus Trotzkis wie aus Lenins Sicht war das rus­sis­che Bürg­er­tum dazu nicht in der Lage. Das Pro­le­tari­at, die Arbei­t­erIn­nen­klasse, kon­nte und musste dieses Prob­lem im Bünd­nis mit der Bauern­schaft lösen.

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Die Juli-Tage 1917 in Russland

Die Juli-Tage 1917 in Russland

Ein „gescheiterter Putschversuch“ der Bolschewiki?

Manuel Kellner

4. Juli 1917, Petrograd, Newski-Prospekt: Regierungstruppen schießen Demonstranten mit Maschinengewehren nieder. Foto: Wikipedia, gemeinfrei.

4. Juli 1917, Pet­ro­grad, News­ki-Prospekt: Regierungstrup­pen schießen Demon­stran­ten mit Maschi­nengewehren nieder. Foto: Wikipedia, geme­in­frei.

Eine große Demon­stra­tion am 18. Juni 1917 in Pet­ro­grad hat­te den inzwis­chen über­wälti­gen­den Ein­fluss der Bolschewi­ki unter den Arbei­t­erin­nen und  Arbeit­ern der Haupt­stadt gezeigt. Mehr war durch Straßen­proteste allein nicht zu erre­ichen. Doch für einen Auf­s­tand war es zu früh, weil im großen Rus­s­land ins­ge­samt noch keine Mehrheit zu sehen war, die einen solchen Umsturz unter­stützt hätte. Darum bemüht­en sich die Bolschewi­ki seit­dem, die sieden­den Gemüter zu kühlen. Sie waren bestrebt, die Massen der Haupt­stadt von unnöti­gen Kon­fronta­tio­nen abzuhal­ten.

Post­fak­tis­ches über die Juli-Tage
In der Süd­deutschen Zeitung vom 8. März 2017 heißt es: „Die linksradikalen Bolschewis­ten ver­suchen im Juli 1917 einen Staatsstre­ich und wer­den von regierungstreuen Trup­pen zusam­mengeschossen“.
Das ist die Mut­ter aller fake-news, die bürg­er­liche Jour­nal­is­ten immer noch ein­er vom andern abschreiben. Das Ziel ist es, die Bolschewi­ki als Putschis­ten zu ver­leum­den. Mit der his­torischen Wahrheit, also mit den dama­li­gen Ereignis­sen, hat diese an den Haaren her­beige­zo­gene Behaup­tung nichts zu tun.

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Der Kornilow-Putsch 1917

Der Kornilow-Putsch 1917

Einheitsfronttaktik als Gegenwehr?

Manuel Kellner

Regierungstruppen besetzen die Redaktion der Prawda. Foto: anton-dannat.de.

Regierungstrup­pen beset­zen die Redak­tion der Praw­da. Foto: anton-dannat.de.

Mit bewaffneter Repres­sion waren die rebel­lieren­den Arbei­t­erIn­nen und Sol­dat­en der Haupt­stadt Pet­ro­grad zurückge­drängt wor­den. Die Bolschewi­ki  wur­den ver­leumdet und unter­drückt, und die Pro­vi­sorische Regierung schien das Heft des Han­delns wieder in die Hand zu bekom­men.
Die Atem­pause für die von Keren­s­ki geführte Regierung kon­nte aber aus vie­len Grün­den nicht lange andauern. Der wichtig­ste Fak­tor dafür war der völ­lige Mis­ser­folg der beschlosse­nen kriegerischen Offen­sive. Vom 18. Juni bis zum 6. Juli 1917 fie­len nach Angaben des rus­sis­chen Haup­tquartiers alleine an der Süd­west­front 56.000 Mann. Als Ursache des Scheit­erns wurde die Tat­sache genan­nt, dass die Vorge­set­zten bis hin zum Ober­be­fehlshaber bei den Sol­dat­en kein­er­lei Autorität mehr genossen.

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Russische Revolution 1917 Der Krieg und sein Klassencharakter

Russische Revolution 1917
Der Krieg und sein Klassencharakter

Manuel Kellner

Lenins „Aprilthe­sen“ bein­hal­teten einen Aufruf zu ein­er sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion in Rus­s­land. Vier Tage nach ihrem Bekan­ntwer­den nahm die Praw­da („Wahrheit“), die Partei-Zeitung der Bolschewi­ki, dazu kri­tisch Stel­lung. Ihre Redak­tion stand damals unter der Leitung von Kame­new und Stal­in.
In der Praw­da war zu lesen: „Was das all­ge­meine Schema des Genossen Lenin bet­rifft, so erscheint es uns unan­nehm­bar, insofern es von der Ein­schätzung der bürg­er­lich-demokratis­chen Rev­o­lu­tion als ein­er abgeschlosse­nen aus­ge­ht und mit der sofor­ti­gen Umwand­lung dieser Rev­o­lu­tion in eine sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion rech­net.“ Das bedeutete auch eine zwei­deutige Hal­tung zur Pro­vi­sorischen Regierung und zum Krieg. Vertei­digte die rus­sis­che Armee jet­zt nicht die Rev­o­lu­tion gegen das deutsche Kaiser­re­ich?

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Ohne Klassenkampf keine Überwindung des Kapitalismus (Teil 1)

Ohne Klassenkampf keine Überwindung des Kapitalismus (Teil I)

Am 22. und 23. April 2017 war die Kap­i­tal­is­mu­s­analyse und -kri­tik von Karl Marx The­ma des diesjähri­gen Früh­jahrssem­i­nars der ISO Rhein-Neckar. Wir veröf­fentlichen hier den ersten Teil eines der dort gehal­te­nen Refer­ate.

O. H.

Nach marx­is­tis­ch­er Auf­fas­sung ist der Kampf zwis­chen den Klassen, der unter­drück­ten gegen die unter­drück­ende und umgekehrt, eine wirk­same Triebkraft der Entwick­lung jed­er Klas­sen­ge­sellschaft. So wie das Bürg­er­tum, die Bour­geoisie, gegen den Feu­daladel kämpfte – kämpfen musste – und gewann, weil sie fortschrit­tlich­er war, so muss die arbei­t­ende Klasse, das Pro­le­tari­at, gegen die Bour­geoisie kämpfen und hat die Möglichkeit, weil es wiederum fortschrit­tlich­er ist als die Bour­geoisie, zu gewin­nen.

Die Bour­geoisie kann sich beim Kampf gegen das Pro­le­tari­at in der bürg­er­lichen Gesellschaft auf die bürg­er­liche Staats­ge­walt stützen, während der pro­le­tarische Klassenkampf gegen die Bour­geoisie ein­herge­ht mit dem Kampf gegen den Staat. Aus diesem Grund kann das Pro­le­tari­at die existierende Staats­macht nicht ein­fach in Besitz nehmen und sie für ihre Zwecke ein­set­zen.
Der pro­le­tarische Klassenkampf tritt nach marx­is­tis­ch­er Auf­fas­sung in drei For­men auf – als the­o­retis­ch­er, als prak­tisch-ökonomis­ch­er (wirtschaftlich­er) und als poli­tis­ch­er Kampf. Diese drei For­men müssen jedoch eine Ein­heit bilden. Sie kön­nen nur zum Erfolg führen, wenn sie nicht voneinan­der getren­nt sind.

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