100 Jahre Frauenwahlrecht – und immer noch viel zu tun Demonstration zum Internationalen Kampftag der Frauen

100 Jahre Frauenwahlrecht –
und immer noch viel zu tun

Demonstration zum
Internationalen Kampftag der Frauen

100 Jahre Frauenwahlrecht – und immer noch viel zu tun Demonstration zum Internationalen Kampftag der Frauen. Foto: ACW.Petra Stanius

Zum drit­ten Mal in Folge demon­stri­erten anlässlich des 8. März auch in Ober­hausen Frauen und Män­ner für Frauen­rechte.
Unter dem Mot­to „Gutes Auskom­men mit dem Einkom­men ein Leben lang“ hat­te das Frauen-Plenum Ober­hausen für Sam­stag, den 10. März mit einem Bünd­nis dazu aufgerufen.
Dass Frauen auch heute noch deut­lich niedrigere Arbeit­seinkom­men und Renten haben als Män­ner und warum dies so ist, wurde bei der Demo von mehreren Red­ner­In­nen benan­nt.

So wies Peter Köster von der IG BAU darauf hin, dass laut DGB die Stun­den­löhne von Frauen im Durch­schnitt 21 % niedriger seien als die von Män­nern. Berech­nun­gen der „Arbeit­ge­ber“ kämen auf eine Lohn­lücke von 13,5 %. Dass es einen erhe­blichen Unter­schied zwis­chen Män­ner- und Frauen­löh­nen gibt, sei somit unstrit­tig.
In Island gäbe es bere­its seit 1970 ein Gesetz, das Lohn­gle­ich­heit vorschreibe. Wenn dies in einem so kleinen Land möglich sei, sollte Deutsch­land das auch kön­nen. Das hier seit Juli 2017 gel­tende Ent­gelt­trans­paren­zge­setz sei dage­gen lediglich ein indi­vidu­elles Auskun­ft­srecht ohne rechtliche Kon­se­quen­zen. Überdies wür­den lediglich 40 % der Frauen von dem Gesetz erfasst.

Die gestiegene Lebenser­wartung bedeute auch, dass Frauen bei der gegebe­nen Renten­si­t­u­a­tion länger arm seien. Von Betrieb­srenten seien sie meist aus­geschlossen. Um dem Prob­lem Alter­sar­mut zu begeg­nen, forderte Peter Köster eine Bürg­erver­sicherung, in die alle ein­zahlen, also auch Besserver­di­enende, Selb­ständi­ge und BeamtIn­nen.
Da Frauen häu­fig unfrei­willig in Teilzeit arbeit­eten, während viele Män­ner gerne ihre Stun­den­zahl reduzieren wür­den, plädierte er für ein all­ge­mein gel­tendes Recht auf Arbeit­szeitverkürzung.
Die Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte für Ober­hausen, Brit­ta Costec­ki, stellte weit­ere Aspek­te der Einkom­men­su­n­gle­ich­heit zwis­chen den Geschlechtern her­aus:
„Frauen­berufe“, also Berufe, die haupt­säch­lich von Frauen aus­geübt wür­den, wür­den gemessen an der hier­für benötigten Qual­i­fika­tion deut­lich schlechter bezahlt als „Män­ner­berufe“.
Zudem hät­ten Frauen über­pro­por­tion­al häu­fig Mini­jobs oder seien prekär beschäftigt.
Für die Fam­i­lien­ar­beit seien sie weit­er­hin die Hauptver­ant­wortlichen.
All dies schlage sich in der Höhe der Arbeit­seinkom­men nieder und später dann in der Höhe der Renten. Wenn die Lohn­lücke nicht nach dem Stun­den­lohn son­dern unter Ein­rech­nung von Fak­toren wie Teilzeit etc. berech­net würde, so läge sie bei mehr als 45 %.
Eine weit­ere Ungerechtigkeit sei, dass Allein­erziehende – über­wiegend Frauen – zu 45 % auf Leis­tun­gen des Job­cen­ters angewiesen seien. Dass dies nicht zu einem Auf­schrei führt, hält Brit­ta Costec­ki für ein Armut­szeug­nis.

Über die Frage der Einkom­mensgle­ich­heit hin­aus bleiben weit­ere Rechte, die wir noch erkämpfen müssen:
So kam bei der Demon­stra­tion auch das The­ma „Gewalt an Frauen“ zur Sprache. Kör­per­liche Unversehrtheit und der Schutz von Frauen und Kindern vor häus­lich­er Gewalt sind lei­der auch in Deutsch­land nicht selb­stver­ständlich.
Suna Tanis vom Ober­hausen­er Frauen­haus kri­tisierte, dass es immer noch keine gesicherte Finanzierung der Frauen­häuser gäbe. Ein Tag im Frauen­haus koste 33 Euro pro Tag. Habe die Betrof­fene zwei Kinder, seien es 99 Euro pro Tag. Diese Summe kön­nten die Frauen nicht selb­st auf­brin­gen, sie seien also auf Sozialleis­tun­gen angewiesen. Diese wür­den aber häu­fig abgelehnt. Dann bliebe nur die Finanzierung durch Spenden.
Frauen­häuser seien zudem über­füllt und kön­nten Not­fälle kaum aufnehmen, so auch in Ober­hausen.
Suna Tanis forderte einen kosten­freien, schnellen Zugang für alle von Gewalt betrof­fe­nen Frauen und ihren Kindern zu Frauen­häusern.
Cor­nelia Schie­manows­ki von der GEW wandte sich in ihrem Rede­beitrag gegen die Ver­suche rechter Grup­pierun­gen, den Kampf für Frauen­rechte für sich zu vere­in­nah­men. Was von dieser Seite käme, sei lediglich Angst­macherei. Tat­säch­lich sei ihre Poli­tik gegen die Inter­essen von Frauen gerichtet und stelle sog­ar bere­its durchge­set­zte Rechte in Frage.

Auch der inter­na­tionale Charak­ter des Frauen­tags kam bei der Demon­stra­tion zum Aus­druck: Mehrere Beiträge nah­men Bezug auf den Frauen­streik, an dem sich am 8. März zahlre­iche Frauen – und auch Män­ner – in aller Welt beteiligt hat­ten. So legten ins Spanien 5,3 Mil­lio­nen Men­schen die Arbeit nieder. Frauen ver­weigerten unbezahlte Tätigkeit­en wie Hausar­beit. Eben­falls beein­druck­end waren die kraftvollen Frauen­demon­stra­tio­nen in der Türkei, an denen sich Tausende beteiligten und so dem despo­tis­chen Erdo­gan-Regime trotzten.

Die Ver­anstal­tung in Ober­hausen endete mit dem Auftritt eines Chors und dem Stück „Brot und Rosen“. Andrea-Cora Walther vom Frauen-Plenum forderte alle Teil­nehmerIn­nen auf, im näch­sten Jahr jew­eils eine weit­ere Per­son mitzubrin­gen, damit die Demon­stra­tion in 2019 noch bunter und lauter werde. Und rief dazu auf, so lange auf die Straße zu gehen, bis Frauen gle­iche Rechte und gle­ichen Lohn für gle­iche Arbeit hät­ten und die unbezahlte Arbeit in Haus, Pflege, Erziehung und Bil­dung endlich die Anerken­nung finde, die sie ver­di­ene.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, März 2018

Ausstellung Altersarmut ist weiblich

Ausstellung „Altersarmut ist weiblich“

 

Ausstellungseröffnung am 06.03.18, Mitglieder des Frauen-Plenums. Foto: ACW.

Ausstel­lungseröff­nung am 06.03.18, Mit­glieder des Frauen-Plenums. Foto: ACW.

Die vom Frauen-Plenum erstellte Ausstel­lung ist noch bis zum 12. April 2018 im Foy­er des Tech­nis­chen Rathaus­es, Bahn­hof­s­traße 66, in Ober­hausen-Sterkrade zu sehen.

Info-Tafeln, Bilder, Col­la­gen, Instal­la­tio­nen: die Ausstel­lung ist vielschichtig. Die Exponate beleucht­en die spezielle Arbeitssi­t­u­a­tion von Frauen. Gründe für die Renten­lücke zwis­chen den Geschlechtern wer­den dargestellt. Die Geschichte der Renten­ver­sicherung in Deutsch­land wird erzählt und ein Ver­gle­ich des hiesi­gen Renten­sys­tems mit denen einiger Nach­bar­län­der ermöglicht. Ein Renten­rech­n­er führt vor Augen, wie erschreck­end niedrig die Rente später auch für diejeni­gen aus­fall­en wird, die heute ein durch­schnit­tlich­es Einkom­men beziehen, wenn die Weichen nicht anders gestellt wer­den. Es wird the­ma­tisiert, was es heißt, im Alter arm zu sein. Die Ausstel­lung will auch jün­gere Frauen ansprechen.
Weit­ere Infos: www.frauen-plenum-ob.de

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, März 2018

Die Hälfte des Himmels … ?

Die Hälfte des Himmels … ?

Das ist nicht nur ein Buchtitel, sondern war auch einer der Slogans der 2. Frauenbewegung, abgeleitet wohl von einem chinesischen Sprichwort: Frauen tragen die Hälfte des Himmels. Uns liegt das Irdische näher, also wie viel vom „Himmel“ auf Erden haben wir schon erreicht?

B. S.

Die lange Debat­te um die Groko führt uns direkt zu der Frage, wie viel Anteil an der Organ­i­sa­tion und Ver­wal­tung des „Him­mels“ wird uns denn gewährt? Die Hälfte des Himmels ...?
Annäh­ernd 100 Jahre haben Frauen in Deutsch­land das Wahlrecht. Mit der Novem­ber­rev­o­lu­tion 1918 hat­te ein langer Kampf diese Selb­stver­ständlichkeit, wie die Sozialdemokratin Marie Juchacz sagte, durchge­set­zt. Und immer­hin schon 1993 hat­ten wir die erste Min­is­ter­präsi­dentin eines Bun­des­lan­des und 2005 eine Bun­deskan­z­lerin. Der Fortschritt ist halt eine Sch­necke! Nun noch einige Beispiele aus europäis­chen Par­la­menten:
Der Anteil der Par­la­men­tari­erin­nen:
Schwe­den 46,1 %
Öster­re­ich 31,1 %
Deutsch­land 30,7 %
Ungarn 10,1 %.
Den höch­sten Frauenan­teil im deutschen Bun­destag haben die Grü­nen mit 58 %, die Linke über­schre­it­et die Hälfte ger­ingfügig mit 53 %.

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Essener Tafel Gegen Rassismus – für ein Leben in Würde!

Essener Tafel
Gegen Rassismus – für ein Leben in Würde!

ISO Oberhausen & FreundInnen

Die Maß­nahme der Essen­er Tafel, Men­schen ohne deutschen Pass vorüberge­hend von der Essen­saus­gabe auszuschließen, ist ras­sis­tisch. Bei der Entschei­dung, wem geholfen wer­den soll, ist die Staat­sange­hörigkeit ein sach­fremdes Kri­teri­um. Um auf so einen Gedanken zu kom­men, bedarf es schon ein­er entsprechen­den Geis­te­shal­tung.
Eben­so inakzept­abel ist allerd­ings die schein­heilige Kri­tik der­jeni­gen, die maßge­blich dafür ver­ant­wortlich sind, dass so eine Sit­u­a­tion über­haupt ein­treten kon­nte. In Deutsch­land hat jed­er Men­sch ein grundge­set­zlich ver­brieftes Recht auf ein Leben in Würde. Jedoch erfüllt der Staat seine Pflich­tauf­gaben nicht und ver­weist stattdessen Bedürftige an die pri­vate Wohlfahrt.
Wir unter­stützen den unten ste­hen­den Aufruf.

ISO Ober­hausen & Fre­undIn­nen

 Arme Menschen nicht gegeneinander ausspielen –
Sozialleistungen endlich erhöhen

Die momen­tan geführte öffentliche Diskus­sion um eine Tafel zeigt, dass arme Men­schen nicht gegeneinan­der aus­ge­spielt wer­den dür­fen. Sozial­staatliche Leis­tun­gen müssen dafür sor­gen, dass für alle hier leben­den Men­schen, gle­ich welch­er Herkun­ft, das Exis­tenzmin­i­mum sichergestellt ist. Es ist ein Skan­dal, dass die poli­tisch Ver­ant­wortlichen das seit Jahren beste­hende gravierende Armut­sprob­lem ver­harm­losen und keine Maß­nah­men zur Lösung ein­leit­en. Damit dro­hen neue Verteilungskämpfe.
Die Zahl der­er, bei denen Einkom­men und Sozialleis­tun­gen nicht im Min­desten aus­re­ichen, um Armut zu ver­hin­dern, wird zunehmend größer. Es bet­rifft Woh­nungslose, in Alter­sar­mut Lebende, prekär Beschäftigte, Allein­erziehende, Erwerb­slose und Geflüchtete.
Wieder ein­mal wird sicht­bar, worauf Fach­leute seit Jahren hin­weisen: Die Regel­sätze in Deutsch­land sind zu ger­ing bemessen, um grundle­gende Bedürfnisse abzudeck­en. Für Ein-Per­so­n­en-Haushalte und Allein­erziehende sieht der Hartz IV-Regel­satz täglich 4,77 Euro für Essen und alko­hol­freie Getränke vor. Für Kinder im Alter unter sechs Jahren sind 2,77 Euro vorge­se­hen, für Kinder von sechs bis 14 Jahren 3,93 Euro.
Dass Men­schen, egal welch­er Herkun­ft, über­haupt die Leis­tun­gen der Tafeln in Anspruch nehmen müssen, ist Aus­druck poli­tis­chen Ver­sagens in diesem reichen Land. Die Ehre­namtlichen der Tafeln vor Ort dür­fen nicht länger dazu dienen, armut­spoli­tis­ches Unter­lassen auszu­gle­ichen. Die Sicherung des Exis­tenzmin­i­mums ist Auf­gabe des Sozial­staates und nicht pri­vater Ini­tia­tiv­en und ehre­namtlichen Engage­ments.
Wir fordern die zukün­ftige Bun­desregierung auf, die Regel­sätze in Hartz IV und der Sozial­hil­fe auf ein bedarf­s­gerecht­es und exis­ten­zsich­ern­des Niveau anzuheben. Dies muss auch für die Leis­tun­gen für Geflüchtete gel­ten, die bish­er sog­ar noch niedriger sind. Sozialleis­tun­gen müssen nicht nur das nack­te Über­leben, son­dern auch ein Min­dest­maß an Teil­habe ermöglichen.

Diesen Aufruf von mehr als 30 bun­desweit aktiv­en Organ­i­sa­tio­nen kön­nt Ihr online beim Par­itätis­chen eben­falls unterze­ich­nen:
www.der-paritaetische.de/aufruf/

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, März 2018

Biji Rojava – Es lebe Rojava!

Biji Rojava – Es lebe Rojava!

ISO Oberhausen & FreundInnen

Während wir mit­ten in der Redak­tion­sar­beit für die März-Aus­gabe der Avan­ti O. steck­en, erre­ichen uns nun nahezu im Minu­ten­takt Nachricht­en, die immer mehr zur Solidarität ist unsere Stärke. Biji Rojava – Es lebe Rojava!Gewis­sheit wer­den: Afrin ist gefall­en, die türkische Armee und ihre dschi­hadis­tis­chen Söld­ner sind im Zen­trum von Afrin Stadt.
Uns erre­ichen Nachricht­en von Luftan­grif­f­en auf Flüchtlingskon­vois und Kranken­häuser; von Folter, Vertrei­bung und Mord unter Allahu Akbar-Rufen an am Ort verbliebe­nen ZivilistIn­nen. Wir hören von ein­er Bar­barei, die schon hin­länglich vom so genan­nten IS, dem Daesh, bekan­nt ist.

War diese Entwick­lung lei­der in den let­zten zwei Wochen schon abse­hbar, so sind wir doch geschockt, dass es nun so weit gekom­men ist. An den Protesten der kur­dis­chen GenossIn­nen, die es trotz ein­er zunehmenden Repres­sion gegen alles Kur­dis­che gegeben hat, haben auch wir uns beteiligt. Doch auch die zahlre­ichen Demon­stra­tio­nen haben nicht genug Men­schen wachgerüt­telt gegen einen völk­er­rechtswidri­gen Angriff­skrieg der Türkei, der nur mit Unter­stützung und Dul­dung der NATO-Staat­en und Rus­s­lands durchge­führt wer­den kon­nte.
Die Bun­desregierung lässt zu, dass die Türkei in Syrien mit deutschen Waf­fen mordet. Sie greift sog­ar auf Seit­en Erdo­gans in den Kon­flikt ein, indem sie ille­gal Waf­fen­ex­porte in dieses Kriegs­ge­bi­et ermöglicht. Im Aus­führungs­ge­setz zu Artikel 26 Abs. 2 des Grundge­set­zes (Kriegswaf­fenkon­trollge­setz) ste­ht u. a.:

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Rings? Oder doch lieber Lechs? Kritik eines unanständigen Angebots

Rings? Oder doch lieber Lechs?
Kritik eines unanständigen Angebots

Ein Gespenst geht um in Europa. Aber nein! Nicht das des Kommunismus. Das ist gerade in Rekonvaleszenz. Ich meine das Gespenst des Linkspopulismus.

Udo Filthaut

Die so genan­nten Erfolge von recht­en Ide­olo­gien in fast ganz Europa und anderen Teilen der Welt erzeu­gen in so genan­nten linksori­en­tierten Kreisen den Wun­sch, dage­gen zu steuern. Eine linke, sozial­is­tis­che Weltan­schau­ung ist ohne den beständi­gen Kampf auch gegen Rechts nicht denkbar.
Da aber die men­schliche Leben­szeit rel­a­tiv ger­ing und über­schaubar ist, kom­men einem zeit­gemäße Phänomene wie z.B. rechte Erfolge unglaublich groß und dom­i­nant, wir uns sel­ber aber klein und hil­f­los vor. Dies erzeugt anscheinend den Wun­sch, größer zu wer­den. Mit Mit­teln von rechts abgekupfert, so a la „wenn die damit Erfolge haben, kön­nen wir dies auch“, wird es dann hof­fentlich doch (Wahl-) Erfolge geben.

Allerd­ings wird viel­er­lei dabei überse­hen.
Was für Poli­tik ist dann noch zu machen, wenn, wie Propheten dieser gefährlichen Lehre fordern, der Marx­is­mus dekon­stru­iert und der daraus her­vorge­gan­gene Begriff der Arbei­t­erIn­nen­klasse als Phan­tasiekon­strukt abgelehnt wird?
Men­schen wer­den als nationale, aber homo­gene Masse, als Volk gese­hen. Dies ist für mich nicht nur eine grobe, holzschnit­tar­tige Darstel­lung der Arbei­t­erIn­nen­klasse, son­dern es sind selek­tive, für den jew­eili­gen Zweck entsprechend deformierte „alter­na­tive Fak­ten“. Auf dieser (bewusst?) falschen Darstel­lung ruht das gesamte Pro­dukt „Linkspop­ulis­mus“.

Wie aber eine wis­senschaftliche Weltan­schau­ung, wie sie der Marx­is­mus ist, mit Annah­men, Falschbe­haup­tun­gen und Zweck­lü­gen Erfolge haben soll, kann wiederum und zwangsläu­fig eben­falls nur her­bei phan­tasiert, her­bei gel­o­gen wer­den.
Wie kann ein poli­tis­ch­er Ansatz, der auf charis­ma­tis­che FührerIn­nen baut und auf Wahlen fix­iert ist, gle­ichzeit­ig emanzi­pa­torisch wirken und die Selb­st­tätigkeit der Men­schen fördern?
Das Wichtig­ste aber, welch­es fataler­weise eh schon kaum noch wahrgenom­men wird: Die Unvere­in­barkeit von Kap­i­tal und Lohnar­beit ver­schwände gän­zlich aus den Köpfen.

Wenn nicht mehr von der Arbei­t­erIn­nen­klasse, son­dern vom Volk, nicht mehr von Arbeit für alle, son­dern von deutsch­er Arbeit, und nicht mehr vom Kap­i­tal­is­mus, son­dern von den Bonzen gere­det wird, wenn also akribisch ver­sucht wird, die Arbei­t­erIn­nen­klasse zu Gun­sten des deutschen Volkes unsicht­bar zu machen, um nichtlinke Kreise zu gewin­nen, wenn z. B. „Bestra­fung auch für migrantis­che Täter“ gefordert wird, wen gewin­nt man dann?
Oder noch schlim­mer: Was passiert, wenn diese Tak­tik gar nicht den erträumten Erfolg haben wird? Wie völkisch geht es dann weit­er, wenn unser Denken erst mal das Gift des Pop­ulis­mus in sich trägt?
Wenn es dann doch so wäre, dass es keinen Linkspop­ulis­mus gibt, son­dern lediglich Pop­ulis­mus von Recht­en, welche von sich glauben, sie wären Linke?

Eine kleine Auswahl aus den vie­len Tex­ten zum Weit­er­lesen
1. Selim Ergu­nalp: Linkspop­ulis­mus ‒ ein antikap­i­tal­is­tis­ches Konzept?, Die Inter­na­tionale, Aus­gabe 6/2017, Short­link: http://shortlinks.de/4ng9
2. Lutz Get­zschmann: Ein­heit der Arbeiter*Innenklasse vs. Bünd­nis von „Volk­sklassen“, Die Inter­na­tionale, Aus­gabe 2/2018
3. Goes, Thomas E.; Bock, Vio­let­ta: Ein unanständi­ges Ange­bot? Mit linkem Pop­ulis­mus gegen Eliten und Rechte, 2017, Papy­rossa.
4. Ernesto Laclau und Chan­tal Mouffe, Hege­monie und Radikale Demokratie – Zur Dekon­struk­tion des Marx­is­mus, 2006, Pas­sagen Ver­lag

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, März 2018

Das Lied von der Moldau

Das Lied von der Moldau

Bertolt Brecht, 1944

Am Grunde der Moldau wan­dern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stun­den, dann kommt schon der Tag.

Es wech­seln die Zeit­en. Die riesi­gen Pläne
Der Mächti­gen kom­men am Ende zum Halt.
Und gehn sie ein­her auch wie blutige Hähne
Es wech­seln die Zeit­en, da hil­ft kein Gewalt.
Am Grunde der Moldau wan­dern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stun­den, dann kommt schon der Tag.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, März 2018

Karl Marx wird 200 (Teil II) Ein bestimmtes Menschenbild

Karl Marx wird 200 (Teil II)
Ein bestimmtes Menschenbild

Manuel Kellner

Karl Marx – verfremdet von Bernd Köhler.

Karl Marx – ver­fremdet von Bernd Köh­ler.

Jed­wede Auflehnung gegen Unter­drück­ung wäre sinn­los, wenn das Bedürf­nis, andere Men­schen auszubeuten dem Men­sch­sein wesentlich zuge­hörte. Ein anderes  Men­schen­bild ist voraus­ge­set­zt, um sich über Ver­hält­nisse zu empören, in denen Men­schen einan­der bekämpfen, bekriegen, ver­sklaven und aus­nutzen.
Für den Philosophen Lud­wig Feuer­bach war der Men­sch grundle­gend gut. Auch wenn er böse ist, han­delt er doch gegen das, was er selb­st für gut hält: Heuchelei ist darum die Ver­beu­gung des Lasters vor der Tugend. Für Karl Marx hinge­gen sind die Men­schen zu allem fähig, im Guten wie im Schlecht­en: Sie brauchen men­schliche Ver­hält­nisse um sich men­schlich zu ver­hal­ten.
Mit dem Aufkom­men der gesellschaftlichen Arbeit­steilung, die den einzel­nen Men­schen Berufe zuweist und sie damit lebenslänglich an die Ausübung ein­er ganz bes­timmten Art von Tätigkeit ket­tet, begin­nt für Karl Marx die Ent­frem­dung:

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Veranstaltungsreihe Revolution, Revolution! Die deutsche Revolution 1848/49

Veranstaltungsreihe Revolution, Revolution!
Die deutsche Revolution 1848/49

O. G.

Straßenkämpfe am Alexanderplatz in Berlin im Jahr 1848 während der Deutschen Revolution. Abbildung: Wikipedia, Gemeinfrei.

Straßenkämpfe am Alexan­der­platz in Berlin im Jahr 1848 während der Deutschen Rev­o­lu­tion. Abbil­dung: Wikipedia, Geme­in­frei.

In diesem Jahr wird das Bünd­nis „Rot­er Okto­ber“, das 2017 die Ver­anstal­tungsrei­he zur Rus­sis­chen Rev­o­lu­tion organ­isiert hat, in Ober­hausen erneut eine  Ver­anstal­tungsrei­he durch­führen:
2018 würde Karl Marx seinen 200. Geburt­stag feiern. Bert Brecht würde 120 Jahre alt. Die Märzrev­o­lu­tion 1848 jährt sich zum 170. Mal. Die Novem­ber­rev­o­lu­tion 1918 wird 100. Und der fol­gen­re­iche Mai 1968 hat 50-jähriges Jubiläum.
Die Rei­he „Rev­o­lu­tion, Rev­o­lu­tion!“ begin­nt mit ein­er Infor­ma­tions- und Diskus­sionsver­anstal­tung zur Deutschen Rev­o­lu­tion 1848/49.
Sie find­et am Dien­stag, den 17. April um 19:00 Uhr in der Fab­rik K14 statt. Ref­er­ent ist Dr. Manuel Kell­ner aus Köln.

Aus der Ver­anstal­tungs­beschrei­bung:
„… Die Ziele der deutschen Rev­o­lu­tion 1848/49 waren Demokratie, nationale Ein­heit und Unab­hängigkeit von den in der „Heili­gen Allianz“ zusam­mengeschlosse­nen Fürsten­häusern. Die Rev­o­lu­tion erzwang zunächst die „Märzk­abi­nette“, die dem lib­eralen Bürg­er­tum Zugeständ­nisse macht­en sowie die Wahl ein­er ver­fas­sunggeben­den Ver­samm­lung, die am 18. Mai 1848 in der Frank­furter Paulskirche zusam­men­trat.
Die führende Rolle hat­ten dort die bürg­er­lich-lib­eralen Kräfte, die für eine kon­sti­tu­tionelle Monar­chie ein­trat­en. Die linke Min­der­heit war radikal demokratisch, näm­lich für eine par­la­men­tarisch-demokratis­che Repub­lik.

Als die Rev­o­lu­tion auf dem absteigen­den Ast war, schlug der preußis­che König die ihm von der „Paulskirche“ ange­tra­gene Kaiserkro­ne aus. Preußis­che und öster­re­ichis­che Trup­pen schlu­gen die Rev­o­lu­tion nieder.
Karl Marx zog die Bilanz, dass die Arbei­t­erIn­nen­klasse beim näch­sten Anlauf unab­hängig vom demokratis­chen Klein­bürg­er­tum auftreten müsse – zugun­sten ein­er „Rev­o­lu­tion in Per­ma­nenz“, bis alle mehr oder weniger besitzen­den Klassen von der Macht ver­drängt sind…“
Weit­ere Ter­mine der Ver­anstal­tungsrei­he wer­den in Kürze veröf­fentlicht, unter anderem auf unser­er Web­site.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, März 2018

Afrin oder die Sicherung von Macht und Profit

Afrin oder Herr Erdogan
und die Sicherung von Macht und Profit

Demo Halt Stand Afrin! - am 25.01.2018 in Oberhausen. Foto: Avanti O.

Ernst Kochanowski

Ger­ade fand in München die soge­nan­nte Sicher­heit­skon­ferenz statt. Soge­nan­nt, weil es „Sicherungskon­ferenz“ heißen müsste. Dort wur­den näm­lich „alter­na­tive“ Maß­nah­men zur Sicherung von Wirtschaftsin­ter­essen geplant. Kap­i­tal­is­mus ist Sicher­heit – Krieg ist Frieden – Aus­beu­tung ist Frei­heit. Unwichtig was Worte bedeuten, es kommt darauf an, wer die Macht hat, dies zu bes­tim­men. So wie ger­ade Herr Erdo­gan. Seinem Wahn eines osman­is­chen Großre­ichs ste­hen auch die Kur­den im Wege. Das kriegs­be­d­ingte Chaos in Syrien nutzt dieser Despot, um gemein­sam mit dem „Islamis­chen Staat“ das Gebi­et an der türkischen Gren­ze von kur­dis­chen „Ter­ror­is­ten“ zu „befreien“.

Sehr zur Freude von Rhein­metall, Heck­ler & Koch, von Aktien­märk­ten, von Stan­dortvertei­di­gern in Poli­tik und Gesellschaft.
Weil dies aber so ist, wer­den – welch eine Schande! – auch in Deutsch­land Men­schen, welche gegen die Ermor­dung ihrer Lieb­sten, gegen die Zer­störung ihrer Heimat, protestieren als poten­zielle Ter­ror­is­ten, als „Gefährder“ gese­hen. So find­et die Staats­ge­walt immer wieder Gründe, kur­dis­che Demos zu beschnei­den oder gar zu unter­sagen.

Alle fried­lieben­den Men­schen rufen wir auf, gegen die Gemein­heit und gegen diesen Krieg zu kämpfen. Auch in Ober­hausen am 28.2.18 um17:00 Uhr auf dem Frieden­splatz.

»Und von den Zuschauer erwarten wir, dass sie wenig­stens beschämt sind!« (Bertolt Brecht)

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Januar/Februar 2018