Gemeinsam gegen Betriebsrats-Mobbing!

Gemeinsam gegen Betriebsrats-Mobbing!

 

Impressionen von der 4. Konferenz "Betriebsräte im Visier". Fotos: helmut-roos@web.de

P. S. / H. N.

Seit etwa zwanzig Jahren nehmen Fälle sys­tem­a­tis­ch­er Gew­erkschafts­bekämp­fung, prak­tiziert von Unternehmen jeglich­er Größenord­nung, stetig zu. In der Avan­ti O. bericht­en wir regelmäßig über der­ar­tige Machen­schaften. (So auch in dieser Aus­gabe.)
Eine für die Betrof­fe­nen beson­ders bedrohliche Form dieser als „Union Bust­ing“ bekan­nten Unternehmensstrate­gie ist das gezielte Fer­tig­machen von einzel­nen engagierten Kol­legIn­nen im Betrieb; namentlich von Betrieb­sräten, die ihre Auf­gaben ernst nehmen.
Um sich effek­tiv wehren zu kön­nen, brauchen Gew­erkschaften, Betrof­fene und Unter­stützerIn­nen ihrer­seits eine Gegen­strate­gie. Einen Raum, um eine solche zu erar­beit­en, organ­isiert das Mannheimer Sol­i­dar­ität­skomi­tee gegen BR-Mob­bing mit der bun­desweit­en Tagung „Betrieb­sräte im Visi­er – Boss­ing, Mob­bing & Co.”.

Das Komi­tee, das seit dem Jahr 2012 betrof­fene Kol­legIn­nen aus dem Raum Rhein-Neckar aktiv unter­stützt, hat am 14. Okto­ber 2017 die Tagung im vierten Jahr in Folge im Mannheimer Gew­erkschaft­shaus durchge­führt. Über 100 Teil­nehmerin­nen und Teil­nehmern aus ver­schiede­nen Branchen hat­ten sich für diesen Kongress angemeldet.

Mit Rechts­bruch gegen Betrieb­sräte
Anwe­sende Betrieb­sratsmit­glieder aus ver­schiede­nen Betrieben und Branchen berichteten über ihre schock­ieren­den Erfahrun­gen. Diese bele­gen die weit­er gewach­sene Aggres­siv­ität gegenüber gew­erkschaftlich aktiv­en Mit­gliedern von Inter­essen­vertre­tun­gen.
Mit so genan­nten Ver­dacht­skündi­gun­gen, mit Bespitzelung und Zer­set­zung des beru­flichen und pri­vat­en Umfeldes wird gegen engagierte Betrieb­sräte vorge­gan­gen. In der Folge kommt es bei Betrof­fe­nen zu schw­eren depres­siv­en Erkrankun­gen und sog­ar zu Selb­st­mord­ver­suchen. Nicht zulet­zt entste­hen exis­tenzbedro­hende finanzielle und famil­iäre Prob­leme.
Diese skan­dalösen Rechts­brüche haben Unternehmensleitun­gen und ihre Helfer­shelfer in spezial­isierten Anwalt­skan­zleien, Beratungs­fir­men und Detek­teien zu verantworten.Auf der Kon­ferenz kam aber nicht nur die Betrieb­srats- und Gew­erkschafts­bekämp­fung in der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land an aktuellen Beispie­len zur Sprache. Vielmehr wur­den die Möglichkeit­en ein­er erfol­gre­ichen Abwehr des Betrieb­srats-Mob­bings aus ver­schiede­nen Blick­winkeln beleuchtet.

Klaus Stein, 1. Bevollmächtigter der IG Met­all Mannheim, berichtete in seinem Gruß­wort von ein­er zunehmenden Zahl von Angrif­f­en auf Betrieb­sräte und gew­erkschaftliche Organ­isierung in Betrieben der Region. Er betonte die Notwendigkeit ein­er kon­se­quenten Gegen­wehr.

Ger­hard Klas von work watch Köln, ein­er von Gün­ter Wall­raff mit­be­grün­de­ten Ini­tia­tive, forderte die Einzel­gew­erkschaften auf, Opfern von BR-Mob­bing unbürokratisch und schnell finanzielle Not­la­gen-Unter­stützung zu gewähren.

Susanne Kim und Philipp Zysas vom IG Met­all-Vor­stand in Frank­furt referierten zum The­ma „ Organ­isieren – eine Meth­ode zur Vertei­di­gung unser­er Grun­drechte im Betrieb gegen Angriffe auf Gew­erkschaften?”. Eine zen­trale Aus­sage ihrer Aus­führun­gen war, dass die Bekämp­fung von Betrieb­sräten und Gew­erkschaften eine „wach­sende Gefahr für Demokratie in Betrieb und Gesellschaft” ist.

Diet­rich Growe, Fachan­walt für Arbeit­srecht in Mannheim (Kan­zlei Dr. Growe & Kol­le­gen), set­zte sich mit der Frage „§ 119 Betrieb­sver­fas­sungs­ge­setz – kein The­ma im Arbeit­srecht?” auseinan­der. Seine Empfehlung für die juris­tis­che Bekämp­fung des BR- Mob­bings lautete, „Konz­ern­vorstände, Auf­sicht­sratsmit­glieder, Eigen­tümer, Recht­san­wälte und führende Kan­zleipart­ner in die strafrechtliche Ver­ant­wor­tung [zu] nehmen!”

Eine kleine Sen­sa­tion war die Vorstel­lung der ersten Bildergeschichte zu Betrieb­srats-Mob­bing über­haupt. Sie trägt den Titel „Die 10 Schritte zur Besei­t­i­gung des Betrieb­srats“. In ihr haben von BR-Mob­bing betrof­fene Kol­le­gen ihre Erleb­nisse in ein­er beein­druck­enden Form ver­ar­beit­et. Eine Veröf­fentlichung ist geplant.

Peter Köster (IG BAU Mül­heim, Essen, Ober­hausen) skizzierte strate­gis­che Per­spek­tiv­en für die noch wirk­samere Bekämp­fung von BR-Mob­bing durch Betrof­fene, Sol­i­dar­ität­skomi­tees und Gew­erkschaften.

Was tun gegen BR-Mob­bing!
Die Tagung ver­ab­schiedete die Entschließung „Was tun gegen BR-Mob­bing!“
Unter­stützer der vom Komi­tee „Sol­i­dar­ität gegen BR-Mob­bing!“ organ­isierten Kon­ferenz waren IG Met­all Mannheim sowie AKUWILL Ober­hausen, Betrieb­srat Gen­er­al Elec­tric Mannheim, IG BCE Wein­heim, Über­be­trieblich­es Sol­i­dar­ität­skomi­tee Rhein-Neckar, ver.di Rhein-Neckar und work-watch Köln.

Einen berühren­den musikalis­chen Beitrag zum guten Gelin­gen der Tagung leis­tete die Mannheimer Kün­st­lerin Gizem Gözüacik.
In einem Jahr, am 13. Okto­ber 2018, soll die 5. bun­desweite Kon­ferenz „Betrieb­sräte im Visi­er” in Mannheim stat­tfind­en.
Weit­ere Infos: siehe: www.gegen-br-mobbing.de.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Oktober/November 2017

Entschließung der 4. bundesweiten Konferenz „Betriebsräte im Visier“

Was tun gegen BR-Mobbing!

Entschließung der 4. bundesweiten Konferenz
„Betriebsräte im Visier“

BR-Mob­bing ist in Deutsch­land ein wesentlich­er Bestandteil der sys­tem­a­tis­chen Gew­erkschafts­bekämp­fung (des „Union Bust­ing“). Immer häu­figer ver­suchen Unternehmen, Betrieb­sräte und gew­erkschaftlichen Ein­fluss in Betrieben zu ver­hin­dern oder – falls bere­its vorhan­den – zu zer­schla­gen.
BR-Mob­bing bedeutet für die davon betrof­fe­nen Kol­legIn­nen Exis­ten­zsangst und meist auch Exis­ten­zver­nich­tung. BR-Mob­bing führt zu mas­siv­en beru­flichen, finanziellen, gesund­heitlichen, per­sön­lichen und sozialen Schädi­gun­gen. Nicht sel­ten sind schwere depres­sive Erkrankun­gen die Folge. Es kommt in der Folge sog­ar zu ver­sucht­en Selb­st­tö­tun­gen.

BR-Mob­bing gilt offen­bar in der Bun­desre­pub­lik meist als Kava­liers­de­likt. Jeden­falls bleiben die hier­für Ver­ant­wortlichen in Unternehmensleitun­gen und ihre Helfer­shelfer aus „Rechts“- Anwalt­skan­zleien, „Beratungs­fir­men“, dem Kreis fir­men­höriger „unab­hängiger Betrieb­sräte“ und Detek­teien meist straf­frei. Jeden­falls nehmen es Ver­ant­wortliche in Poli­tik, Jus­tiz, Medi­en und lei­der auch in manchen betrieblichen und gew­erkschaftlichen Struk­turen entwed­er gar nicht wahr oder spie­len es als „Einzelfall“ herunter.

Tat­sache ist aber:

  • Die Be- oder Ver­hin­derung der Wahl von Betriebs- oder Per­son­al­räten ist ein Straftatbe­stand.
  • Die Block­ade der geset­zlich fest­gelegten Auf­gaben von ge wählten Betrieb­srats­gremien ist ille­gal.
  • Das Mobben von Betrieb­srats- und Gew­erkschaftsmit­glie dern ist krim­inell.
  • Es han­delt sich hier­bei um mas­sive Ver­let­zun­gen von Grund- und Men­schen­recht­en.

Die kon­se­quente Bekämp­fung von BR-Mob­bing ist deshalb nicht allein eine Pflicht der Gew­erkschaften. Poli­tik, Jus­tiz und Medi­en sind hier eben­falls gefordert.
Es ist pos­i­tiv, dass einzelne Gew­erkschaften wie IG Met­all und ver.di auf ihren Gew­erkschaft­sta­gen Beschlüsse zum Kampf gegen BR-Mob­bing gefasst haben. Aber diese müssen kon­se­quent umge­set­zt und Poli­tik, Jus­tiz und Unternehmen in die Ver­ant­wor­tung genom­men wer­den.
Wir erneuern deshalb unseren Mannheimer Appell gegen BR-Mob­bing vom 11. Okto­ber 2014.
Wir fordern die Einzel­gew­erkschaften auf, Opfern von BR-Mob­bing unbürokratisch und schnell finanzielle Not­la­gen-Unter­stützung zu gewähren.
Wir erwarten von unseren Gew­erkschaften und dem DGB, dass sie hart­näck­ig stre­it­en für:

  • die sys­tem­a­tis­che Erfas­sung und juris­tis­che Ver­fol­gung al ler Fälle von BR-Mob­bing
  • die Bil­dung spezieller Schw­er­punk­t­staat­san­waltschaften
  • das Durch­set­zen eines wirk­samen Anti-Mob­bing-Geset­zes
  • das Unterbinden von BR-Mob­bing durch die Unternehmerver­bände in ihren Mit­glieds­fir­men
  • den Entzug der Zulas­sung der „Unrecht­san­wälte“, die das Recht nicht pfle­gen, son­dern mis­sacht­en, zumin­d­est für das Gebi­et des Arbeit­srechts
  • die Bil­dung schneller gew­erkschaftlich­er Ein­satz­grup­pen, die die umfassende Abwehr von BR-Mob­bing unter­stützen und mit den Kol­legIn­nen vor Ort Wider­stand organ­isieren.

Allen von BR-Mob­bing betrof­fe­nen Kol­legIn­nen rufen wir zu: Gebt nicht auf! Schließt Euch zusam­men! Fordert von Euren Kol­legIn­nen, der Öffentlichkeit, Euren Gew­erkschaften, den poli­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen und den Medi­en Sol­i­dar­ität! Nur wer kämpft, kann gewin­nen!

Die Teil­nehmerIn­nen der 4. bun­desweit­en Kon­ferenz „Betrieb­sräte im Visi­er“
Mannheim, den 14. Okto­ber 2017

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Oktober/November 2017

Freitag, der 13. für H&M!

Freitag, der 13. für H&M!“

Für Fre­itag, den 13. Okto­ber hat­te die aktion ./. arbeit­sun­recht (1) wieder zum „Schwarzen Fre­itag“ aufgerufen, einem bun­desweit­en Aktion­stag gegen miese Jobs und Union Bust­ing. Dies­mal konzen­tri­erten sich die Proteste auf Hennes & Mau­ritz (H&M). In 18 Städten riefen lokale AkteurIn­nen, zum Teil in Koop­er­a­tion mit der Gew­erkschaft ver.di, zu Aktio­nen auf. Auch in der Essen­er Innen­stadt fand eine Kundge­bung vor H&M statt. AKUWILL (2) set­zte hier den Schw­er­punkt auf den Kampf gegen das gezielte Fer­tig­machen von Betrieb­sräten.

P. S.

Am 13.10.2017 in Essen vor H&M. Foto: Avanti O.

Am 13.10.2017 in Essen vor H&M. Foto: Avan­ti O.

Anlass für die Proteste am Fre­itag, den 13. sind zum einen die schlecht­en Arbeits­be­din­gun­gen bei H&M. Seine Waren lässt der glob­al agierende  Mod­ekonz­ern unter katas­trophalen Arbeits­be­din­gun­gen in Asien fer­ti­gen. In Deutsch­land sind Ket­ten-Befris­tun­gen, Flex-Verträge mit gerin­gen Wochen­stun­den­zahlen, die je nach Bedarf des Unternehmens mal um mehr und mal um weniger Stun­den aufge­stockt wer­den kön­nen, und Arbeit auf Abruf üblich. Dies sorgt für Unsicher­heit und macht eine Leben­s­pla­nung der Beschäftigten, sowohl finanziell als auch zeitlich, nur schw­er möglich. Bei Krankheit erzie­len die Kol­legIn­nen nur das Einkom­men, das sich aus der Stun­den­zahl im Arbeitsver­trag ergibt. Und zwis­chen den Zeilen ste­ht die Dro­hung, dass bei uner­wün­schtem Ver­hal­ten die Möglichkeit zur Mehrar­beit jed­erzeit ent­zo­gen wer­den kann.

Ein weit­er­er Grund für Protest ist die von der Geschäft­sleitung prak­tizierte sys­tem­a­tis­che Bekämp­fung von gew­erkschaftlichem Ein­fluss und wirk­samer Inter­essen­vertre­tung der Beschäftigten in dem Unternehmen („Union Bust­ing“). In diesem Zusam­men­hang wird auch der Plan von H&M gese­hen, das Lager in Großos­theim zu schließen: Ein großer Teil der dort Beschäftigten ist bei ver.di organ­isiert, und die Kol­legIn­nen set­zen sich für ihre Rechte ein.

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Hennes & Mauritz (H&M) geht gegen Betriebsräte vor

Hennes & Mauritz (H&M) geht gegen Betriebsräte vor

Kündigung von Betriebsrat Lukasz C. abgewiesen

Hennes & Mau­ritz hat sich bere­its in der Ver­gan­gen­heit mit dem Vorge­hen gegen Dami­ano Q. seinen Ruf als Betrieb­srats-Mob­ber ver­schafft. Seit Ende 2016 strengte der Mod­ekonz­ern Kündi­gungsver­fahren nun gegen gle­ich drei Betrieb­sräte an. Am 26. Sep­tem­ber 2017 wies das Lan­desar­beits­gericht Düs­sel­dorf das Kündi­gungs­begehren gegen Lukasz C., Betrieb­srat bei H&M in Lev­erkusen, ab.

ProzessbeobachterIn

Dami­ano Q., Betrieb­sratsvor­sitzen­der in der Tri­er­er Fil­iale der Mod­ekette, hat­te von Dezem­ber 2012 an mit Unter­stützung sein­er Gew­erkschaft ver­di für die Rück­kehr in den Betrieb gekämpft. Nach fünf Kündi­gungsver­suchen durch das Unternehmen, die sich gegen Dami­anos Tätigkeit für die Inter­essen­vertre­tung der Beschäftigten richteten, entsch­ied das Bun­de­sar­beits­gericht im Mai 2015 endgültig zugun­sten des Kol­le­gen.
Dies hat die Unternehmensleitung offenkundig nicht davon abge­hal­ten, weit­er gegen aktive Betrieb­sräte vorzuge­hen:
Im Novem­ber 2016 begehrte H&M in Lev­erkusen beim zuständi­gen Arbeits­gericht die Kündi­gung des Betrieb­srates Lukasz C. wegen ange­blich­er Selb­st­beurlaubung.

Im Jan­u­ar 2017 fol­gte das Kündi­gungs­begehren gegen den langjähri­gen Vor­sitzen­den des Betrieb­srats der Tübinger Fil­iale, Mali T., der zudem Mit­glied des Gesamt­be­trieb­srats ist. Sein ange­blich­es Verge­hen: Nach­dem er sich erfol­gre­ich für die Rechte der Beschäftigten einge­set­zt hat, soll er eben diese in einem Vier-Augen-Gespräch der Fil­ialleitung zum Kauf ange­boten haben.
Nico L., dessen Kündi­gung H&M Mitte Mai 2017 begehrte, ist Betrieb­sratsvor­sitzen­der bei H&M in Bonn und eben­falls Mit­glied des Gesamt­be­trieb­srats. Dem Kol­le­gen, der erfol­gre­ich zur Grün­dung neuer Betrieb­sräte bei der Mod­ekette beige­tra­gen hat, wer­den wie Lukasz Selb­st­beurlaubung sowie Arbeit­szeit­ma­nip­u­la­tion vorge­wor­fen – ein beliebter Vor­wurf bei der Kündi­gung von Betrieb­sräten, nicht nur bei H&M.

Lukasz bleibt Betrieb­srat
Als das Arbeits­gericht die Kündi­gung von Lukasz für unzuläs­sig befand, ging H&M in Beschw­erde.
Der erste Ter­min vor dem Lan­desar­beits­gericht in Düs­sel­dorf am 28. Juli 2017 ver­lief ergeb­nis­los, da für die Ermit­tlung des Sachver­halts eine erneute Beweisauf­nahme notwendig erschien: Die für die Arbeit­ge­ber­seite anwe­sende Store Man­agerin (Fil­iallei­t­erin) und ihr Anwalt waren nicht in der Lage zu bele­gen, dass Lukasz C. eigen­mächtig seinen Urlaub ver­längert hat. Der vom Richter angestrebte Ver­gle­ich kam nicht zus­tande.
Bei der Fort­set­zung der Ver­hand­lung am 26. Sep­tem­ber 2017 wur­den dann diverse Zeug­In­nen ver­nom­men: die besagte Store Man­agerin, zwei Mit­glieder des Betrieb­srates und eine Depart­ment Man­agerin (Abteilungslei­t­erin) des Haus­es in Lev­erkusen. Let­ztere wurde auf Betreiben des Anwalts der Arbeit­ge­ber­seite zusät­zlich benan­nt.

Aber auch dies­mal wurde das Kündi­gungs­begehren seit­ens des Unternehmens nicht überzeu­gend begrün­det. Die Store Man­agerin und die Depart­ment Man­agerin ver­wick­el­ten sich in starke Wider­sprüche.
Die Beweis­last aber lag bei H&M: Die Unternehmens­seite hätte nachvol­lziehbar dar­legen müssen, dass es für die Kündi­gung des Betriebrats einen wichti­gen Grund gab. Jedoch war das Gericht am Ende nicht davon überzeugt, dass Lukasz C. tat­säch­lich eine schw­er­wiegende Ver­fehlung began­gen hat­te, und wies das Kündi­gungs­begehren ab.

Damit ist dieses Ver­fahren abgeschlossen, und Lukasz C. kann auch wieder uneingeschränkt sein­er Arbeit als Betrieb­srat nachge­hen.
Die anderen Kündi­gungs­begehren sind noch nicht entsch­ieden. Wir wer­den weit­er bericht­en.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Oktober/November 2017

 

Unterstützt die gemobbten Betriebsräte von H&M

Unterstützt die gemobbten Betriebsräte von H&M

C.P.

Es ist nicht neu, dass die Mod­ekette Hennes & Mau­ritz sys­tem­a­tisch gegen Inter­essen­vertre­tun­gen der Belegschaft vorge­ht. Von Dezem­ber 2012 an kämpfte Dami­ano Quin­to, langjähriger Betrieb­sratsvor­sitzen­der in der Tri­er­er Fil­iale der Mod­ekette Hennes & Mau­ritz, um seinen Arbeit­splatz. Nach mehreren Anträ­gen zu sein­er frist­losen Kündi­gung stellte endlich im Mai 2016 das Bun­de­sar­beits­gericht fest: Die Kündi­gung des engagierten Gew­erkschafters ist unwirk­sam, die vom Unternehmen vorge­bracht­en Kündi­gungs­gründe nicht stich­haltig.
Nun ver­sucht H&M in mehreren Fällen wieder, Betrieb­sratsmit­glieder, die ihre Auf­gabe ernst nehmen, loszuw­er­den. Betrof­fen sind Betrieb­sräte in Lev­erkusen, Bonn und Tübin­gen.
Der aktuelle Fall in Lev­erkusen: Seit Novem­ber 2016 ist ein amtieren­der Betrieb­srat von sein­er Arbeit „frei gestellt“ und befind­et sich in einem Kündi­gungsver­fahren. Dem BR wirft H&M vor, seinen Urlaub im let­zten Jahr eigen­mächtig ver­längert zu haben. Der wahre Grund ist offen­sichtlich seine engagierte Arbeit.
Das erstin­stan­zliche Urteil des zuständi­gen Solinger Arbeits­gericht fiel zu Gun­sten des Lev­erkusen­er Betrieb­srates aus, aber H&M ist in Beru­fung gegan­gen.
Nun find­et das Beru­fungsver­fahren statt:

Fre­itag, 28.07.2017 um 10:00 Uhr
Lan­desar­beits­gericht Düs­sel­dorf, Lud­wig-Erhard-Allee 21
40227 Düs­sel­dorf
Unter­stützerin­nen und Unter­stützer sind willkom­men!

Quelle: www.work-watch.de
Hier find­et Ihr auch weit­ere Infor­ma­tio­nen über die Offen­sive von H&M gegen BR-Mit­glieder.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Juni/Juli 2017.

4. Konferenz Betriebsräte im Visier

4. Konferenz „Betriebsräte im Visier“

Konferenz  Betriebsräte im Visier 2017 Faltblatt

Immer wieder wer­den Angriffe auf Betrieb­sräte (BR) bekan­nt. Medi­en nen­nen in diesem Zusam­men­hang die Namen XXXL, MK-Kliniken, WISAG, BITO, GE, H&M, IKEA, HYUNDAI, RHENUS und andere mehr oder weniger promi­nente Unternehmen.
Fir­men­leitun­gen, „Unrecht­san­wälte“ und „Beratungs­fir­men“ zer­stören mit ihren strate­gisch koor­dinierten Attack­en vor allem sowohl die Gesund­heit von „stören­den“ Betrieb­sräten als auch deren beru­fliche und finanzielle Exis­tenz. In der Regel schädi­gen die Mob­ber durch ihren Psy­choter­ror mas­siv auch die Fam­i­lien der betrof­fe­nen Kol­legIn­nen. Es geht hier­bei um krim­inelle Angriffe auf engagierte Men­schen und um Men­schen­rechtsver­let­zun­gen.
Alle bish­er öffentlich wahrnehm­baren Fälle sind nur die sicht­bare Spitze eines großen Eis­berges. In den let­zten Jahren sind offen­bar hun­derte von engagierten Betrieb­sratsmit­gliedern gemobbt wor­den. Zehn­tausende der von ihnen in den Betrieben vertrete­nen Kol­legIn­nen haben also beängsti­gende Angriffe auf ihre demokratisch gewählten Inter­essen­vertre­tun­gen erlebt.
Gegen BR-Mob­bing muss im konkreten Fall wirk­samer Wider­stand auf betrieblich­er, rechtlich­er und poli­tis­ch­er Ebene geleis­tet wer­den. Das Mannheimer Komi­tee „Sol­i­dar­ität gegen BR-Mob­bing“ organ­isiert dazu im vierten Jahr in Folge die Kon­ferenz „Betrieb­sräte im Visi­er“. Hier wer­den sowohl aktuelle Beispiele der Gew­erkschafts- und Betrieb­srats­bekämp­fung dargestellt als auch Wege der Gegen­wehr analysiert. Nicht zulet­zt aber will die Tagung Kol­legIn­nen, die von BR-Mob­bing betrof­fen sind, ein Forum zum sol­i­darischen Erfahrungsaus­tausch und zur noch wirk­sameren Unter­stützung bieten.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Juni/Juli 2017.

Videodokumentation der Veranstaltung gegen BR-Mobbing am 20.04.2017 in Oberhausen

Videodokumentation der Veranstaltung:

Mobbing von Betriebsräten und engagierten Beschäftigten
Wie können wir uns dagegen wehren?

am 20.4.2017 in Oberhausen

 

 

Weitere Infos findet Ihr auf der Seite von Akuwill .

Rote Karte für WISAG – Herzlichen Glückwunsch, Karl!

Rote Karte für WISAG – Herzlichen Glückwunsch, Karl!

Die Kündigung des engagierten Gewerkschafters ist unwirksam.

Grafik: Avanti O.C.P.

Offen­bar ist der Kol­lege dem Wach- und Sicher­heit­sun­ternehmen ein Dorn im Auge.
Karl S. war Vor­sitzen­der der Ver­trauensleute bei der WISAG Sicher­heit & Ser­vice Nord-West GmbH, ist Mit­glied der ver­di-Tar­ifkom­mis­sion des Wach- und Sicher­heits­gewerbes in NRW und stel­lvertre­tendes Betrieb­sratsmit­glied.

In dieser Funk­tion hat er sich aktiv dafür einge­set­zt, dass seine Kol­legIn­nen die ihnen zuste­hen­den Rechte auch durch­set­zen kön­nen.
Gut anderthalb Jahre lang hat die Geschäft­sleitung ver­sucht, Karl S. loszuw­er­den. Was für üble Boss­ing-Meth­o­d­en sie dabei anwandte, ist gut doku­men­tiert auf den Web­seit­en des Net­zw­erks für Sicher­heits­beschäftigte www.wasi-nrw.de bzw. auf www.work-watch.de.

Bei der Ver­hand­lung vor dem Lan­desar­beits­gericht (LAG) Düs­sel­dorf am 17. März ging es um den Vor­wurf des Konz­erns, er habe in betrügerisch­er Absicht eine falsche Fahrtkostenabrech­nung vorgelegt. Aus diesem Grund hat­te die WISAG eine Ver­dacht­skündi­gung gegen ihn aus­ge­sprochen.

Als ein von bei­den Parteien benan­nter Zeuge ein­deutig zu Gun­sten von Karl S. aus­sagte, ver­suchte die Arbeit­ge­ber­seite, ihren eige­nen Zeu­gen mit abstrusen Argu­menten zu demon­tieren. Dies machte die zuständi­ge 10. Kam­mer des LAG jedoch nicht mit. Sie gab der Kündi­gungss­chutzk­lage des Kol­le­gen statt – ohne die Revi­sion zuzu­lassen.
Der Kampf von Karl S. und seinen zahlre­ichen Unter­stützerIn­nen hat sich gelohnt!

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, April 2017

Gewerkschaftsbekämpfung XXXL Rück ist kein Einzelfall

Veranstaltung

Gewerkschaftsbekämpfung und
Betriebsrats-Mobbing:

XXXL Rück ist kein Einzelfall

Der Fall XXXL hat (nicht nur) in Ober­hausen für neg­a­tive Schlagzeilen gesorgt. Ein Einzelfall ist er nicht. Seit etwa fün­fzehn Jahren bre­it­et sich die sys­tem­a­tis­che Bekämp­fung von Betrieb­sräten und engagierten Gewerkschafter/innen in Deutsch­land zunehmend aus.

P.S./R.J.

Unter­stützung garantiert inter­essierten Unternehmen ein Net­zw­erk aus Denk­fab­riken, Anwalt­skan­zleien, Unternehmens­ber­atun­gen und Detek­teien.
Die Gew­erkschaften reagieren auf diese exis­ten­zielle Bedro­hung nur zöger­lich. Bis heute haben sie keine angemessene Antwort darauf gefun­den.

Gegen­wehr aus der Gew­erkschafts­ba­sis
Um organ­isierte Angriffe abwehren zu kön­nen, muss sich auch der Wider­stand organ­isieren und eine gemein­same Strate­gie entwick­eln. Dies ist in erster Lin­ie eine Auf­gabe der Gew­erkschaften. Da diese sich damit schw­er tun, die Sit­u­a­tion aber sofor­tiges Han­deln erfordert, haben sich im Laufe der let­zten Jahre ver­schiedene Ini­tia­tiv­en gegrün­det, die dieses Prob­lem ange­hen, und die zum Teil miteinan­der ver­net­zt sind.
Sie unter­stützen betrof­fene Kol­legin­nen und Kol­le­gen und organ­isieren Aktio­nen gegen Unternehmen, Anwalt­skan­zleien und andere Akteure, die Union Bust­ing – Gew­erkschafts­bekämp­fung – prak­tizieren. Und nicht zulet­zt schaf­fen sie Öffentlichkeit. Die Mit­glieder dieser Ini­tia­tiv­en sind oft auch in Gew­erkschaften aktiv und bemühen sich darum, dort das Prob­lem­be­wusst­sein zu schär­fen und die Gew­erkschaften zum gemein­samen Han­deln zu motivieren.
Zu diesen Vere­ini­gun­gen zählt der Aktion­skreis gegen Unternehmer­willkür (AKUWILL) aus dem west­lichen Ruhrge­bi­et. Auf dessen Web­site www.akuwill.de find­en sich Links zu weit­eren Ini­tia­tiv­en.

Ver­anstal­tung: Wie kön­nen sich Betrof­fene wehren?
Am 20. April führt der Rosa-Lux­em­burg-Club Ober­hausen in Koop­er­a­tion mit AKUWILL, Arbeit und Leben (DGB/VHS), der IG BAU-MEO und der NGG Region Ruhrge­bi­et eine Ver­anstal­tung durch zum The­ma Mob­bing von Betrieb­sräten, Gew­erkschaf­terIn­nen und engagierten Beschäftigten:
Ger­hard Klas von Work-Watch aus Köln (www.work-watch.de) erläutert, was hin­ter dem Begriff „Union Bust­ing“ steckt und beschreibt gängige Boss­ing-Meth­o­d­en. Aus sein­er Arbeit für die Ini­tia­tive ken­nt er viele ein­schlägige Fälle aus der Prax­is.

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Betriebsräte im Visier: Dritte Tagung am 15.10.2016 in Mannheim

Betriebsräte im Visier:

Dritte Tagung am 15.10.2016 in Mannheim

Grafik: interkom.tk Betriebsräte

Der Aktion­skreis gegen Unternehmer­willkür (AKUWILL), bei dem auch GenossIn­nen des RSB Ober­hausen mitar­beit­en, hat die diesjährige Kon­ferenz „Betrieb­sräte im Visi­er“ unter­stützt, die im drit­ten Jahr in Folge vom Mannheimer Komi­tee „Sol­i­dar­ität gegen BR-Mob­bing“ organ­isiert wurde. Die Teil­nehmerIn­nen der Tagung haben sich, auf­bauend auf den voraus­ge­gan­genen Ver­anstal­tun­gen, inten­siv mit dem Prob­lem des geziel­ten Mob­bing von Betrieb­sräten als einem Bestandteil von Union Bust­ing auseinan­derge­set­zt.
Ein­mal mehr ist dabei deut­lich gewor­den, wie dringlich es ist, dass sich die Gew­erkschaften endlich in angemessen­er Weise zu dem Prob­lem ver­hal­ten.
Die Kon­ferenz am 15. Okto­ber hat einen wichti­gen Beitrag dazu geleis­tet, dass das The­ma BR-Mob­bing in die Öffentlichkeit gelangt und so die nötige Aufmerk­samkeit erhal­ten kann.
Wir doku­men­tieren hier die Pressemit­teilung des Mannheimer Solikomi­tees smit Auszü­gen aus der Entschließung, die am Ende der Kon­ferenz von den Teil­nehmerIn­nen ver­ab­schiedet wurde.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti 248/249, Oktober/November 2016