Femi­nist Futures now“

 

Seit eini­gen Jah­ren erle­ben wir eine welt­weit wach­sen­de femi­nis­ti­sche Bewe­gung. Auch an Deutsch­land geht die­se Ent­wick­lung erfreu­li­cher­wei­se nicht vor­bei. Ein Aus­druck davon war das Femi­nist Futures Fes­ti­val, das vom 12. bis zum 15. Sep­tem­ber 2019 in Essen statt­fand.

Petra Sta­ni­us

Solidarität mit „Der Pott bleibt unteilbar“, Essen-Katernberg, 14. September 2019. Foto: Avanti O.

Soli­da­ri­tät mit „Der Pott bleibt unteil­bar“, Essen-Katern­berg, 14. Sep­tem­ber 2019. Foto: Avan­ti O.

Eine ver­gleich­ba­re Ver­an­stal­tung hat es hier jahr­zehn­te­lang nicht gege­ben. Und sie beschränk­te sich nicht auf „Frau­en­the­men“. Das Ver­ständ­nis von Femi­nis­mus, das hier geteilt wur­de, ist viel­mehr ein Femi­nis­mus der 99 %: Ein Femi­nis­mus, der für die Inter­es­sen aller Men­schen welt­weit ein­tritt, die aus­ge­beu­tet und unter­drückt wer­den.
Ver­an­stal­tet wur­de das femi­nis­ti­sche Fes­ti­val von der Rosa Luxem­burg Stif­tung, dem Care Revo­lu­ti­on Netz­werk und dem Kon­zept­werk Neue Öko­no­mie. Dass dar­über hin­aus zahl­rei­che Men­schen an der Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung betei­ligt waren, wur­de durch das umfang­rei­che Ange­bot mit sei­nen mehr als hun­dert Podi­en und Work­shops deut­lich.
Das Inter­es­se an der Ver­an­stal­tung war so groß, dass die Organisator*innen letzt­lich die Anmel­dung schlie­ßen muss­ten, um nicht ihre räum­li­chen und infra­struk­tu­rel­len Gren­zen zu über­schrei­ten: 1.500 Teilnehmer*innen aus über 40 Län­dern hat­ten sich ange­kün­digt.

Ziel des Fes­ti­vals war, dass die Teil­neh­men­den ihre Unter­schied­lich­keit als Stär­ke begrei­fen, um femi­nis­ti­sche und queer-femi­nis­ti­sche Anlie­gen mit kon­se­quen­ter Kapi­ta­lis­mus­kri­tik und Klas­sen­po­li­tik zu ver­bin­den. Was eine anti- ras­sis­ti­sche und inter­na­tio­na­lis­ti­sche Hal­tung eben­so ein­schließt wie die Aner­ken­nung der Geschlech­ter­viel­falt.
Gerahmt wur­de das Fes­ti­val von einer Auf­takt- und einer Abschluss­ver­an­stal­tung im Ple­num. Namens­ge­ber für den inhalt­li­chen Auf­takt, der auf gro­ße Zustim­mung stieß, war das von Cin­zia Arruz­za, Tithi Bhat­tacha­rya und Nan­cy Fra­ser ver­fass­te Mani­fest „Femi­nis­mus für die 99 Pro­zent“. Femi­nis­mus ist nach die­sem Ver­ständ­nis anti­ka­pi­ta­lis­tisch und ver­bün­det sich mit allen ande­ren fort­schritt­li­chen, wider­stän­di­gen Bewe­gung, um gemein­sam für ein gutes Leben für alle zu kämp­fen.

Nicht nur das Event selbst war etwas Beson­de­res, son­dern auch der Ort, an dem es statt­fand: Die Zeche Zoll­ver­ein in Essen, UNESCO Welt­erbe und Denk­mal der – männ­lich gepräg­ten – Indus­trie­ge­schich­te des Ruhr­ge­bie­tes. Auch die­ser Ort und sei­ne Bedeu­tung waren The­ma ver­schie­de­ner Work­shops.
Ansons­ten konn­ten die Teil­neh­men­den ler­nen vom Bei­spiel, das die auto­no­me kur­di­sche Frauen*bewegung lebt. Ler­nen auch von der Ruhr­ju­gend und ihren pra­xis­na­hen Vor­schlä­gen zum The­ma „Inter­sek­tio­na­li­tät und Raus aus der Sze­ne“. Oder selbst einen Fes­ti­val-Pod­cast machen. Fil­me anschau­en. Sich infor­mie­ren und dis­ku­tie­ren über Alters­ar­mut, (Frauen*)Streiks im Kran­ken­haus, Queer und Land­wirt­schaft, glo­ba­le Sor­ge­ket­ten, das Men­schen­recht „Woh­nen“, Öko­lo­gie und Femi­nis­mus, femi­nis­tisch strei­ken gegen Rechts …

Die Fei­er des 5-jäh­ri­gen Bestehens vom Care Revo­lu­ti­on Netz­werk unter dem Mot­to „Für­ein­an­der sor­gen. Soli­da­risch kämp­fen. Und zwar jetzt!“ fand im Rah­men des Fes­ti­vals statt. Eben­so eine Soli­da­ri­täts­de­mons­tra­ti­on mit der Demo „Der Pott bleibt unteil­bar“ in Essen-Stee­le, an der sich über 500 Teilnehmer*innen des Fes­ti­vals betei­lig­ten. Nicht zu ver­ges­sen die Vor­be­rei­tungs­tref­fen für den Frauen*streik 2020. Auch eine Par­ty am Sams­tag­abend fehl­te nicht.
Es ist unmög­lich, mit einem kur­zen Bei­trag der Viel­fäl­tig­keit die­ses Ereig­nis­ses gerecht zu wer­den. Genau­so, wie es unmög­lich war, mehr als einen win­zi­gen Aus­schnitt von allem, was an die­sen Tagen pas­siert ist, selbst zu erle­ben.

Wäh­rend der Abschluss­ver­an­stal­tung gab es die Mög­lich­keit Pro­jek­te vor­zu­schla­gen und Mitstreiter*innen dafür zu gewin­nen. Mehr als drei­ßig Vor­schlä­ge kamen dabei zusam­men: ört­li­che Ange­bo­te zur Ver­net­zung, die Vor­be­rei­tung eines poli­ti­schen Musik­fes­ti­vals, ein queer­fe­mi­nis­ti­scher Akti­ons­ver­tei­ler, Schu­lun­gen zu Awa­reness …
Das beein­dru­cken­de und aus­ge­spro­chen gelun­ge­ne Fes­ti­val ende­te am Sonn­tag mit dem gemein­sa­men Skan­die­ren der Paro­le

What do we want? – Femi­nist Futures!
When do we want it? – Now!

TIPP: Ein­drü­cke vom Femi­nist Futures Fes­ti­val bekommt Ihr durch einen klei­nen Film, den Ihr hier fin­det:
www.feministfutures.de

aus der Avan­ti O., Sept. -Dez. 2019
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