Frau­en- und Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung in den USA unter Trump

Frau­en- und Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung
in den USA unter Trump

Dianne Feeley bei der Veranstaltung am 28.08.2017 in Oberhausen (3. von links). Foto: Avanti O.

Dian­ne Fee­ley bei der Ver­an­stal­tung am 28.08.2017 in Ober­hau­sen (3. von links). Foto: Avan­ti O.

Trump unter­schei­det sich von sei­nen Vor­gän­gern außer durch schril­le Töne vor allem dadurch, dass er sich offen auf Chau­vi­nis­ten und die extre­me  Rech­te stützt. Damit ruft er Wider­stand her­vor. Am 28. August fand in der Fabrik K14 eine Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung mit Dian­ne Fee­ley (Detroit) zur aktu­el­len Situa­ti­on in den USA statt. Die­ser ers­te Teil des Berichts über die Ver­an­stal­tung hat vor allem die ver­schie­de­nen Pro­test­wel­len zum The­ma, die es seit Trumps Amts­an­tritt gege­ben hat. Ein zwei­ter Teil folgt zu Rol­le und Akti­vi­tä­ten von Gewerk­schaf­ten in den USA.

Petra Sta­ni­us

Auch im Ruhe­stand enga­giert sich Dian­ne Fee­ley, ehe­mals Arbei­te­rin unter ande­rem bei Ford, wei­ter­hin in der Auto­mo­bil­ar­bei­te­rIn­nen­ge­werk­schaft United Auto­wor­kers (UAW). Sie hat zahl­rei­che Bei­trä­ge ver­öf­fent­licht, u. a. in Labour Notes, der wohl wich­tigs­ten Zeit­schrift kon­se­quen­ter Gewerk­schaf­te­rIn­nen in den USA. Und sie ist Lei­tungs­mit­glied bei „Soli­da­ri­ty“, einer Orga­ni­sa­ti­on, die sich als sozia­lis­tisch, femi­nis­tisch und anti­ras­sis­tisch begreift.
Nach Deutsch­land ist Dian­ne Fee­ley gekom­men, um sich an den Akti­ons­ta­gen im Rhei­ni­schen Braun­koh­le­re­vier zu betei­li­gen. Im Anschluss an das Kli­ma­camp refe­rier­te sie auf einer Ver­an­stal­tungs­rei­he, die sie in sie­ben Städ­te in der BRD führ­te.
Die Ver­an­stal­tung in Ober­hau­sen wur­de von der ISO Ober­hau­sen durch­ge­führt, in Koope­ra­ti­on mit dem Frau­en-Ple­num Ober­hau­sen, der Initia­ti­ve gegen Rechts, der Lin­ke-Lis­te-Frak­ti­on Ober­hau­sen und dem Ver­ein Paro­li. Ein Team aus drei Über­set­ze­rIn­nen sorg­te dafür, dass die gegen­sei­ti­ge Ver­stän­di­gung gut funk­tio­nier­te.

Pro­test­wel­len
In einem ein­lei­ten­den Bei­trag ging die Refe­ren­tin ins­be­son­de­re auf den Wider­stand gegen Trump ein: Anders als sei­ne Vor­gän­ger gibt Trump mit sei­nen Auf­trit­ten immer wie­der Anlass für Pres­se­be­rich­te und auch für Gegen­wehr. Dian­ne Fee­ley mach­te vier Pro­test­wel­len aus, die es seit sei­nem Amts­an­tritt am 20. Janu­ar 2017 gege­ben hat:
Die ers­te war der Women’s March on Washing­ton direkt am Tag nach Trumps Amts­ein­füh­rung, ein Pro­test­marsch für Frau­en- und Men­schen­rech­te. Nicht nur fand in Washing­ton eine Groß­de­mons­tra­ti­on mit einer guten hal­ben Mil­li­on Teil­neh­me­rIn­nen statt, son­dern über­all in den USA und welt­weit bil­de­ten sich Soli­da­ri­täts­mär­sche. Ins­ge­samt gin­gen an dem Tag etwa zwei Mil­lio­nen Men­schen, über­wie­gend Frau­en, gegen Trump auf die Stra­ße.
Die nächs­ten Pro­tes­te ent­zün­de­ten sich an den Ein­rei­se­ver­bo­ten für Aus­län­de­rIn­nen. An den Flug­hä­fen im gan­zen Land gab es Kund­ge­bun­gen. Unter den Demons­trie­ren­den waren Rechts­an­wäl­tIn­nen, um den vom Ein­rei­se­ver­bot betrof­fe­nen Men­schen direkt vor Ort Hil­fe anzu­bie­ten.
Auch der March for Sci­ence – der Marsch für die Wis­sen­schaft– am 22. April fand wie der Frau­en­marsch ein inter­na­tio­na­les Echo, in mehr als 600 Städ­ten welt­weit. Anlass waren hier wis­sen­schafts­feind­li­che Äuße­run­gen von Trump. So tat er unter ande­rem die glo­ba­le Erwär­mung und ihre Fol­gen als Schwin­del ab, um auf die­se Wei­se die Fak­ten an sein poli­ti­sches Kon­zept „anzu­pas­sen“.
Die vier­te Wel­le folg­te auf die gewalt­tä­ti­ge Demons­tra­ti­on von Nazis und ande­ren rechts­ex­tre­men Grup­pen am 13. August in Char­lot­tes­vil­le: Nach­dem Anti­fa­schis­tIn­nen aus der Nazi­de­mo her­aus ange­grif­fen und am Ende eine Anti­fa­schis­tin von einem Rechts­ex­tre­mis­ten ermor­det und wei­te­re Gegen­de­mons­tran­tIn­nen zum Teil schwer ver­letzt wur­den, fand Trump ver­ständ­nis­vol­le Wor­te für die Täter.
Offen­kun­dig sieht sich die extre­me Rech­te durch Trumps Poli­tik bestä­tigt und bekommt dadurch Auf­wind. Dage­gen wie­der­um wen­den sich Mas­sen­pro­tes­te von Anti­fa­schis­tIn­nen und Anti­ras­sis­tIn­nen.

Orga­ni­sie­rung?
Dian­ne Fee­ley ver­nein­te die Fra­ge, ob sich aus den Bewe­gun­gen neue Struk­tu­ren ent­wi­ckelt hät­ten. Hin­ter den Groß­de­mons­tra­tio­nen steht kei­ne orga­ni­sie­ren­de Kraft, die das Rück­grat von Wider­stand bil­den und ihm einen lan­gen Atem geben könn­te. Die Mobi­li­sie­run­gen zu den Pro­tes­ten erfolg­ten viel­mehr über „sozia­le“ Medi­en, es sind kei­ne nach­hal­ti­gen Struk­tu­ren zurück­ge­blie­ben.
Bestän­di­ger Wider­stand wird auch dadurch erschwert, dass der Grad der gewerk­schaft­li­chen Orga­ni­sie­rung stark zurück­ge­gan­gen ist. Immer­hin sind aber immer noch 16 Mil­lio­nen US-Bür­ge­rIn­nen Gewerk­schafts­mit­glie­der.

Kon­ti­nui­tät
Die Häu­fung von Mas­sen­pro­tes­ten wäh­rend sei­ner erst kurz wäh­ren­den Amts­zeit könn­te zu dem Schluss füh­ren, dass Trump mit der Poli­tik sei­ner Vor­gän­ger gebro­chen hat. Dian­ne Fee­ley sieht Trump aller­dings in Kon­ti­nui­tät mit den Prä­si­den­ten der USA seit Jim­my Car­ter und Ronald Rea­gan. Die­se hät­ten in den Jah­ren 1979 bis 1981 mit der Umwand­lung der USA in einen neo­li­be­ra­len Staat begon­nen. Alle Prä­si­den­ten, die ihnen nach­folg­ten, hät­ten die­sen Umbau fort­ge­setzt. Und jeder neue Prä­si­dent hät­te die USA wei­ter nach rechts gerückt.

Fort­set­zung folgt

aus der Ober­hau­se­ner Bei­la­ge zur Avan­ti, Sep­tem­ber 2017
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