Scherz, Satire, Ironie und der Allmächtige auf Rädern

Scherz, Satire, Ironie und der Allmächtige auf Rädern

Der Allmächtige? Der neue Herr der Bag­ger in NRW Hen­drik Wüst – hof­fentlich nicht „Nomen est Omen!“ – ist das genau nicht. Eben­so wenig wie „Mike Bag­ger­willkom­men­skul­tur“ Groschek es war und sich den­noch eben so wahrnahm.

Ernst Kochanowski

Denn die Kri­tis­chen unter uns haben schon seit Langem gemerkt: Der wahre Herr und einzige Gott hat Räder und sein Odem ist Fein­staub und ver­bran­ntes Min­er­alöl.
Oh ihr Gläu­bi­gen eines einzi­gen von wer weiß wie vie­len Göt­tern: Was ist die All­macht des Allmächti­gen gegen die Macht der Heili­gen Räder, denen wir die Welt betonieren, asphaltieren, für die wir Ressourcen plün­dern, unsere und unser­er Kinder Gesund­heit und Leben opfern. Wie viel Ton­nen an Fein­staub, Gum­miabrieb und Ruß atmen wir ihm zu Ehren und zur Freude ein?

Zur Beruhi­gung unseres dadurch schlecht­en Gewis­sens wird ein wenig dem „Güter auf die Bahn“-Ruf gefol­gt. Also gibt’s dem­nächst die „BETUWE-Lin­ie“. Stuttgart 21(!!), Bren­ner-Basis­tun­nel und Got­thard­tun­nel sind eben­so Teil­stücke dieser Rot­ter­dam-Gen­ua-Verbindung.
Dazu gehört gle­ich­falls das vom dänis­chen Logis­tikgi­gan­ten Maer­sk vor Rot­ter­dam im Meer geplante Ter­mi­nal für die größten Con­tain­er­schiffe. Bis jet­zt müssen diese geld- und zeitaufwändig weit draußen, wo das Meer tief genug ist, auf kleinere Schiffe umladen. Mit dem neuen Ter­mi­nal kön­nen dann viel schneller viel mehr Con­tain­er gelöscht wer­den.
Damit diese Massen auch in der Welt verteilt wer­den kön­nen, braucht es LKW. Diese wiederum brauchen Straßen.

Und was ist mit der „BETUWE-Lin­ie“?
Ein großes Con­tain­er­schiff hat eine Kapaz­ität von 8.000 bis 20.000 TEU (1). Geplant wer­den ger­ade Schiffe bis 30.000 TEU. Ein Güterzug schafft 60 bis 70 TEU. Ein Schiff ist also etwa zwis­chen 100 und 500 Güterzüge (oder 4.000 bis 15.000 LKW), also alle vier Minuten ein Güterzug aus Rot­ter­dam. Zusät­zlich zu dem jet­zt schon beste­hen­den Verkehr!

Alle anderen Frachter, Tankschiffe und Auto­trans­porter sind noch nicht berück­sichtigt.
Wie kön­nen diese Ladun­gen in der erforder­lichen Geschwindigkeit auf den Weg gebracht wer­den? Welche Schiene hält dies aus? Das eine Gleis, welch­es zusät­zlich auch durch Ober­hausen gebaut wird? Also doch ein großer Teil auf die Straßen!
Aber, ABER!: Ein LKW belastet die Fahrbah­nen und Brück­en soviel wie 60.000 bis 100.000 PKW.
Der Zuwachs von Last­wa­gen auf den Auto­bah­nen beträgt jet­zt schon jährlich ca. 6 Prozent.
Welche Straße hält dies aus? Welche (Rhein!)Brücke?
Also doch 6-spurige High­ways nur für Laster?
Welche Land­schaft hält dies aus?

So viele Fra­gen, so viele Opfer für unseren Gott.
Damit wir in Euroshops und son­sti­gen Mäc-Geiz-Läden, welche meist auch noch für „exk­lu­sive“ Per­son­alpoli­tik berüchtigt sind, aller­bil­lig­sten Plun­der kaufen kön­nen. Oder ganzjährig auch exo­tis­che Nahrungsmit­tel, für welche – aber auch für „Biotreib­stoff“ – riesige Län­dereien, irgend­wo ganz hin­ten in Afri­ka, Asien und Ameri­ka wüst gemacht wer­den.
Damit das auch so geschehen kann, wer­den Mil­lio­nen Men­schen entrechtet, enteignet und dann entsorgt, müssen als „Wirtschafts­flüchtlinge“ an Europas Gren­zen um Ein­lass bet­teln oder beque­mer­weise eine „frei­willige“ Lebend­wasserbestat­tung im Mit­telmeer wählen.
„Ja, wenn ich ein Turn­schuh wär, käm ich leichter über euer Scheißmit­telmeer“. (2)

Wie viel Mil­lio­nen Kinder waren’s gle­ich wieder, die ver­hungern, ver­dursten oder son­st wie ster­ben, weil unser schönes Leben ihren Leben­sraum zer­stört? Sech­sein­halb Mil­lio­nen erleben ihren fün­ften Geburt­stag nicht.
Wüsten, Gewalt, Kriege und alle nach­fol­gen­den Gräuel sind Opfer, die wir dem zür­nen­den Gott auf Rädern und seinen Stel­lvertretern in den Tem­peln des Kap­i­tals und in den Par­la­menten dar­brin­gen.

Fußnoten:
(1) TEU = Twen­ty-foot Equiv­a­lent Unit (deutsch: Stan­dard­con­tain­er). Zwei TEU, oder ein dop­pelt so großer FEU (Forty-foot Equiv­a­lent Unit), ist das, was ein Fern­laster üblicher­weise trans­portiert.
(2) Nach der Ham­burg­er Band „Die Gold­e­nen Zitro­nen“ vor 15 Jahren.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Dezember 2017
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