Frauen-Kurzmeldungen Oktober 2014

Frauen-Kurzmeldungen

BARBARA SCHULZ

Der kleine Unter­schied und seine großen Fol­gen

Auch beim pro­fa­nen Gelder­werb ist er zu sehen. Laut Deutschem Insti­tut für Wirtschafts­forschung DIW erziel­ten 27,5 Mil­lio­nen männliche Beruf­stätige ein Brut­toeinkom­men von 920 Mil­lio­nen Euro, 26,8 Mil­lio­nen Kol­legin­nen nur 436 Mil­lio­nen (2007, neuere Zahlen sind nicht vorhan­den). Zur Lohn­gruppe der 10.000 bis 15.000 Euro Ver­di­enen­den zählen 1,8 Mil­lio­nen Män­ner und 2,7 Mil­lio­nen Frauen, zur Lohn­gruppe der 200.000 bis 500.000 Euro Ver­di­enen­den 188.000 Män­ner, aber nur 29.000 Frauen. Bei Einkom­men über 500.000 Euro ste­hen 46.000 Män­nern ger­ade ein­mal 7.000 Frauen gegenüber. Die Einkom­men aus Fir­mengewin­nen dif­ferieren noch deut­lich­er: Hier haben Frauen nur 27 % der Gewinne. Die höhere Lebenser­wartung der Frauen ver­schafft ihnen bei den Einkom­men aus Ver­mi­etung einen Gle­ich­stand, Erb­schaft lässt sie ein entsprechen­des Einkom­men erzie­len. Inter­es­san­ter­weise tra­gen Frauen eine höhere steuer­liche Belas­tung, beim Ehe­gat­ten­split­ting akzep­tieren sie einen höheren Steuer­satz. Das kann sich bei Lohn­er­sat­zleis­tun­gen neg­a­tiv für sie auswirken.

Ob Kinder oder… Berlin
Zum „Marsch für das Leben“ haben sich am Sam­stag, dem 21. Sep­tem­ber etwa 5.000 Men­schen aus ganz Deutsch­land in Berlin einge­fun­den. Die Teil­nehmenden marschierten für den Schutz des Lebens „vom Anfang bis zum Ende“, gegen „Abtrei­bung und Ster­be­hil­fe“. Ein wenig big­ott erscheinen die weißen Kreuzchen, die zum Gedenken an die Unge­bore­nen getra­gen wer­den schon, aber selb­st Papst Franziskus hat „her­zliche Grüße“ an die Teil­nehmenden geschickt. Wenn men­sch sich gegen diese „Lebenss­chützer“ wen­det, ist er/sie ja nicht für Abtrei­bung, son­dern für das Recht, selb­st zu entschei­den. Frauen haben sich dieses Recht zu allen Zeit­en genom­men, sei es legal oder ille­gal. Und bei ein­er ille­galen Abtrei­bung ist das Risiko, dabei zu Grunde zu gehen, alle­mal größer. Wenn mit dem Wach­sen der Erwerb­slosen­zahlen die Geburten­zahlen bei den 20- bis 25-jähri­gen zurück­ge­hen, sollte men­sch sich vielle­icht etwas anders über­legen, um den Kinder­segen zu ermöglichen.

Bun­desre­pub­lik
Auch die erfol­gre­iche Parteigrün­dung Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) möchte nicht nur Gen­der­main­stream­ing abschaf­fen (wer hat das eigentlich „angeschafft“?), son­dern auch für jede Frau zwei bis drei Kinder: so Frauke Petry, Spitzenkan­di­datin in Thürin­gen. Sie spricht sich auch für ein Volks­begehren für die Ver­schär­fung der Abtrei­bungs­ge­set­zge­bung aus. Die ganze Gen­der­forschung ist des Teufels und schon gar die Respek­tierung der Grun­drechte für Homo- und Bisex­uelle, Trans- und Inter­sex­uelle. Hei­de Oestre­ich nen­nt die AfD ein­fach eine Män­ner­partei.

Spanien
Hier hat die kon­ser­v­a­tive Regierung der Par­tido Pop­u­lar (PP) eine Ver­schär­fung der Abtrei­bungs­ge­set­ze vor­bere­it­et. Die gel­tende lib­eralere Geset­zge­bung hat­te die Regeln der Fran­coz­eit abgelöst. Es kam zu hefti­gen Protesten gegen dieses Vorhaben. Nun sieht es so aus, als zöge die Regierung ihr Vorhaben erst ein­mal zurück, um sich ganz dem Kampf gegen die Abstim­mung zur Unab­hängigkeit in Kat­alonien wid­men zu kön­nen. Jet­zt kommt die Ein­sicht: „Wir kön­nen kein Gesetz machen, das sofort geän­dert wird, sobald eine andere Regierung an die Macht kommt“, so Regierungschef Rajoy.

Pros­ti­tu­tion
Über eine neue Geset­zge­bung in der Frage der Pros­ti­tu­tion wird schon seit einiger Zeit debat­tiert, mit sehr weit auseinan­der­fal­l­en­den Mei­n­un­gen. Von einem Kon­tak­tver­bot mit Bestra­fung der Freier bis zur freien Sexar­beit reichen die Vorschläge. Eine gewisse Reg­ulierung wird wohl Platz greifen. Bor­delle sollen genehmigt wer­den, Ange­bote wie Fla­trate-Sex ver­boten sein, Pros­ti­tu­ierte sollen sich anmelden müssen. Dabei wür­den sie sich out­en, was z.B. Dona Car­men, ein Vere­in für die Rechte von Pros­ti­tu­ierten, ablehnt, weil es diskri­m­inierend ist. Eine regelmäßige Pflich­tun­ter­suchung lehnt selb­st die Frauen- und Fam­i­lien­min­is­terin Manuela Schwe­sig ab. Solange Sexar­beit legal ist, und ihre Ille­gal­isierung kann men­sch sich wohl kaum wün­schen, ist es auch nicht sin­nvoll, die Nach­frage zu ille­gal­isieren und die Freier zu bestrafen. Ein ungelöstes Prob­lem bleibt die Zwang­spros­ti­tu­tion, die betrof­fe­nen Frauen sind nicht hand­lungs­fähig. Und dass Freier den Zwang erken­nen und fair han­deln, ist in kein­er Weise erwart­bar. Eine befremdliche Vari­ante der Ausübung der Sexar­beit ist die Auf­stel­lung von Ver­rich­tungs­box­en, etwas nüchtern in Bonn, fröh­lich far­big in der Schweiz – Beispiel Alt­stet­ten. Die Arbeit in den Box­en ist „stadtverträglich“ und auch „men­schen­würdig“. Die Sexar­bei­t­erin­nen lösen ein Tages­bil­let und bekom­men dafür Raum und Sicher­heit. Damit soll der Straßen­strich vom Zürich­er Haupt­bahn­hof und der Langstraße abgeleit­et werden.Über Hil­fen wird wenig gesagt.

Und zum Schluss etwas Pos­i­tives
Da freut sich frau, wenn sie von ein­er „Rev­o­lu­tion in der Kit­telschürze“ liest! Hau­sangestellte in Bolivien haben sich in ein­er Gew­erkschaft organ­isiert. Sie kämpfen für geregelte Arbeit­szeit­en, einen freien Son­ntag und für höheren Lohn, denn ihr Lohn liegt unter­halb des Min­dest­lohnes. Da sie häu­fig im Wohn­bere­ich der „Arbeit­geben­den“ ( hier ist die Beze­ich­nung beson­ders mak­aber) ein­quartiert sind, ist ihre Ver­füg­barkeit kaum begren­zt. Der erkämpfte freie Tag wird oft zur Weit­er­bil­dung, zum Schulbe­such genutzt. Die Arbeit­skämpfe der Frauen haben zur Kon­ven­tion 189 „men­schen­würdi­ge Arbeit für Hau­sangestellte“ der Inter­na­tion­al Labour Orga­ni­za­tion (ILO) geführt, die in boli­vian­is­ches Recht über­führt wer­den soll.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti 226, Oktober 2014
Markiert mit , , , .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.