Malteser Krankenhaus St. Anna in Huckingen Ausbeutung und Maulkorb

Malteser Krankenhaus St. Anna in Huckingen

Ausbeutung und Maulkorb

 

Aktion am 13.05.2016 bei der St. Anna Klinik in Duisburg-Huckingen, Foto: Peter Köster

Aktion am 13.05.2016 bei der St. Anna Klinik in Duis­burg-Huckin­gen, Foto: Peter Köster

R.J.

Was seit Anfang März in Presse­bericht­en über die Arbeits­be­din­gun­gen bei der Mal­ta Clean & Ser­vice GmbH (MCS) in der St. Anna Klinik in Duis­burg Huckin­gen zu lesen ist, klingt hochgr­a­dig krim­inell. Die Rede ist von einem aus­beu­ter­ischen Sys­tem aus Lohn­raub, Schika­nen, Nöti­gung – errichtet von Per­son­alver­ant­wortlichen und Vorar­bei­t­erin­nen:

Beschäftigte dieses Reini­gung­sun­ternehmens haben Arbeitsverträge über eine halbe Stunde pro Tag und  bekom­men  nur zwei Stun­den je Tag aus­bezahlt, auch wenn sie deut­lich mehr arbeit­en. Sie müssen betrieb­s­fremde Objek­te reini­gen. Von Ver­boten, sich krank zu melden, über von Vorar­bei­t­erin­nen abge­presstem Lohn bis hin zu nicht gezahltem Urlaub­s­geld reicht die Liste der hier nicht voll­ständig wiedergegebe­nen Vor­würfe gegen MCS.

Seit Anfang März 2016 haben ver­schiedene Medi­en über die Aus­beu­tungs- und Schikanierungsmeth­o­d­en bei diesem mehrheitlich dem Mal­te­seror­den gehören­den Unternehmen  berichtet, und auch die zuständi­ge Gew­erkschaft IG BAU wurde aktiv. In der Folge ging MCS zunächst schein­bar auf die  Vor­würfe ein und bot der IG BAU und den betrof­fe­nen Beschäftigten eine Mod­er­a­tion an.

Aus einem Flug­blatt des Solikreis­es St. Anna: „[…] Zunächst sah es so aus, als würde die Fir­ma die Kri­tik ernst nehmen. Auf Vorschlag eines Ver­mit­tlers wurde den sechs Beschäftigten eine Fes­tanstel­lung ange­boten – aber für Arbeit an anderen Orten. An den Ver­hält­nis­sen im St. Anna sollte sich also nichts grund­sät­zlich ändern. Das wollen und kön­nen die Frauen nicht akzep­tieren. Denn es geht ihnen nicht nur um ihre eigene Sit­u­a­tion. Sie wollen, dass alle 80 Reini­gungskräfte nicht länger unter diesen Schika­nen lei­den müssen.

Angesichts dieses sol­i­darischen Ver­hal­tens der Reini­gungskräfte brach die Mal­teser- Tochter MCS die Ver­hand­lun­gen ab. Stattdessen erhiel­ten die Gew­erkschaft IG BAU und der zuständi­ge Sekretär nach ein paar Tagen eine einst­weilige Ver­fü­gung vom Landgericht Ham­burg, die ihnen unter Andro­hung eines Ord­nungs­gelds von 250.000 € unter­sagt, weit­er öffentlich auf die Mis­stände bei MCS hinzuweisen. Mit Hil­fe der renom­mierten Bon­ner Anwalt­skan­zlei Redek­er-Sell­ner-Dahs will MCS die Beschäftigten zum Schweigen brin­gen. […]”

Dies war der Anlass für eine sol­i­darische Aktion am 13. Mai 2016:
An diesem “Schwarzen Fre­itag„ (siehe unten) trafen sich Unter­stützerIn­nen der Kol­legin­nen von MCS zu einem Flash­mob in der Kan­tine des Mal­teser St. Anna-Kranken­haus­es in Duis­burg-Huckin­gen.
Mit zugek­lebten Mün­dern, einem Trans­par­ent „Wir sind keine Sklaven! Wir wer­den nicht schweigen!“ und Flug­blät­tern macht­en sie gegenüber den anwe­senden Beschäftigten  sowie Pati­entIn­nen und BesucherIn­nen deut­lich, dass sie den verord­neten Maulko­rb nicht akzep­tieren wer­den. Und dass sie sich von  einst­weili­gen Ver­fü­gun­gen der Mal­teser samt  Strafan­dro­hun­gen gegen den Sekretär der IG BAU nicht davon abhal­ten lassen, weit­er über die Missstände bei MCS zu bericht­en.

Wie groß das Inter­esse des Mal­te­seror­dens ist, die Vor­würfe unter den Tep­pich zu kehren, zeigt sich nicht zulet­zt daran, dass die genan­nte Bon­ner Anwalt­skan­zlei beauf­tragt wurde, zu der auch der Pro­mi-Anwalt und Medi­en­spezial­ist Ger­not Lehr gehört.

Quellen: Mate­r­i­al von Aktion ./. Arbeit­sun­recht und Flug­blät­ter des Solikreis­es St. Anna.

Weit­ere Infos zu den Vorgän­gen bei der St. Anna Klinik, den Mal­te­sern und zu der beauf­tragten Anwalt­skan­zlei find­et Ihr hier:

Fre­itag, 13.: Protest gegen Mal­teser in Duis­burg und Köln
MCS: Mal­teser gegen Mei­n­ungs­frei­heit
Labour­net: Dossier zu MCS
Flug­blatt vom Solikreis St. Anna vom 11.05.2016

Wer ist die MCSTransparent am 13.05.2016 an der Haltestelle der Straßenbahn in Duisburg-Huckingen, MalteserFoto: Peter Köster
MCS, die Mal­ta Clean & Ser­vices GmbH, bei der ca. 80 Reini­gungskräfte am St. Anna beschäftigt sind, gehört zu 51 % den Mal­te­sern. MCS wurde zusam­men mit der gepe Gebäude­di­en­ste PETERHOFF GmbH gegrün­det. Die Ser­vicege­sellschaft wurde nicht zulet­zt deshalb errichtet, um auf dem Rück­en der Beschäftigten Kosten bei der Reini­gung der Mal­teser-Kranken­häuser zu sparen. So wird unter anderem die Tar­if­bindung umgan­gen, so dass für die Kol­legIn­nen nur der Min­dest­lohn gilt. Damit tra­gen die Mal­teser eine erhe­bliche Mitver­ant­wor­tung für die Zustände bei MCS.
Beschäftigte dieses Unternehmens reini­gen das Mal­teser-Kranken­haus St. Anna in Duis­burg, aber auch Kranken­häuser in Köln, Krefeld-Uerdin­gen und Bonn.

Schwarz­er Fre­itag“
Die Ini­tia­tive für den „Schwarzen Fre­itag“ geht von der Aktion ./. Arbeit­sun­recht aus: Wenn der 13. eines Monats auf einen Fre­itag fällt, find­et ein bun­desweit­er Aktion­stag zu Unternehmen und Anwalt­skan­zleien statt, die beson­ders durch Mob­bing von Betrieb­sräten, Gew­erkschafts­bekämp­fung und son­stige Angriffe gegen Lohn­ab­hängige aufge­fall­en sind.
Örtliche Ini­tia­tiv­en sind aufgerufen, öffentlichkeitswirk­same dezen­trale Aktio­nen durchzuführen. So soll dieser Tag für die betr­e­f­fend­en Unternehmen zu einem „Schwarzen Fre­itag“ wer­den.
http://arbeitsunrecht.de/freitag13/

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti 245,  Juni 2016
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