Das Lied von der Moldau

Das Lied von der Moldau

Bertolt Brecht, 1944

Am Grunde der Moldau wan­dern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stun­den, dann kommt schon der Tag.

Es wech­seln die Zeit­en. Die riesi­gen Pläne
Der Mächti­gen kom­men am Ende zum Halt.
Und gehn sie ein­her auch wie blutige Hähne
Es wech­seln die Zeit­en, da hil­ft kein Gewalt.
Am Grunde der Moldau wan­dern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stun­den, dann kommt schon der Tag.

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, März 2018

GEGEN DIE OBJEKTIVEN

GEGEN DIE OBJEKTIVEN

Bertolt Brecht, 1933

Wenn die Bekämpfer des Unrechts
Ihre ver­wun­de­ten Gesichter zeigen
Ist die Ungeduld der­er, die in Sicher­heit waren
Groß.

Warum beschw­ert ihr euch, fra­gen sie
Ihr habt das Unrecht bekämpft! Jet­zt
Hat es euch besiegt: schweigt also!

Wer kämpft, sagen sie, muß ver­lieren kön­nen
Wer Stre­it sucht, beg­ibt sich in Gefahr
Wer mit Gewalt vorge­ht
Darf die Gewalt nicht beschuldigen.

Ach, Fre­unde, die ihr gesichert seid
Warum so feindlich? Sind wir
Eure Feinde, die wir Feinde des Unrechts sind?
Wenn die Kämpfer gegen das Unrecht besiegt sind
Hat das Unrecht doch nicht recht!

Unsere Nieder­la­gen näm­lich
Beweisen nichts, als daß wir zu
Wenige sind
Die gegen die Gemein­heit kämpfen
Und von den Zuschauern erwarten wir
Daß sie wenig­stens beschämt sind!

aus der Oberhausener Beilage zur Avanti, Januar/Februar 2018