Israel-Chemicals-Limited – Nichts Neues im Südwesten

Israel-Chemicals-Limited – Nichts Neues im Südwesten II

Seit Ende April 2014 wehren sich die Beschäftigten der ICL-PP Laden­burg und Lud­wigshafen (vor­mals BK Giuli­ni) gegen die Zer­schla­gung des Lud­wigshafen­er Stan­dortes und die Arbeit­splatzver­nich­tung an bei­den Stan­dorten durch den Auf­bau eines Shared Ser­vice Cen­ters in Ams­ter­dam (siehe Avan­ti Juni und Juli/August). Jet­zt kon­nten wir ein neuer­lich­es Inter­view mit dem Betrieb­sratsvor­sitzen­den Georg Selinger führen.

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ALSTOM / GE Ruhe vor dem Sturm?

ALSTOM / GE

Ruhe vor dem Sturm?

H.N.

Anfang 2015 will Gen­er­al Elec­tric (GE) die kon­ven­tionelle Kraftwerkss­parte von ALSTOM übernehmen. Hin­ter den Kulis­sen laufen die Vor­bere­itun­gen zum Eigen­tümer­wech­sel auf Hoch­touren.

Für die Kol­legIn­nen bei ALSTOM und ihre Inter­essen­vertre­tun­gen heißt das nichts weniger, als sich auf weit­ere und noch härtere Auseinan­der­set­zun­gen als bish­er einzustellen. GE gilt seit den Zeit­en des berühmt-berüchtigten Ober­boss­es Jack Welch nicht zu Unrecht als kap­i­tal­is­tis­ch­er Musterkonz­ern. Betrieb­sräte, Gew­erkschaften und Tar­ifverträge gel­ten in der GE-Welt als Prof­it­brem­sen. Es ist damit zu rech­nen, dass GE die von ALSTOM erwor­be­nen Unternehmen­steile ein­er Gewin­n­max­imierung nach „Art des Haus­es“ unter­w­er­fen wird. Ein per­ma­nen­ter konz­ern­in­tern­er Struk­tur­wan­del dient der Per­fek­tion­ierung der „Dik­tatur der Zahlen“. Ihr liegt eine ein­fache Strate­gie für die einzel­nen Geschäfts­bere­iche zugrunde: Repari­eren, Verkaufen oder Schließen („Fix it, sell it or close it“). Nach zwei Jahren wer­den Sek­toren geschlossen oder verkauft, wenn sie nicht die vorgegeben Prof­ite erre­ichen. Vor weni­gen Wochen hat GE deshalb seine tra­di­tionelle Haushalts­gerätes­parte abgeben.

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Volksbank Kraichgau: Solidarität mit Torsten Wacker!

Volksbank Kraichgau:

Solidarität mit Torsten Wacker!

C.B.

Es ist ein Phänomen der heuti­gen Zeit. Es passiert nur oft im Ver­bor­ge­nen, inner­halb eines Unternehmens oder Betriebes. Meist sprechen Betrof­fene nicht laut darüber, meist endet es mit einem Aufhe­bungsver­trag. Warum ger­at­en Betriebs- und Per­son­al­räte immer mehr unter Beschuss?

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Werne Ein neoliberales Lehrstück

Werne: Haushaltssanierung durch Tarifflucht?

Ein neoliberales Lehrstück

Petra Stanius

Seit März 2014 streiken Beschäftigte des Natur-Sole­bads Werne, um die Betreiberge­sellschaft des Bades zur Anerken­nung des Tar­ifver­trages für den Öffentlichen Dienst (TVöD) zu bewe­gen. Ihr mit langem Atem und viel Engage­ment geführter Arbeit­skampf ist von grund­sät­zlich­er Bedeu­tung für die Beschäftigten von – ins­beson­dere finanzschwachen – Kom­munen.

Die zum Kreis Unna gehörende Stadt Werne hat ca. 30.000 Ein­wohner­In­nen und liegt am Rande des Ruhrge­bi­ets, ca. 25 Kilo­me­ter von Dort­mund ent­fer­nt. Beim städtis­chen Natur-Sole­bad arbeit­en gut 70 Men­schen. Einem Teil von ihnen wird die Bezahlung nach dem TVöD voren­thal­ten. Sie erhal­ten zwis­chen 200 und 700 Euro weniger im Monat für ihre Tätigkeit als ihre Kol­legIn­nen. In allen anderen kom­mu­nalen Bädern wer­den die Beschäftigten nach Tarif bezahlt.

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Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

1914-1939-2014 – Kapitalismus, Krise(n) und Krieg(e)

Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

Soll­ten wir über­rascht sein von dem anschwellen­den Kriegs­geschrei? Wer lesen kon­nte und wollte, wusste seit einiger Zeit, was auf uns zukommt.

Nach der Nieder­lage der faschis­tis­chen Dik­tatur hat sich das deutsche Kap­i­tal zunächst eine wirtschaftliche und schließlich auch eine poli­tis­che Führungsrolle auf inter­na­tionaler Ebene zurücker­obert. Mit der mit­tler­weile errun­genen Dom­i­nanz der BRD in der Europäis­chen Union (EU) ist der alte Traum von der deutschen Vorherrschaft in Europa, der 1918 und 1945 blutig gescheit­ert war, im drit­ten Anlauf wahr gewor­den. Jet­zt geht es den Herrschen­den zunehmend um die inter­na­tionale mil­itärische Absicherung dieser Mach­tansprüche.

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Alle Ausgaben der Oberhausener Beilage zur Avanti zum Download

Hier findet Ihr ältere Ausgaben der Oberhausener Beilage zur Avanti seit September 2014 zum Download als Pdf. Die Artikeltexte der Avanti O. sind in unserem Themenarchiv als reine Textversionen vorhanden, thematisch einsortiert und können über die Suchfunktion gefunden werden.

 

Die aktuelle Avanti O. August/September/Oktober 2018 mit beigelegtem Flug der Gewerkschafter*innen für Klimaschutz zur Demo am 6.10.18 im Hambacher Wald.

Die aktuelle Avan­ti O. August/September/Oktober 2018 mit beigelegtem Flug der Gewerkschafter*innen für Kli­maschutz zur Demo am 6.10.18 im Ham­bach­er Wald.

 
 
Ober­hausener Beilage zur Avanti, April/Mai 2018.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, April/Mai 2018.

Die aktuelle Avanti O. Juni/Juli 2018.

Die aktuelle Avan­ti O. Juni/Juli 2018.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, Januar/Februar 2018.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, Januar/Februar 2018.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, März 2018.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, März 2018.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, Oktober/November 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, Oktober/November 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, Dezember 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, Dezem­ber 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, August 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, August 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, September 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, Sep­tem­ber 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, Mai 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, Mai 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, Juni/Juli 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, Juni/Juli 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, März 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, März 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti, April 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, April 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti 250, Dezember 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 250, Dezem­ber 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti, Januar/Februar 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti, Januar/Februar 2017.

Ober­hausener Beilage zur Avanti 247, September 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 247, Sep­tem­ber 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti 248/249, Oktober/November 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 248/249, Oktober/November 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti 245, Juni 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 245, Juni 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti 246, Juli/August 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 246, Juli/August 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti 243, April 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 243, April 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti 244, Mai 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 244, Mai 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti 241, Februar 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 241, Feb­ru­ar 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti 242, März 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 242, März 2016

Ober­hausener Beilage zur Avanti 239, Dezember 2015

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 239, Dez. 2015

Ober­hausener Beilage zur Avanti 240, Januar 2016

Ober­hausener Beilage zur Avan­ti 240, Jan­u­ar 2016

Oberhausener Beilage zur Avanti 237, Oktober 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 237, Okto­ber 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 238, November 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 238, Novem­ber 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 235, Juli/August 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 235, Juli/August 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 236, September 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 236, Sep­tem­ber 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 232, April 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 233, Mai 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 234, Juni 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 234, Juni 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 231, März 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 231, März 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 232, April 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 232, April 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 229 Januar 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 229 Jan­u­ar 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 230, Februar 2015

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 230, Feb­ru­ar 2015

Oberhausener Beilage zur Avanti 227, November 2014

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 227, Novem­ber 2014

Oberhausener Beilage zur Avanti 228, Dezember 2014

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 228, Dezem­ber 2014

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 225, Sep­tem­ber 2014

Oberhausener Beilage zur Avanti 226, Oktober 2014

Ober­hausen­er Beilage zur Avan­ti 226, Okto­ber 2014

 

Zum organisationspolitischen Selbstverständnis des RSB / IV.Internationale

Zum organisationspolitischen Selbstverständnis des RSB / IV.Internationale

 

Die Philosophen haben die Welt nur ver­schieden inter­pretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verän­dern. Karl Marx, The­sen über Feuer­bach

1. Es braucht eine Rev­o­lu­tion

Wer will, dass die Welt bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt. Erich Fried

Wir gehen davon aus, dass für eine grundle­gende Änderung der Lebensver­hält­nisse der Sturz der bürg­er­lichen Gesellschaft­sor­d­nung unumgänglich ist. Um die Aus­beu­tung des Men­schen durch den Men­schen, die Zer­störung der natür­lichen Lebens­grund­la­gen, die Unter­drück­ung der Frau, ras­sis­tis­che Poli­tik und Ver­hal­tensweisen, sowie alle anderen For­men gesellschaftlich­er Unter­drück­ung abzuschaf­fen, ste­ht die Über­win­dung des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems auf der Tage­sor­d­nung Dies ist nach unsr­er Überzeu­gung keine hin­re­ichende, aber eine notwendi­ge Voraus­set­zung, um in der Men­schheit­sen­twick­lung einen Schritt nach vorn tun zu kön­nen. Ja heute mehren sich die Anze­ichen, dass andern­falls in gar nicht fern­er Zukun­ft wel­tum­fassend die Bar­barei dro­ht. In bes­timmten Regio­nen ist dies heute schon bru­tale Real­ität. Kriege, ras­sis­tis­che Flächen­brände und eine irrepara­ble Zer­störung der men­schlichen Lebens­grund­la­gen wer­den schon bald die Gesamtheit der men­schlichen Exis­tenz in Frage stellen. Die Gesellschaft, die wir anstreben, kann nur basieren auf ein­er bewussten Koop­er­a­tion anstelle der Mark­t­ge­set­ze als Grund­lage des Wirtschaft­slebens, auf dem Abster­ben der Waren­pro­duk­tion, des Geldes, wirtschaftlich­er Ungle­ich­heit und des Staates. All dies sind gesellschaftliche Vorbe­din­gun­gen für das Gelin­gen des Auf­baus ein­er klassen­losen Gesellschaft und sie sind eben­so uner­lässlich wie ein hoher Entwick­lungs­stand der Pro­duk­tivkräfte. Nur in der freien Assozi­a­tion der Pro­duzentIn­nen kann über die Entwick­lung umfassender poli­tis­ch­er und Ver­wal­tungstätigkeit­en bei Ver­wirk­lichung bre­itester Demokratie der Staat in sein­er repres­siv­en Funk­tion erset­zt wer­den und langsam abster­ben. Ohne Rev­o­lu­tion, ohne Ent­mach­tung der Herrschen­den ist keine neue Gesellschaft, keine Aufhe­bung der Unter­drück­ung möglich. Eine Rev­o­lu­tion ist kein Putsch ein­er abge­hobe­nen Min­der­heit von Beruf­s­rev­o­lu­tionärIn­nen. Sie ist nur möglich, wenn sie von ein­er selb­stor­gan­isierten Massen­be­we­gung getra­gen wird und das Wollen der Mehrheit aus­drückt. Massen­rev­o­lu­tio­nen haben stets eine friedliche, gewalt­lose Zielset­zung: Die neue Gesellschaft soll nicht die Bru­tal­ität der alten fort­set­zen. Nur wenn die bish­er Herrschen­den die demokratis­che Entschei­dung mit Gewalt rück­gängig machen wollen, kommt es zum Kampf. Nach his­torisch­er Erfahrung ist das je doch die Regel.

Nicht auf Par­la­mente bauen, auf die eig‘ne Kraft ver­trauen.

Da nur die Selb­st­tätigkeit der Massen die Voraus­set­zun­gen für eine rev­o­lu­tionäre Machter­grei­fung und Umgestal­tung der Gesellschaft bietet, lehnen wir die Ori­en­tierung auf bürg­er­liche Par­la­mente ab. Eine eigene Kan­di­datur für ein bürg­er­lich­es Par­la­ment kann für uns nur der Propagierung unser­er gesellschaftlichen Ziele dienen. Im Falle ein­er Wahl rev­o­lu­tionär­er Abge­ord­neter in ein bürg­er­lich­es Par­la­ment kann dies für uns nur der Aus­nutzung dieser Tribüne für die Propagierung des Klassenkampfes dienen. Gle­ichzeit­ig müssen diese Abge­ord­neten eng in das Organ­i­sa­tion­sleben der Partei einge­bun­den sein. Der Schw­er­punkt ein­er rev­o­lu­tionären Partei muss in jedem Fall außer­halb des Par­la­ments liegen. Die Geschichte hat in zahlre­ichen Beispie­len gelehrt, wie groß die Sog­wirkung und der Anpas­sungs­druck für Rev­o­lu­tionärIn­nen im Par­la­ment ist und wie wenig ein Par­la­ment wirk­lich die Ver­hält­nisse ändern kann.

2. Dazu gilt es auch Ein­sicht­en zu ver­mit­teln

Die Ein­sicht in die his­torische Notwendigkeit ein­er Rev­o­lu­tion ist heute nicht sehr ver­bre­it­et, selb­st bei den­jeni­gen nicht, die in diesem Sys­tem kaum etwas oder gar nichts zu ver­lieren haben. Diese Tat­sache behal­ten wir bei unseren Aktiv­itäten und in unser­er Argu­men­ta­tion im Auge. Als rev­o­lu­tionäre Sozial­istIn­nen gehen wir in allen Zusam­men­hän­gen auf den Ken­nt­nis- und den Bewusst­seins­stand der Ange­sproch­enen ein und ver­suchen, eine. Brücke zu bauen zwis­chen den unmit­tel­baren Wün­schen und Empfind­un­gen dieser Men­schen und den strate­gis­chen Zie­len der Eroberung der poli­tis­chen Macht durch die Arbei­t­erIn­nen­klasse. Aber wir hal­ten mit unseren Überzeu­gun­gen nicht hin­ter dem Berg. Rev­o­lu­tionäre Sozial­istIn­nen kön­nen nur dann Glaub­würdigkeit erlan­gen, wenn sie sowohl gegenüber anderen Organ­i­sa­tio­nen und Bewe­gun­gen wie auch gegenüber einzel­nen Men­schen kein instru­mentelles Ver­hält­nis an den Tag leg­en. Zur Mitar­beit in unser­er Organ­i­sa­tion kön­nen wir Men­schen nur dann überzeu­gen, wenn unsere Tage­sprax­is im Ein­klang mit unseren langfristi­gen Zie­len ste­ht. Deswe­gen lehnen wir jegliche Art von Manövern, die sich poli­tisch moralisch nicht recht­fer­ti­gen lassen und die im Gegen­satz zu unseren strate­gis­chen Vorstel­lun­gen ste­hen, kat­e­gorisch ab.

3. …Die Stärk­sten kämpfen ihr Leben lang. Diese sind unent­behrlich. Bert Brecht

Wir gehen von ein­er Schich­tung des Bewusst­seins in der Bevölkerung aus. Rev­o­lu­tionäres Bewusst­sein kennze­ich­net in „nor­malen“ Zeit­en des Klassenkampfes nur eine kleine Min­der­heit der Bevölkerung. Der unver­söhn­liche Kampf gegen das beste­hende Sys­tem und der radikale Bruch mit den von der kap­i­tal­is­tis­chen Konkur­renz geprägten Ver­hal­tensweisen erfordert ein hohes Maß an poli­tis­ch­er Überzeu­gung und per­sön­lich­er Sta­bil­ität. Wer dabei isoliert ist, kann diese Ein­stel­lung in aller Regel nur sehr schw­er lange durch­hal­ten. Phasen des Abschwungs der Klasse­nak­tiv­ität treiben die meis­ten Men­schen zur Auf­gabe der rev­o­lu­tionären Ide­ale ihrer Jugend. Nicht zulet­zt auch deswe­gen ist es für eine rev­o­lu­tionäre Organ­i­sa­tion leben­snotwendig, kon­tinuier­lich immer wieder Jugendliche zu gewin­nen, will sie nicht Gefahr laufen, in der Rou­tine zu verkrusten und neue Entwick­lun­gen nicht richtig aufnehmen zu kön­nen. Selb­st nichtrev­o­lu­tionäres sozial­is­tis­ches Bewusst­sein ist heute in der BRD wenig ver­bre­it­et. Ein aktives Engage­ment für eine rev­o­lu­tionäre Verän­derung ist bei den meis­ten Sozial­is­ten nicht zu erken­nen. Den­noch kön­nen diese Men­schen ein wichtiges Bindeglied bei dem Bemühen darstellen, bre­it­ere Schicht­en, vor allem im Gew­erkschafts­bere­ich von ein­er auss­chließlich sozial­part­ner­schaftlichen Ein­stel­lung zu lösen und auf eine Poli­tik der Gegen­macht zu ori­en­tieren. Das in der Arbei­t­erIn­nen­klasse heute vorherrschende rein gew­erkschaftliche Bewusst­sein – zumin­d­est was die wirk­liche Vorhut der Klasse ange­ht – wird nur dann weit­erzuen­twick­eln sein, wenn es zu größeren Kämpfen kommt und eine Umstruk­turierung der poli­tis­chen Land­schaft ein­tritt. Dies sind für uns Schlüs­se­lele­mente für das Entste­hen des sub­jek­tiv­en Fak­tors, der bei ein­er Zus­pitzung der objek­tiv­en Krise für das Gelin­gen eines rev­o­lu­tionären Wan­dels uner­lässlich ist.

4. Die Organ­i­sa­tion: Ein Mit­tel zur Zen­tral­i­sa­tion des Bewusst­seins und zum wirk­samen Han­deln

In Erwä­gung, dass wir der Regierung Was sie immer auch ver­spricht, nicht traun Haben wir beschlossen, unter eign­er Führung uns nun­mehr ein gutes Leben aufzubauen. Bert Brecht, aus der Res­o­lu­tion der Kom­mu­nar­den

Die Gesamtheit der objek­tiv­en und der sub­jek­tiv­en Real­ität im Klassenkampf lässt sich nur mit Hil­fe ein­er bre­it ver­ankerten Organ­i­sa­tion erfassen, deren Mit­glieder mit ein­er gemein­samen Meth­ode an die Erfas­sung der Wirk­lichkeit herange­hen, ihre Ergeb­nisse zusam­men­tra­gen und gemein­sam auswerten. Nur so kann auch das kollek­tive Gedächt­nis der Klasse organ­isiert und bewahrt wer­den. Von daher ist es aller erste Auf­gabe ein­er rev­o­lu­tionären Organ­i­sa­tion, die Zen­tral­isierung des Bewusst­seins zu ermöglichen. Ohne die vor­wärt­streibende Rolle ein­er rev­o­lu­tionären Partei dro­ht selb­st in rev­o­lu­tionären Zeit­en das gewaltige Poten­zial ein­er stür­mis­chen Massen­be­we­gung zu ver­puffen. Aber eine führende Rolle der Partei kann sich nicht über einen selb­st­proklamierten Führungsanspruch, oder gar mit admin­is­tra­tiv­en Mit­teln her­stellen, son­dern kann nur poli­tisch, d.h. durch Überzeu­gung, demokratisch erkämpft wer­den. Die Ansicht­en der Partei, sog­ar ihr Pro­gramm, sind wed­er unfehlbar noch unverän­der­lich, son­dern wan­deln sich auf­grund der Prü­fung durch die Prax­is, durch die Ereignisse. Die Partei kann also nur die Selb­st­tätigkeit der Massen begleit­en. Ohne Organ­i­sa­tion bleibt nur spon­tanes und isoliertes Han­deln möglich. Zeitweise kön­nen Bewe­gun­gen mächti­gen Ein­fluss ausüben wie die gegen Umweltzer­störung, für den Frieden oder gegen den Golfkrieg. Aber sie sind nicht sta­bil. Nach einiger Zeit zer­fall­en sie oder wer­den von Parteien aufge­so­gen, wie im Fall der Grü­nen, die schon nach weni­gen Jahren ihre oppo­si­tionelle Hal­tung aufgegeben haben und sich in diesem Regime (etwa in den Par­la­menten und Min­is­te­rien) bequem ein­gerichtet haben. Den­noch scheuen sich viele, in eine Organ­i­sa­tion einzutreten, weil sie fürcht­en, ihre per­sön­liche Frei­heit aufzugeben. Statt dessen ziehen sie die Arbeit in Basis­grup­pen oder „organ­isierten Zusam­men­hän­gen“ vor. Wer in diese ein­tritt, ist zwar unge­bun­den, fak­tisch aber auch unor­gan­isiert, da es keine dauer­hafte poli­tis­che Gemein­samkeit gibt und diese Struk­turen sich früher oder später auflösen. Sie sind in Wahrheit nicht ein­mal demokratis­ch­er, weil die Entschei­dun­gen meist von einzel­nen Aktiv­en oder Cliquen getrof­fen wer­den.

5. Ver­ankert in der Arbei­t­erIn­nen­klasse

Die Arbei­t­erIn­nen­klasse hat die Natur erobert; jet­zt muss sie die Men­schen erobern. Zum Gelin­gen dieses Unternehmens man­gelt es ihr nicht an Kraft, wohl aber an der Organ­i­sa­tion ihrer gemein­samen Kraft… Karl Marx, Brief an das Arbeit­er­par­la­ment (1854)

Für uns nimmt die Ver­ankerung in der Arbei­t­erIn­nen­klasse eine zen­trale Stel­lung ein. Nach der umfassenden Def­i­n­i­tion (nach Engels diejeni­gen, die unter dem ökonomis­chen Zwang ste­hen, ihre Arbeit­skraft zu verkaufen) macht die Arbei­t­erIn­nen­klasse heute die Mehrheit der Bevölkerung aus. Ca. 85% der erwerb­stäti­gen Bevölkerung der BRD sind gezwun­gen, für die Sicherung ihres Leben­sun­ter­halts ihre Arbeit­skraft zu verkaufen. Aber auch unab­hängig von der zahlen­mäßi­gen Dom­i­nanz nimmt die Arbei­t­erIn­nen­klasse für den Kampf um eine andere Gesellschaft eine her­aus­ge­hobene Stel­lung ein, weil erst das rev­o­lu­tionäre Poten­zial der Arbei­t­erIn­nen­klasse die Durch­führung ein­er Rev­o­lu­tion und den Auf­bau ein­er neuen Gesellschaft­sor­d­nung denkbar macht. Denn Dreh- und Angelpunkt des gesamten kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems und der bürg­er­lichen (impe­ri­al­is­tis­chen) Ord­nung ist die Waren­pro­duk­tion. Ohne sie gibt es keine Prof­ite, keine Aus­beu­tung des Men­schen durch den Men­schen; ohne sie kön­nen auch die gegebe­nen Besitzver­hält­nisse nicht aufrecht erhal­ten wer­den. Nur die Arbei­t­erIn­nen­klasse kann in den Ver­w­er­tung­sprozess des Kap­i­tals wirk­sam und dauer­haft ein­greifen. Nur sie besitzt auch die notwendi­gen Ken­nt­nisse und Fer­tigkeit­en, um bei einem Sturz dieser Gesellschaft­sor­d­nung materielle Pro­duk­tion und Dien­stleis­tun­gen auf ein­er neuen Grund­lage (wieder) in Gang zu set­zen. Die Ver­ankerung in der Arbei­t­erIn­nen­klasse kann auch nicht aufgeschoben wer­den. Wed­er wer­den die Zeit­en gün­stiger, noch kann mit ein­er auss­chließlichen Ver­ankerung in nicht pro­le­tarischen Bere­ichen wirk­sam und auf Dauer den ide­ol­o­gis­chen Drück­en ander­er Milieus wider­standen wer­den. Wer sich als Organ­i­sa­tion his­torisch auf die Arbei­t­erIn­nen­klasse bezieht, muss hier und heute diese Verbindung her­stellen, son­st hat men­sch nicht ein­mal das Instru­ment zur Erfas­sung der sub­jek­tiv­en Wirk­lichkeit in der Arbei­t­erIn­nen­klasse, geschweige denn die Mit­tel, um den Klassenkampf wirk­sam bee­in­flussen zu kön­nen. Dies bedeutet nicht, dass jedes Indi­vidu­um ein­er rev­o­lu­tionären Organ­i­sa­tion, die sich auf die Arbei­t­erIn­nen­klasse bezieht, „in den Betrieb“ gehen muss. Eine rev­o­lu­tionäre Organ­i­sa­tion braucht z.B. auch Intellek­tuelle, die ihren Beitrag leis­ten kön­nen. Aber der Schw­er­punkt der langfristi­gen Arbeit muss ganz klar auf die Arbei­t­erIn­nen­klasse aus­gerichtet sein.

6. Wie wir das Ver­hält­nis Partei – Klasse sehen

Da es keinen automa­tis­chen Zusam­men­bruch des Kap­i­tal­is­mus geben kann und da erst recht die Etablierung ein­er fortschrit­tlichen Alter­na­tive alles andere als ein Selb­stläufer ist, muss sich die Arbei­t­erIn­nen­klasse zur Durch­set­zung ihrer his­torischen Ziele ein organ­isatorisches Instru­ment schaf­fen, das diesen Zie­len gewach­sen ist. Zu der rev­o­lu­tionären Organ­isierung der Arbei­t­erIn­nen­klasse wollen wir einen Beitrag leis­ten, aber an kein­er Stelle wollen wir die Arbei­t­erIn­nen­klasse erset­zen, oder „stel­lvertre­tend“ Poli­tik machen. In kein­er Phase des Klassenkampfes, in kein­er Sit­u­a­tion des rev­o­lu­tionären Prozess­es darf sich eine noch so sehr von ihrer Sache überzeugte Organ­i­sa­tion stel­lvertre­tend für die Klasse, auf die sie sich bezieht, zum Vol­lzug­sor­gan ange­blich rev­o­lu­tionär­er Schritte machen. Wir lehnen jede Vorstel­lung eines manip­u­la­tiv­en Ver­hält­niss­es zwis­chen Partei(en) und Arbei­t­erIn­nen­klasse ab. Das Ver­hält­nis Partei - Klasse muss grund­sät­zlich das voll­ständi­ger Unab­hängigkeit sein. Die Partei darf nicht im Namen der Klasse han­deln. Und umgekehrt unter­liegt die Partei an kein­er Stelle einem Zwang, sich momen­tan­er Bewusst­seinsla­gen oder Stim­mungen in der Arbei­t­erIn­nen­klasse anzu­passen. Für uns zeich­nen sich rev­o­lu­tionäre Organ­i­sa­tio­nen dadurch aus, dass sie der Arbei­t­erIn­nen­klasse dienen unter voll­ständi­ger Wahrung der eige­nen Autonomie.

7. Unser Ver­hält­nis zu den Gew­erkschaften

Unter den Organ­i­sa­tio­nen der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung nehmen die Gew­erkschaften eine Son­der­stel­lung ein. Sie verkör­pern die tagtägliche Ein­heits­front der Arbei­t­erIn­nen­klasse und sind für die Her­aus­bil­dung von Klassen­be­wusst­sein auf Massenebene ein uner­lässlich­es Instru­ment. Die wirk­same Organ­isierung des Kampfes gegen das Kap­i­tal, wie auch die Vertei­di­gung der Inter­essen der Werk­täti­gen nach der Rev­o­lu­tion ist ohne Gew­erkschaften schw­er vorstell­bar. Deswe­gen vertei­di­gen wir die Gew­erkschaften nicht nur gegen Kabi­nett und Kap­i­tal, wir treten auch aktiv für ihre Stärkung ein und vertei­di­gen ihren Charak­ter als Ein­heits­gew­erkschaften. Aber wir vertei­di­gen nicht die Poli­tik der Gew­erkschafts­führun­gen. Im Gegen­teil: Ihre Inte­gra­tion in das beste­hende Sys­tem muss aufs Schärf­ste bekämpft wer­den. Wir führen die Hal­tung der Gew­erkschafts­führun­gen in der BRD auf ihre priv­i­legierte Stel­lung zurück und betra­cht­en ihr zäh­es Fes­thal­ten an ihrer poli­tis­chen Macht und an ihren materiellen Priv­i­legien als bürokratis­ches Ver­hal­ten, das es aus der Arbei­t­erIn­nen­klasse zu ver­ban­nen gilt.

8. Unser Ver­hält­nis zu anderen (linken) Organ­i­sa­tio­nen

Gegenüber sämtlichen Organ­i­sa­tio­nen und Bewe­gun­gen, die sich gegen dieses Sys­tem oder Teilaspek­te der herrschen­den Gesellschaft­sor­d­nung (oder auch nur gegen einzelne reak­tionäre Maß­nah­men von Kabi­nett und Kap­i­tal) wen­den und dabei fortschrit­tliche Ziele ver­fecht­en, pfle­gen wir ein grund­sät­zlich sol­i­darisches Ver­hält­nis. Dies tun wir auch dann, wenn wir mit den aktuellen Vorschlä­gen dieser Kräfte nicht ein­ver­standen sind. Die gemein­same Aktion mit anderen Kräften machen wir je doch davon abhängig, dass man sich auf eine gemein­same Min­i­malplat­tform eini­gen kann, die nicht im Gegen­satz zu unseren Prinzip­i­en ste­ht: Förderung der Selb­st­tätigkeit der Arbei­t­erIn­nen­klasse, freieste Ent­fal­tung der Arbei­t­er­demokratie, prinzip­iell anti­ras­sis­tisch und antipa­tri­ar­chal. Gle­ichzeit­ig vertei­di­gen wir die Autonomie jed­er sozialen Bewe­gung und bekämpfen ihre Instru­men­tal­isierung durch selb­sterk­lärte Avant­gar­den. Eine Manip­u­la­tion von Bürg­erini­tia­tiv­en und sozialen Bewe­gun­gen, von Gew­erkschaften wie von Frauenor­gan­i­sa­tio­nen, von anti­ras­sis­tis­chen wie von antifaschis­tis­chen Zusam­men­schlüssen durch eine Partei gle­ich welch­er Couleur muss aufs Schärf­ste bekämpft wer­den. Solche Bewe­gun­gen haben immer ihre Berech­ti­gung und müssen ihre Autonomie vertei­di­gen und unter­liegen keinem Führungsanspruch durch „die“ Arbei­t­erIn­nen­klasse, wer immer auch vorgibt, diese zu verkör­pern. Eine beson­dere Bedeu­tung in der heuti­gen Sit­u­a­tion hat nach unserem Ver­ständ­nis die autonome Organ­isierung von Migran­tInnen. Wir wün­schen uns zwar eine enge Zusam­me­nar­beit dieser Kräfte mit der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung in Deutsch­land (und ander­swo), aber die Organ­isierung und poli­tis­che Wil­lens­bil­dung sowie die Aktiv­itäten der Migran­tInnen müssen von jeglichen Ein­mis­chungsver­suchen freige­hal­ten wer­den. Ein­er eigen­ständi­gen Organ­isierung der Migran­tInnen müssen deutsche Organ­i­sa­tio­nen eine selb­st­lose Unter­stützung gewähren, aber nur dort, wo sie gewün­scht ist. Fortschrit­tliche Forderun­gen von Massen­be­we­gun­gen wollen wir grund­sät­zlich auf­greifen und nach Möglichkeit in ein­er antikap­i­tal­is­tis­chen Per­spek­tive bün­deln. Aber auch da, wo dies nicht gelingt, wo wir unsere antikap­i­tal­is­tis­chen Vorstel­lun­gen nicht ver­ankern kön­nen, streben wir durch­weg die Bil­dung von Aktion­sein­heit­en an, weil wir der fes­ten Überzeu­gung sind, dass nur bre­iteste gemein­same Aktio­nen etwas bewe­gen kön­nen. Schließlich kann auch die poli­tis­che Zer­split­terung der Linken nur über die Her­aus­bil­dung möglichst viel­er gemein­samer prak­tis­ch­er Aktiv­itäten über­wun­den wer­den. Bei Aktion­sein­heit­en stellen wir deshalb nicht die poli­tis­che Eini­gung auf gemein­same Analy­sen (oder gar gemein­same Ein­schätzun­gen der Geschichte oder erwarteter zukün­ftiger Entwick­lun­gen) in den Vorder­grund. Vor­rangig für uns ist die Ver­ständi­gung darüber, wofür es zu kämpfen gilt. Der Ver­such ein­er umfassenden poli­tis­chen Eini­gung führt unnötiger­weise zu ein­er Einen­gung des Kreis­es der möglichen Beteiligten und bringt in aller Regel nicht voran. Die Frei­heit der eige­nen weit­erge­hen­den Pro­pa­gan­da muss allerd­ings bei Aktion­sein­heit­en grund­sät­zlich gewahrt bleiben, jedoch nur insofern, als damit die gemein­sam verabre­de­ten Forderun­gen und Ziele nicht in Frage gestellt wer­den.

9. Unser Ver­hält­nis zu anderen rev­o­lu­tionären Organ­i­sa­tio­nen

Eine rev­o­lu­tionäre Massen­partei der Arbei­t­erIn­nen­klasse wird auch in der BRD nur in größeren Kämpfen entste­hen kön­nen. Aber sie wird in keinem Fall aus dem poli­tis­chen und organ­isatorischen Nichts her­vorge­hen. Heute schon gilt es, dazu einen Beitrag zu leis­ten, um wenig­stens ansatzweise Erfahrun­gen im Klassenkampf aufzuar­beit­en und an der Entwick­lung eines rev­o­lu­tionären Pro­gramms zu arbeit­en. Denn dass die Bour­geoisie ständig ihre Lehren aus der Geschichte zieht und ver­ar­beit­et, darf nicht in Zweifel gezo­gen wer­den. Ganz zweifel­los gibt es außer unseren (zahlen­mäßig sehr beschei­de­nen) Kräften auch andere rev­o­lu­tionär sozial­is­tis­che Organ­i­sa­tio­nen. Nach den Erfahrun­gen der Linken in der BRD der ver­gan­genen Jahre sollte ein Diskus­sion­sprozess, der auf eine Vere­ini­gung abzielt, einge­bet­tet sein in eine län­gere gemein­same prak­tis­che Arbeit und muss eine Rei­he von Erfahrun­gen in Vere­ini­gung­sprozessen beacht­en:

  • Wir streben Vere­ini­gun­gen an auf der Grund­lage ein­er gemein­samen Prax­is im Klassenkampf und klar­er pro­gram­ma­tis­ch­er Zielbes­tim­mungen.
  • Wir wollen einen möglichen Vere­ini­gung­sprozess mit der Entwick­lung der Gemein­samkeit­en begin­nen und diese aus­bauen.
  • Kon­tro­verse Fra­gen soll­ten not­falls mit einem klaren Zeit­plan zurück­gestellt wer­den, damit das Zusam­menwach­sen erst ein­mal gefördert wer­den kann. Dabei darf aber keine Frage aus­geklam­mert oder ver­drängt wer­den.
  • Keine Kom­pro­misse in prinzip­iellen Fra­gen.

Zweifel­los wird eine rev­o­lu­tionäre Arbei­t­erIn­nen­partei mit Massene­in­fluss nur über einen län­geren Prozess von Wach­s­tum­sphasen und Umgrup­pierun­gen entste­hen. Aber eine Umgrup­pierung sollte in ver­ant­wortlich­er Weise vor­bere­it­et und ange­gan­gen wer­den, weil im Fall des Scheit­erns die Ent­täuschung und Demor­al­isierung in aller Regel min­destens zu einem teil­weisen poli­tis­chen Ver­fall der beteiligten Organ­i­sa­tio­nen und Kräfte führt. Aber selb­st bei einem Zusam­men­schluss aller rev­o­lu­tionär sozial­is­tis­chen Kräfte würde dies im gün­stig­sten Fall heute nur einen Bruchteil der Arbei­t­erIn­nen­klasse in der BRD repräsen­tieren. Auch dann noch bestünde weit­er­hin das strate­gis­che Ziel, die Arbei­t­erIn­nen­vorhut in den Betrieben für den Sozial­is­mus und eine sozial­is­tis­che Organ­isierung zu gewin­nen. Der Stal­in­is­mus war nie eine Alter­na­tive zum Kap­i­tal­is­mus. Er hat mit Sozial­is­mus so viel zu tun wie die Päp­ste mit Chris­tus: Bei­de berufen sich auf befreiende Ideen, in deren Namen unsägliche Ver­brechen began­gen oder gerecht­fer­tigt wur­den. In den Län­dern des ver­balen Sozial­is­mus war nach der Rev­o­lu­tion eine Bürokratie an die Macht gekom­men. Der Stal­in­is­mus hat durch den Massen­ter­ror die Men­schen unter­wor­fen und eingeschüchtert. Sein Kom­man­dosys­tem hat die wirtschaftliche Entwick­lung behin­dert und am Ende block­iert. So brach ein nicht mehr entwick­lungs­fähiges Sys­tem zusam­men. Grund­lage des Sozial­is­mus ist die Möglichkeit der freien Entschei­dung aller über jeden Aspekt der Gesellschaft. Das set­zt als Min­i­mum die demokratis­chen Rechte der fort­geschrit­ten­sten bürg­er­lichen Repub­liken voraus. Sie muss aber weit darüber hin­aus­ge­hen. Denn sozial­is­tis­che Demokratie bedeutet die Selb­stver­wal­tung in Betrieb, Wohn­bezirk oder Aus­bil­dungsstätte durch Räte.

10. Zu unserem inter­nen Funk­tion­ieren

Wir sind eine Gemein­schaft jen­er, die gegen die beste­hende Gesellschaft rebel­lieren. Kri­tik ist unser Lebense­le­ment. Ohne freie Diskus­sion kön­nen wir uns keine wirk­lich rev­o­lu­tionäre Organ­i­sa­tion vorstellen. Die aber ist nur in der sol­i­darischen Gemein­schaft der Gruppe möglich. Darum ist unsere Organ­isierung Voraus­set­zung für unsere freie Ent­fal­tung als poli­tis­che Men­schen. Wir vere­ini­gen uns, um auf gemein­samer poli­tis­ch­er Grund­lage zu arbeit­en. Wir geben damit nicht unsere Indi­vid­u­al­ität auf. Aber wir bauen die sozialen Dif­feren­zen ab, zwis­chen Jun­gen und Alten, zwis­chen Frau und Mann, Einge­bore­nen und Zuge­wan­derten. Durch die Organ­i­sa­tion wird das Mit­glied ger­ade in der Gemein­schaft mehr poli­tis­che und organ­isatorische Erfahrung sam­meln und sich per­sön­lich stärk­er ent­fal­ten als außer­halb. Das erfordert freilich offene Diskus­sion, Ver­trauen untere­inan­der und sol­i­darisches Miteinan­der, aber auch die Möglichkeit, inner­halb der Organ­i­sa­tion kollek­tiv als Plat­tform oder Frak­tion für eine poli­tis­che Posi­tion zu arbeit­en. Die Gren­ze ist dort zu ziehen, wo es keine gemein­same poli­tis­che Arbeit und keine Hand­lungs­fähigkeit mehr gibt. In unserem Konzept des Organ­i­sa­tion­sauf­baus ver­suchen wir bewusst, ger­ade auch junge Men­schen für die Organ­i­sa­tion zu gewin­nen und sie auf Dauer zu inte­gri­eren. Dies schließt ein Ver­heizen genau­so aus, wie das Unter­drück­en soge­nan­nter jugend­spez­i­fis­ch­er Ver­hal­tensweisen. Wir wollen zwar möglichst viele junge Kad­er für eine Arbeit in der Indus­trie gewin­nen, um das Stand­bein in der Arbei­t­erIn­nen­klasse auszubauen. Doch kann dies nur im Rah­men ein­er inten­siv­en poli­tis­chen Begleitung erfol­gen und ist auf­grund der per­sön­lichen Voraus­set­zun­gen nicht für jeden und jede möglich. Die beste Art, junge Men­schen an die Arbeit in ein­er rev­o­lu­tionären Organ­i­sa­tion her­anzuführen, ist nach unsr­er Auf­fas­sung der Auf­bau ein­er unab­hängi­gen rev­o­lu­tionären Jugen­dor­gan­i­sa­tion, die gemäß eigen­er Rhyth­men und Aktions­for­men ihre Lebendigkeit bewahren kann, ein­schließlich des Rechts, „Fehler“ machen zu kön­nen und dabei nicht von „den Erwach­se­nen“ in der Ent­fal­tung ihrer Poli­tikan­sätze gehin­dert zu wer­den. Wenn sich der Auf­bau ein­er solchen Organ­i­sa­tion ver­wirk­lichen lässt, die in Sym­pa­thie zu unseren pro­gram­ma­tis­chen Zie­len ste­ht, den Zie­len der IV. Inter­na­tionale, wer­den wir dies aktiv unter­stützen. Wir gehen davon aus, dass die Frauen als Geschlecht unter­drückt wer­den. Diese Unter­drück­ung ist untrennbar mit der Klas­sen­ge­sellschaft und den beste­hen­den patri­ar­chalis­chen Ver­hält­nis­sen ver­bun­den. Diese Unter­drück­ung stellt eine erhe­bliche Schwächung der Arbei­t­erIn­nen­klasse ins­ge­samt dar. Ohne den Kampf für die Befreiung der Frauen kann wed­er die sozial­is­tis­che Umwälzung erre­icht noch garantiert wer­den, dass diese wirk­lich den Aus­gangspunkt für eine umfassende Abschaf­fung von Unter­drück­ung und Aus­beu­tung sein wird. Auch in der Arbeit­er­be­we­gung, ihren rev­o­lu­tionären Teil eingeschlossen, wur­den und wer­den die Frauen unter­drückt. Wir unter­stützen die weit­ere Entwick­lung ein­er unab­hängi­gen Frauen­be­we­gung, weil der Kampf für die Frauen­be­freiung nur auf diese Weise wirk­sam vor­angetrieben wer­den kann. Wir gehen davon aus, dass auch in der eige­nen Organ­i­sa­tion männlich­es Ver­hal­ten ein Hin­der­nis für die Ent­fal­tung der poli­tis­chen Tätigkeit von Frauen ist. Es ist daher notwendig, eine ständi­ge bewusste Anstren­gung zu unternehmen, um diesen Zus­tand zu bekämpfen und zu über­winden, sowohl durch die poli­tis­che Erziehung als auch durch beson­dere organ­isatorische Maß­nah­men wie das Recht der Frauen, sich jed­erzeit auf allen Ebe­nen der Organ­i­sa­tion unter sich zu tre­f­fen, sowie durch Quotierun­gen in den Leitung­sor­ga­nen, wenn dies von den Frauen so gewün­scht wird. In ein­er rev­o­lu­tionären Partei muss die poli­tis­che Kul­tur der angestrebten Gesellschaft erkennbar sein. Son­st wird von ihr und ihren Zie­len nicht die Ausstrahlung und Fasz­i­na­tion aus­ge­hen, die nötig ist, damit die große Mehrheit der Arbei­t­erIn­nen­klasse den Kampf für die grundle­gende sozial­is­tis­che Umwälzung als lohnend erken­nt. Arbei­t­erIn­nen­demokratie und Selb­stver­wal­tung sind keine Ziele, die erst nach der Rev­o­lu­tion aktuell wer­den. Auch wenn sie erst nach dem Sturz der Bour­geoisie wirk­lich voll entwick­elt wer­den kön­nen, so müssen diese Prinzip­i­en schon heute in den Rei­hen der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung – und erst recht inner­halb ein­er rev­o­lu­tionär-marx­is­tis­chen Organ­i­sa­tion – zur Gel­tung kom­men. Für uns ist die inner­parteiliche Demokratie die Brücke zur Rät­edemokratie.

11. Inter­na­tion­al organ­isieren!

Die klassen­lose Gesellschaft ist nur im Welt­maßstab zu erre­ichen. Ihre Ver­wirk­lichung ist nicht nur gekennze­ich­net durch die endgültige Über­win­dung der Waren­pro­duk­tion und das Abster­ben des Staates. Sie stellt auch die Exis­tenz von Nation­al­staat­en grund­sät­zlich in Frage. Die Tat­sache, dass die klassen­lose Gesellschaft nur weltweit zu ver­wirk­lichen ist, darf nicht als Argu­ment miss­braucht wer­den, um der sozial­is­tis­chen Entwick­lung in einem Land willkür­lich Gren­zen zu set­zen. Der Klassenkampf ist seinem Inhalt nach inter­na­tion­al und sein­er Form nach nation­al. Gegen die multi­na­tionalen Konz­erne, gegen die Zusam­me­nar­beit der Kap­i­tal­is­ten und bürg­er­lichen Staat­en der ver­schiede­nen Län­der, gegen das Ausspie­len der Arbei­t­erIn­nen eines Lan­des gegen die Arbei­t­erIn­nen der anderen Län­der ist die Arbei­t­erIn­nen­klasse schon heute längst auf inter­na­tionale Koop­er­a­tion und Sol­i­dar­ität angewiesen. Wir treten dafür ein, dass die Gew­erkschaften die Zusam­me­nar­beit über Län­der­gren­zen hin­weg ver­stärken. Wir betra­cht­en die inter­na­tionale Sol­i­dar­ität als ständi­ge Auf­gabe der ganzen Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung. Wir streben den Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionären Partei an, die in der Real­ität des eigene Lan­des wurzelt. Gle­ichzeit­ig aber wollen wir zum Auf­bau ein­er inter­na­tionalen Organ­i­sa­tion beitra­gen, die die weltweit­en Erfahrun­gen des Klassenkampfes zu ver­ar­beit­en ver­sucht, prak­tis­che Poli­tik gemein­sam und „gren­züber­schre­i­t­end“ organ­isiert und die das Ziel der Wel­trev­o­lu­tion auf Ihre Fah­nen geschrieben hat. Eine rev­o­lu­tionäre Inter­na­tionale muss nach den Prinzip­i­en des frei­willi­gen Zusam­men­schlusses auf ein­er klaren pro­gram­ma­tis­chen Grund­lage funk­tion­ieren. Wir streben zwar inter­na­tionale Hand­lungs­fähigkeit an, aber sie kann nur auf gemein­samen Überzeu­gun­gen (und Überzeu­gungsar­beit) basieren und nicht auf Direk­tiv­en eines inter­na­tionalen Zen­trums. Auf­gabe ein­er inter­na­tionalen Führung ist es, den inter­na­tionalen Diskus­sion­sprozess zu organ­isieren, poli­tis­che Analy­sen zu erstellen und Anstöße für inter­na­tionale poli­tis­che Ini­tia­tiv­en zu ergreifen. Eine solche Organ­i­sa­tion ist mit der IV. Inter­na­tionale im Kern vorhan­den. Auch wenn sie heute noch klein ist und nur in weni­gen Län­dern über Sek­tio­nen ver­fügt, die im Klassenkampf eine bedeu­tende Rolle spie­len, so ist doch dieser inter­na­tionale Ansatz poli­tisch und organ­isatorisch bei weit­em der entwick­elt­ste, den es heute gibt. Deswe­gen wollen wir in Deutsch­land eine Sek­tion der IV. Inter­na­tionale auf­bauen.

Leo Trotzki - Das Übergangsprogramm

Leo Trotzki

Das Übergangsprogramm

Die objektiven Voraussetzungen der sozialistischen Revolution

Die welt­poli­tis­che Lage in ihrer Gesamtheit ist vor allem gekennze­ich­net durch die his­torische Krise der Führung des Pro­le­tari­ats. Die wirtschaftlichen Voraus­set­zun­gen der pro­le­tarischen Rev­o­lu­tion ist schon seit langem am höch­sten Punkt ange­langt, der unter dem Kap­i­tal­is­mus erre­icht wer­den kann. Die Pro­duk­tivkräfte der Men­schheit stag­nieren. Die neuen Erfind­un­gen und die tech­nis­chen Fortschritte dienen nicht mehr dazu, das Niveau des materiellen Reich­tums zu erhöhen. Unter den Bedin­gun­gen der sozialen Krise des ganzen kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems laden die Kon­junk­turkrisen den Massen immer größere Ent­behrun­gen und Lei­den auf. Das Anwach­sen der Arbeit­slosigkeit ver­tieft wiederum die finanzielle Krise des Staates und unter­höhlt die erschüt­terten Geldsys­teme. Die Regime – die demokratis­chen wie die faschis­tis­chen – taumeln von Bankrott zu Bankrott. Die Bour­geoisie selb­st sieht keinen Ausweg. In den Län­dern, wo sie sich gezwun­gen fand, ihr let­ztes Spiel auf die Karte des Faschis­mus zu set­zen, schlit­tert sie jet­zt mit geschlosse­nen Augen der wirtschaftlichen und mil­itärischen Katas­tro­phe ent­ge­gen. In den his­torisch priv­i­legierten Län­dern, d. h. dort, wo sich die Bour­geoisie noch eine Zeit­lang den Luxus der Demokratie leis­ten kann <Großbri­tan­nien, Frankre­ich, Vere­inigte Staat­en usw.), befind­en sich alle tra­di­tionellen Parteien des Kap­i­tals in einem Zus­tand der Ver­wirrung, der gele­gentlich an Wil­lensläh­mung gren­zt. Trotz sein­er Entschlossen­heit, die er in sein­er ersten Phase vor­getäuscht hat, repräsen­tiert der New Deal nichts anderes als eine beson­dere Form der Ver­wirrung, wie sie nur in einem Land möglich ist, wo die Bour­geoisie Reichtümer ohne Zahl anhäufen kon­nte. Die gegen­wär­tige Krise, die noch lange nicht ihr let­ztes Wort gesprochen hat, kon­nte bere­its zeigen, daß die Poli­tik des „New Deal“ in den Vere­inigten Staat­en eben­sowenig wie die Poli­tik der Volks­front in Frankre­ich irgen­deinen Ausweg aus der wirtschaftlichen Sack­gasse eröffnet. Die inter­na­tionalen Beziehun­gen bieten kein besseres Bild. Unter dem wach­senden Druck des kap­i­tal­is­tis­chen Nieder­gangs haben die impe­ri­al­is­tis­chen Wider­sprüche die Gren­ze erre­icht, jen­seits der­er die einzel­nen Kon­flik­te und bluti­gen Explo­sio­nen (Äthiopi­en, Spanien, Fern­er Osten, Mit­teleu­ropa) unauswe­ich­lich in einem Welt­brand mün­den. Gewiß, die Bour­geoisie ist sich klar über die tödliche Gefahr, die ein neuer Krieg für ihre Herrschaft bedeutet. Aber diese Klasse ist augen­blick­lich noch tausend­mal unfähiger, den Krieg zu ver­hin­dern, als am Vor­abend von 1914. Das ganze Gerede, wonach die geschichtlichen Bedin­gun­gen noch nicht „reif“ genug seien für den Sozial­is­mus, ist nur das Pro­dukt der Unwis­senheit oder eines bewußten Betrugs. Die objek­tiv­en Voraus­set­zun­gen der pro­le­tarischen Rev­o­lu­tion sind nicht nur schon „reif“, sie haben sog­ar bere­its begonnen zu ver­faulen. Ohne sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion, und zwar in der näch­sten geschichtlichen Peri­ode, dro­ht die ganze men­schliche Kul­tur in ein­er Katas­tro­phe unterzuge­hen. Alles hängt ab vom Pro­le­tari­at, d.h. in erster Lin­ie von sein­er rev­o­lu­tionären Vorhut. Die his­torische Krise der Men­schheit ist zurück­zuführen auf die Krise der rev­o­lu­tionären Führung.

Das Pro­le­tari­at und seine Führung

Die Ökonomie, der Staat, die Poli­tik der Bour­geoisie und ihre inter­na­tionalen Beziehun­gen sind tief­greifend von der sozialen Krise erfaßt, die die vor­rev­o­lu­tionäre Lage der Gesellschaft kennze­ich­net. Das Haupthin­der­nis auf dem Wege der Umwand­lung der vor­rev­o­lu­tionären in eine rev­o­lu­tionäre Lage ist der oppor­tunis­tis­che Charak­ter der pro­le­tarischen Führung, ihre klein­bürg­er­liche Feigheit gegenüber der großen Bour­geoisie und ihre ver­rä­ter­ischen Verbindun­gen, die sie mit dieser selb­st in deren Todeskampf noch aufrechter­hält. In allen Län­dern ist das Pro­le­tari­at von tiefer Angst erfaßt. Mil­lio­nen­massen bewe­gen sich ohne Unter­laß in Rich­tung auf den Weg rev­o­lu­tionär­er Aus­brüche. Aber jedes­mal wer­den sie von ihren eige­nen kon­ser­v­a­tiv­en bürokratis­chen Appa­rat­en abge­blockt. Das Spanis­che Pro­le­tari­at hat seit April 1931 eine Rei­he hero­is­ch­er Ver­suche unter­nom­men, die Macht in seine Hände zu nehmen und die Geschicke der Gesellschaft zu fuhren. Jedoch seine eige­nen Parteien – Sozialdemokrat­en, Stal­in­is­ten, Anar­chis­ten und die POUM – haben jede auf ihre Weise die Rolle eines Brem­sklotzes gespielt und damit den Tri­umph Fran­cos vor­bere­it­et. In Frankre­ich hat die mächtige Streik­welle mit Fab­rikbe­set­zun­gen – ins­beson­dere Im Juni 1936 – die ern­sthafte Entschlossen­heit des Pro­le­tari­ats zum Aus­druck gebracht das kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem zu stürzen. Jedoch ist es den führen­den Organ­i­sa­tio­nen – Sozial­is­ten, Stal­in­is­ten und Syn­dikalis­ten – gelun­gen, unter dem Etikett der Volks­frovt den rev­o­lu­tionären Strom zu kanal­isieren und zumin­d­est momen­tan aufzuhal­ten. Die beispiel­lose Streik­welle mit Fab­rikbe­set­zun­gen und das erstaunlich rasche Wach­s­tum der Indus­triegew­erkschaften in den Vere­inigten Staat­en (CIO) sind der deut­lich­ste Aus­druck des instink­tiv­en Strebens der amerikanis­chen Arbeit­er, sich auf die Höhe der Auf­gaben zu erheben, die Ihnen die Geschichte aufer­legt hat. Jedoch mach hier tun die führen­den Organ­i­sa­tio­nen, ein­schließlich der neugeschaf­fe­nen CIO, alles, was in ihren Kräften ste­ht, um die rev­o­lu­tionäre Offen­sive der Massen in Schach zu hal­ten und zu läh­men. Der endgültige Ober­gang der Kom­mu­nis­tis­chen Inter­na­tionale auf die Seite der bürg­er­lichen Ord­nung, ihre zynisch kon­ter­rev­o­lu­tionäre Rolle in der ganzen Welt – ins­beson­dere in Spanien, in Frankre­ich, in den Vere­inigten Staat­en und den anderen „demokratis­chen Län­dern“ – hat dem Welt­pro­le­tari­at zusät­zlich außeror­dentliche Schwierigkeit­en aufer­legt. Unter dem Ban­ner der Okto­ber­rev­o­lu­tion verurteilt die ver­söhn­lerische „Volksfront“-Politik die Arbeit­erk­lasse zur Ohn­macht und bah­nt dem Faschis­mus den Weg. Die „Volks­fron­ten“ auf der einen, der Faschis­mus auf der anderen Seite, dies sind die let­zten poli­tis­chen Reser­ven des Impe­ri­al­is­mus im Kampf gegen die pro­le­tarische Rev­o­lu­tion. Vom his­torischen Stand­punkt aus sind diese bei­den Hil­f­squellen allerd­ings nichts anderes als Fik­tio­nen. Die Fäul­nis des Kap­i­tal­is­mus hält an, sowohl unter dem Zeichen der phry­gis­chen Mütze in Frankre­ich wie unter dem Zeichen des Hak­enkreuzes in Deutsch­land. Allein der Sturz der Bour­geoisie kann einen Ausweg eröff­nen. Die Ori­en­tierung der Massen ist ein­er­seits durch die objek­tiv­en Bedin­gun­gen des ver­fal­l­en­den Kap­i­tal­is­mus, ander­er­seits durch die Poli­tik des Ver­rats der alten Arbeit­eror­gan­i­sa­tio­nen bes­timmt. Entschei­dend von diesen bei­den Fak­toren ist selb­stver­ständlich der erste: die Geset­ze der Geschichte sind mächtiger als die bürokratis­chen Appa­rate. Wie ver­schieden auch die Meth­o­d­en der Sozialver­räter sein mögen – von der „Sozial“-Gesetzgebund Leons Blums ist zu den Jus­tizfälschun­gen Stal­ins –, es wird ihnen niemals gelin­gen, den rev­o­lu­tionären Willen des Pro­le­tari­ats zu brechen. Je weit­er die Zeit fortschre­it­et, desto klar­er wer­den ihre verzweifel­ten Anstren­gun­gen, das Rad der Geschichte aufzuhal­ten, den Massen demon­stri­eren, daß die Krise der pro­le­tarischen Führung, die zur Krise der men­schlichen Kuh tur gewor­den ist, nur von der IV. Inter­na­tionale gelöst wer­den kann.

Min­i­mal­pro­gramm und Über­gang­spro­gramm

Die strate­gis­che Auf­gabe der näch­sten Peri­ode – der vor­rev­o­lu­tionären Peri­ode der Agi­ta­tion, Pro­pa­gan­da und Organ­i­sa­tion – beste­ht darin, den Wider­spruch zwis­chen der Reife der objek­tiv­en Bedin­gun­gen der Rev­o­lu­tion und der Unreife des Pro­le­tari­ats und sein­er Vorhut (Ver­wirrung und Ent­mu­ti­gung der alten Gen­er­a­tion, man­gel­nde Erfahrung der Jun­gen) zu über­winden. Man muß der Masse im Ver­lauf ihres täglichen Kampfes helfen, die Brücke zu find­en zwis­chen ihren aktuellen Forderun­gen und dem Pro­gramm der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion. Diese Brücke muß in einem Sys­tem von Über­gangs­forderun­gen beste­hen, die aus­ge­hen von den augen­blick­lichen Voraus­set­zun­gen und dem heuti­gen Bewußt­sein bre­it­er Schicht­en der Arbeit­erk­lasse und unabän­der­lich zu ein und dem­sel­ben Schluß führen: der Eroberung der Macht durch das Pro­le­tari­at. Die klas­sis­che Sozialdemokratie, die ihre Tätigkeit in der Epoche des Kap­i­tal­is­mus ent­fal­tete, als er noch pro­gres­siv war, teilte ihr Pro­gramm in zwei voneinan­der unab­hängige Teile: das Min­i­mal­pro­gramm, das sich auf Refor­men im Rah­men der bürg­er­lichen Gesellschaft beschränk­te, und das Max­i­mal­pro­gramm, das für eine unbes­timmte Zukun­ft die Erset­zung des Kap­i­tal­is­mus durch den Sozial­is­mus ver­sprach. Zwis­chen dem Min­i­mal­pro­gramm und dem Max­i­mal­pro­gramm gab es keine Brücke. Und in der Tat, die Sozialdemokratie brauchte keine solche Brücke, denn von Sozial­is­mus sprach sie nur am Feiertag. Die Kom­mu­nis­tis­che Inter­na­tionale hat den Weg der Sozialdemokratie in der Epoche des faulen­den Kap­i­tal­is­mus beschrit­ten, wo nicht mehr die Rede sein kann von sys­tem­a­tis­chen Sozial­re­for­men noch von der Hebung des Lebens­stan­dards der Massen; wo die Bour­geoisie sich jedes­mal mit der recht­en Hand das Dop­pelte von dem nimmt, was sie mit der linken Hand gegeben hat (Steuern, Zölle, Infla­tion, „Defla­tion“, Teuerung, Arbeit­slosigkeit, Schlich­tung des Streiks durch Polizei usw.); wo jede ern­sthafte Forderung des Pro­le­tari­ats und sog­ar jede fortschrit­tliche Forderung des Klein­bürg­er­tums unauswe­ich­lich über die Gren­zen des kap­i­tal­is­tis­chen Eigen­tums und des bürg­er­lichen Staates hin­aus­führt. Die strate­gis­che Auf­gabe der IV. Inter­na­tionale beste­ht nicht darin den Kap­i­tal­is­mus zu reformieren, son­dern darin, ihn zu stürzen. Ihr poli­tis­ches Ziel ist die Eroberung der Macht durch das Pro­le­tari­at, um die Enteig­nung der Bour­geoisie durchzuführen. Die Lösung dieser strate­gis­chen Auf­gabe ist jedoch undenkbar ohne die sorgfältig­ste Aufmerk­samkeit gegenüber allen Fra­gen der Tak­tik, selb­st den ger­ingfügi­gen und par­tiellen. Alle Teile des Pro­le­tari­ats, alle seine Schicht­en, Berufe und Grup­pen müssen in die rev­o­lu­tionäre Bewe­gung hineinge­zo­gen wer­den. Was die Beson­der­heit der gegen­wär­ti­gen Epoche aus­macht, ist nicht, daß sie die rev­o­lu­tionäre Partei von der pro­sais­chen Arbeit des All­t­ags befre­it, son­dern daß sie erlaubt, diesen alltäglichen Kampf in unau­flös­bar­er Verbindung mit den Auf­gaben der Rev­o­lu­tion zu führen. Die IV. Inter­na­tionale ver­wirft nicht die Forderun­gen des alten „Minimal“-Programms, soweit sie noch einige Leben­skraft bewahrt haben. Sie vertei­digt uner­müdlich die demokratis­chen Rechte der Arbeit­er und ihre sozialen Errun­gen­schaften. Aber sie führt diese Tage­sar­beit aus im Rah­men ein­er richti­gen, aktuellen, d. h. rev­o­lu­tionären Per­spek­tive. In dem Maße wie die alten par­tiellen „Minimal“-Forderungen der Massen auf die zer­störerischen und erniedri­gen­den Ten­den­zen des ver­fal­l­en­den Kap­i­tal­is­mus stoßen – und das geschieht auf Schritt und Tritt – stellt die IV. Inter­na­tionale eine Sys­tem von Über­gangs­forderun­gen auf, dessen Sinn es ist, sich immer offen­er und entschlossen­er gegen die Grund­la­gen der bürg­er­lichen Herrschaft selb­st zu richt­en. Das alte „Min­i­mal­pro­gramm“ wird ständig über­holt vom Über­gang­spro­gramm, dessen Auf­gabe darin beste­ht, die Massen sys­tem­a­tisch für die pro­le­tarische Rev­o­lu­tion zu mobil­isieren.

Gleitende Skala der Löhne und der Arbeitszeit

Unter den Bedin­gun­gen des sich zer­set­zen­den Kap­i­tal­is­mus führen die Massen weit­er das düstere Leben von Unter­drück­ten, die jet­zt mehr denn je von der Gefahr bedro­ht sind, in den Abgrund des Pau­peris­mus gewor­fen zu wer­den. Sie sind gezwun­gen, ihr Stück Brot zu vertei­di­gen, wenn sie es schon nicht ver­größern oder verbessern kön­nen. Es beste­ht wed­er Möglichkeit noch Notwendigkeit, hier all die ver­schiede­nen par­tiellen Forderun­gen aufzuzählen, die jew­eils aus den konkreten nationalen, lokalen und beru­flichen Bedin­gun­gen her­vorge­hen. Aber zwei wirtschaftliche Grundü­bel, in denen sich die wach­sende Sinnlosigkeit des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems zusam­men­faßt, näm­lich die Arbeit­slosigkeit und die Ver­teuerung des Lebens, erfordern ver­all­ge­mein­erte Losun­gen und Kampfmeth­o­d­en. Die IV. Inter­na­tionale erk­lärt die Poli­tik der Kap­i­tal­is­ten einen unver­söhn­lichen Krieg, ein­er Poli­tik, die zu einem beträchtlichen Teil – genau­so wie die Poli­tik ihrer Agen­ten, der Reformis­ten, – in dem Ver­such beste­ht, auf die Arbeit­er­schaft die ganze Last des Mil­i­taris­mus, der Krise, der Zer­rü­tung der Geldsys­teme und andere Übel des kap­i­tal­is­tis­chen Nieder­gangs abzuwälzen. Sie fordert Arbeit und eine würdi­ge Exis­tenz für alle. Wed­er Infla­tion der Währung noch Sta­bil­isierung kön­nen dem Pro­le­tari­at als Losun­gen dienen, denn das sind nur die zwei Gesichter ein und der­sel­ben Medaille. Gegen die Teuerung, die mit dem Her­an­na­hen des Krieges einen immer zügel­loseren Charak­ter annehmen wird, kann man nur kämpfen mit der Losung der Glei­t­en­den Lohn­skala. Die Tar­ifverträge müssen die automa­tis­che Erhöhung der Löhne gle­ich­laufend mit den Preis­steigerun­gen der Ver­brauchs­güter garantieren. Will es sich nicht selb­st dem Unter­gang aus­liefern, dann darf das Pro­le­tari­at nicht dulden, daß ein wach­sender Teil der Arbeit­er­schaft zu chro­nisch Arbeit­slosen, zu Elen­den gemacht wird, die von den Krümeln ein­er sich zer­set­zen­den Gesellschaft leben. Das Recht auf Arbeit ist das einzig ern­sthafte Recht, das der Arbeit­er in ein­er auf Aus­beu­tung begrün­de­ten Gesellschaft besitzt. Ihm wird jedoch in jedem Augen­blick dieses Recht genom­men. Gegen die Arbeit­slosigkeit – sowohl die struk­turelle wie die kon­junk­turelle – ist es an der Zeit, neben der Parole der öffentlichen Arbeit­en die Losung der Glei­t­en­den Skala der Arbeit­szeit auszugeben. Die Gew­erkschaften und andere Massenor­gan­i­sa­tio­nen müssen diejeni­gen, die Arbeit haben, und diejeni­gen, die keine haben, durch die gegen­seit­ige Verpflich­tung zur Sol­i­dar­ität verbinden. Auf dieser Basis muß die ver­füg­bare Arbeit unter alle vorhan­de­nen Arbeit­skräfte aufgeteilt und so die Dauer der Arbeitswoche bes­timmt wer­den. Der Durch­schnittslohn jedes Arbeit­ers bleibt der gle­iche wie bei der bish­eri­gen Arbeitswoche. Der Lohn, mit einem fest garantierten Min­i­mum, fol­gt der Bewe­gung der Preise. Kein anderes Pro­gramm ist für die jet­zige Peri­ode der Katas­tro­phen annehm­bar. Die Besitzen­den und ihre Anwälte wer­den die „Unmöglichkeit der Ver­wirk­lichung“ dieser Forderun­gen dar­legen. Die Kap­i­tal­is­ten von gerin­ger­er Statur, ins­beson­dere diejeni­gen, die dem Ruin ent­ge­genge­hen, wer­den außer­dem auf ihre Buch­führung ver­weisen. Die Arbeit­er wer­den kat­e­gorisch diese Argu­mente und Empfehlun­gen abweisen. Es han­delt sich nicht um den „nor­malen“ Zusam­men­stoß ent­ge­genge­set­zter materieller Inter­essen. Es geht darum, das Pro­le­tari­at vor Ver­fall, Demor­al­isierung und Ruin zu bewahren. Es geht um Leben und Tod der einzig schöpferischen und fortschrit­tlichen Klasse und damit um die Zukun­ft der Men­schheit selb­st. Wenn der Kap­i­tal­is­mus unfähig ist, die Forderun­gen zu befriedi­gen, die unauswe­ich­lich aus den Übeln her­vorge­hen, die er selb­st erzeugt hat, dann soll er unterge­hen! Die „Möglichkeit“ oder „Unmöglichkeit“, diese Forderun­gen zu ver­wirk­lichen, ist hier­bei eine Frage des Kräftev­er­hält­niss­es, die nur durch den Kampf gelöst wer­den kann. Auf der Grund­lage dieses Kampfes wer­den die Arbeit­er – was auch immer seine unmit­tel­baren prak­tis­chen Erfolge sein mögen – am besten die Notwendigkeit begreifen, die kap­i­tal­is­tis­che Sklaverei zu liq­ui­dieren.

Die Gew­erkschaften in der Über­gangse­poche

Im Kampf für die Teil- und Über­gangs­forderun­gen benöti­gen die Arbeit­er mehr denn je Massenor­gan­i­sa­tio­nen, vor allem Gew­erkschaften. Der mächtige Anstieg der Gew­erkschaften in Frankre­ich und den Vere­inigten Staat­en ist die beste Antwort an die ultra­linken Dok­trinäre der Pas­siv­ität, die gepredigt haben, die Gew­erkschaften seien „über­holt“. Die Bolschewi­ki-Lenin­is­ten ste­hen in der vorder­sten Rei­he aller Kämpfe der ver­schieden­sten For­men, selb­st wenn es sich um die beschei­den­sten materiellen Inter­essen oder demokratis­chen Rechte der Arbeit­erk­lasse han­delt. Sie nehmen aktiv teil am Leben der Mas­sen­gew­erkschaften und bemühen sich, sie zu stärken und ihren Kampfgeist zu erhöhen. Sie kämpfen unver­söhn­lich gegen jeglichen Ver­such, die Gew­erkschaften dem bürg­er­lichen Staat zu unter­w­er­fen und das Pro­le­tari­at durch die „Zwangss­chlich­tung“ und alle anderen For­men polizeilich­er Inter­ven­tion zu binden, und zwar nicht nur der faschis­tis­chen, son­dern auch „demokratis­chen“. Nur auf der Grund­lage dieser Arbeit ist es möglich, inner­halb der Gew­erkschaften mit Erfolg gegen die reformistis­che Bürokratie zu kämpfen, ins­beson­dere gegen die stal­in­is­tis­che Bürokratie. Die sek­tiererischen Ver­suche, kleine „rev­o­lu­tionäre“ Gew­erkschaften aufzubauen oder aufrechtzuer­hal­ten als eine zweite Aus­gabe der Partei, bedeutet in Wirk­lichkeit den Verzicht auf den Kampf um die Führung der Arbeit­erk­lasse. Hier muß als unum­stößlich­er Grund­satz gel­ten: die kapit­ulierende Selb­sti­solierung außer­halb der Mas­sen­gew­erkschaften, gle­ichbe­deu­tend mit dem Ver­rat der Rev­o­lu­tion, ist unvere­in­bar mit der Zuge­hörigkeit zur IV. Inter­na­tionale. Zugle­ich ver­wirft und verurteilt die IV. Inter­na­tionale entsch­ieden jeglichen Gew­erkschafts­fetis­chis­mus, wie er gle­icher­maßen Trade­u­nion­is­ten und Syn­dikalis­ten eigen ist:

  1. Die Gew­erkschaften haben kein vol­lkommenes rev­o­lu­tionäres Pro­gramm und kön­nen es angesichts ihrer Auf­gaben, ihrer Zusam­menset­zung und der Art und Weise ihrer Mit­glieder­auf­nahme auch gar nicht haben; deshalb kön­nen sie die Partei nicht erset­zen. Der Auf­bau nationaler rev­o­lu­tionär­er Parteien als Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale ist die zen­trale Auf­gabe der Über­gangse­poche.
  2. Die Gew­erkschaften, selb­st die mächtig­sten, umfassen nicht mehr als 20-25% der Arbeit­erk­lasse und im übri­gen nur ihre qual­i­fiziertesten best­bezahlten Schicht­en. Die am meis­ten unter­drück­te Mehrheit der Arbeit­erk­lasse wird nur episodisch in den Kampf hineinge­zo­gen, in den Peri­o­den eines außergewöhn­lichen Auf­schwungs der Arbeit­er­be­we­gung. Denn muß man darange­hen, ad hoc – der Notwendigkeit des Augen­blicks entsprechende – Organ­i­sa­tio­nen zu schaf­fen, die die gesamte Masse im Kampf umfassen: die Streikauss­chüsse, die Fab­rikkomi­tees und schließlich die Sow­jets.
  3. Als Organ­i­sa­tio­nen der oberen Schicht­en des Pro­le­tari­ats entwick­eln die Gew­erkschaften, wie es die gesamte his­torische Erfahrung – ein­schließlich der noch ganz frischen Erfahrung der anar­cho-syn­dikalis­tis­chen Gew­erkschaften Spaniens – bezeugt, mächtige Ten­den­zen zur Ver­söh­nung mit dem demokratisch-bürg­er­lichen Regime. In Peri­o­den zuge­spitzter Klassenkämpfe bemühen sich die Gew­erkschaften krampfhaft, der Massen­be­we­gung Herr zu wer­den, um sie zu neu­tral­isieren. Das geschieht schon bei ein­fachen Streiks, wieviel mehr bei Massen­streiks mit Fab­rikbe­set­zun­gen. In Zeit­en des Krieges oder der Rev­o­lu­tion, wenn die Lage der Bour­geoisie beson­ders schwierig wird, steigen die Gew­erkschafts­führer gewöhn­lich zu bürg­er­lichen Min­is­tern auf.

Deshalb müssen sich die Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale ständig bemühen, nicht nur den Gew­erkschaft­sap­pa­rat zu erneuern, in dem sie in kri­tis­chen Augen­blick­en anstelle der rou­tinierten Funk­tionäre Kar­ri­eris­ten mutig und entschlossen neue kämpferische Führer vorschla­gen, son­der auch über­all da, wo es möglich ist, eigen­ständi­ge Kamp­for­gan­i­sa­tio­nen zu schaf­fen, die bess­er den Auf­gaben des Kampfes der Massen gegen die bürg­er­liche Gesellschaft entsprechen, sie dür­fen not­falls auch nicht davor halt­machen, mit dem kon­ser­v­a­tiv­en Gew­erkschaft­sap­pa­rat offen zu brechen. Wenn es ver­brecherisch ist, den Massenor­gan­i­sa­tio­nen den Rück­en zu kehren, um sich mit sek­tiererischen Fik­tio­nen zu beg­nü­gen, so ist es nicht weniger ver­brecherisch, pas­siv die Unterord­nung der rev­o­lu­tionären Massen­be­we­gung unter die Kon­trolle der offen reak­tionären oder ver­hüllt kon­ser­v­a­tiv­en („pro­gres­siv­en“) bürokratis­chen Cliquen zu dulden. Die Gew­erkschaft ist kein Ziel an sich, son­dern nur eines der Mit­tel auf dem Weg zur pro­le­tarischen Rev­o­lu­tion.

Die Fab­rikkomi­tees

Die Arbeit­er­be­we­gung der Über­gangse­poche hat keinen regelmäßi­gen und gle­ich­för­mi­gen, son­dern einen fieber­haften und explo­siv­en Charak­ter. Die Losun­gen sowie die Organ­i­sa­tions­for­men müssen diesem Charak­ter der Bewe­gung unter­ge­ord­net wer­den. Die Rou­tine wie die Pest ver­ab­scheuend muß die Führung auf die Ini­tia­tive der Massen mit höch­ster Sen­si­bil­ität antworten. Die Streiks mit Fab­rikbe­set­zun­gen, eine der jüng­sten Äußerun­gen dieser Ini­tia­tive, spren­gen die Gren­zen der „nor­malen“ kap­i­tal­is­tis­chen Herrschaft. Unab­hängig von den Forderun­gen der Streik­enden ver­set­zt die zeitweilige Beset­zung der Unternehmen dem Götzen­bild des kap­i­tal­is­tis­chen Eigen­tums einen schw­eren Schlag. Jed­er Beset­zungsstreik stellt prak­tisch die Frage, wer der Herr in der Fab­rik ist: der Kap­i­tal­ist oder die Arbeit­er. Wenn der Beset­zungsstreik diese Frage vorüberge­hend stellt, so gibt das Fab­rikkomi­tee der­sel­ben Frage einen organ­isierten Aus­druck. Von allen Arbeit­ern und Angestell­ten des Betriebes gewählt, schafft das Fab­rikkomi­tee mit einem Schlag ein Gegengewicht gegen den Willen der Ver­wal­tung. Dem reformistis­chen Kri­tizis­mus an den Bossen alten Schlags wie Ford – jenen, die man die „Unternehmer von Gottes Gnaden“ nen­nt und denen sie die „guten demokratis­chen“ Aus­beuter ent­ge­gen­hal­ten – stellen wir die Losung der Fab­rikkomi­tees als Zen­tren des Kampfes gegen die eine wie die andere Sort ent­ge­gen. Die Gew­erkschafts­bürokrat­en wer­den sich in der Regel der Bil­dung von Fab­rikkomi­tees wider­set­zen, eben­so wie sie sich jedem küh­nen Schritt auf dem Weg zu Mobil­isierung der Massen ent­ge­gen­stellen wer­den. Es wird jedoch um so leichter sein, ihren Wider­stand zu brechen, je weit­er die Bewe­gung um sich greift. Dort, wo die Arbeit­er des Betriebes bere­its in den „ruhi­gen“ Zeit­en voll­ständig in der Gew­erkschaft organ­isiert sind (closed shop), wird das Komi­tee for­mal mit dem Gew­erkschaft­sor­gan zusam­men­fall­en, aber seine Zusam­menset­zung erneuern, und seinen Wirkungs­bere­ich erweit­ern. Die zen­trale Bedeu­tung des Komi­tees liegt jedoch darin, im Kampf einen Gen­er­al­stab zu bilden für diejeni­gen Arbeit­er­schicht­en, die gewöhn­lich von der Gew­erkschaft nicht erfaßt wer­den. Es wer­den ger­ade aus diesen beson­ders aus­ge­beuteten Schicht­en die der Rev­o­lu­tion ergeben­sten Trup­pen her­vorge­hen. Sobald ein solch­es Komi­tee entste­ht, ergibt sich in der Fab­rik tat­säch­lich eine Sit­u­a­tion der Dop­pel­herrschaft. Ihrem Wesen nach ist diese Dop­pel­herrschaft eine Über­gangssi­t­u­a­tion, denn sie schließt zwei unver­söhn­liche Herrschafts­for­men in sich ein: das kap­i­tal­is­tis­che und das pro­le­tarische Regime. Die grund­sät­zliche Bedeu­tung der Fab­rikkomi­tees beste­ht genau darin, eine vor­rev­o­lu­tionäre wenn nicht gar rev­o­lu­tionäre Peri­ode zwis­chen der bürg­er­lichen und der pro­le­tarischen Herrschaft zu eröff­nen. Das die Pro­pa­gan­da für die Fab­rikkomi­tees wed­er ver­früht noch kün­stlich ist, bezeugt am deut­lich­sten die Welle der Fab­rikbe­set­zun­gen, die über eine Rei­he von Län­dern hin­wegge­gan­gen ist. Weit­ere Wellen dieser Art sind in naher Zukun­ft unauswe­ich­lich. Es ist notwendig, rechtzeit­ig eine Kam­pagne für die Fab­rikkomi­tees zu begin­nen, um nicht von den Ereignis­sen unvor­bere­it­et über­rascht zu wer­den.

Das „Geschäfts­ge­heim­nis“ und Arbeit­erkon­trolle über die Indus­trie

Der lib­erale Kap­i­tal­is­mus, der auf der freien Konkur­renz und der Han­dels­frei­heit beruhte, ist weit in der Ver­gan­gen­heit ver­sunken. Der monop­o­lis­tis­che Kap­i­tal­is­mus, der an seine Stelle ger­at­en ist, hat nicht nur die Anar­chie des Mark­tes eingeschränkt, son­dern ihr im Gegen­teil sog­ar einen beson­ders krampfhaften Charak­ter ver­liehen. Die Notwendigkeit ein­er „Kon­trolle“ über die Wirtschaft, ein­er staatlichen „Führung“, ein­er „Pla­nung“ wird nun­mehr – zumin­d­est in Worten – von fast allen bürg­er­lichen und klein­bürg­er­lichen Denkrich­tun­gen anerkan­nt, vom Faschis­mus bis hin zur Sozialdemokratie. Für die Faschis­ten han­delt es sich vor allem um eine „geplante“ Plün­derung des Volkes für mil­itärische Zwecke. Die Sozialdemokrat­en ver­suchen, den Ozean der Anar­chie mit dem Löf­fel ein­er bürokratis­chen „Pla­nung“ auszuschöpfen. Inge­nieure und Pro­fes­soren schreiben Artikel über die „Tech­nokratie“. Die demokratis­chen Regierun­gen stoßen bei ihren feigen Ver­suchen der „Reg­ulierung“ auf die unüber­windliche Sab­o­tage des Großkap­i­tals. Die wahre Beziehung zwis­chen Aus­beutern und demokratis­chen „Kon­trolleuren“ enthüllt am deut­lich­sten die Tat­sache, daß die Her­ren „Reformer“ – gepackt vom Schauer heiliger Ehrfurcht – vor der Schwelle der Trusts mit ihre indus­triellen und geschäftlichen „Geheimnis­sen“ halt­machen. Hier herrscht der Grund­satz der „Nichtein­mis­chung“. Die Rech­nungsle­gung zwis­chen dem einzel­nen Kap­i­tal­is­ten und der Gesellschaft bleibt das Geheim­nis des Kap­i­tal­is­ten: die Gesellschaft geht das nichts an. Das Geschäfts­ge­heim­nis wird noch heute mit den Erfordernissen der „Konkur­renz“ gerecht­fer­tigt – wie in der Epoche des lib­eralen Indus­triekap­i­tal­is­mus. In Wirk­lichkeit haben die Trusts keine Geheimnisse vor­einan­der. In der gegen­wär­ti­gen Epoche ist das Geschäfts­ge­heim­nis eine ständi­ge Ver­schwörung des Monopolka­p­i­tals gegen die Gesellschaft. Die Pläne zur Beschränkung des Abso­lutismus der „Unternehmer von Gottes Gnaden“ bleiben klägliche Farcen, solange die Pri­vateigen­tümer der gesellschaftlichen Pro­duk­tion­s­mit­tel den Erzeugern und Ver­brauch­ern die Mech­a­nis­men der Aus­beu­tung, der Plün­derung und des Betrugs ver­ber­gen kön­nen. Die Aufhe­bung des „Geschäfts­ge­heimniss­es“ ist der erste Schütt zu ein­er wirk­lichen Kon­trolle über die Indus­trie. Die Arbeit­er sind nicht weniger berechtigt als die Kap­i­tal­is­ten, die „Geheimnisse“ des Betriebs, des Trusts, des Indus­triezweigs, der gesamten Volk­swirtschaft zu ken­nen. Die Banken, die Schw­erindus­trie und das zen­tral­isierte Trans­portwe­sen müssen als erstes unter die Lupe genom­men wer­den. Die ersten Auf­gaben der Arbeit­erkon­trolle beste­hen darin, das Einkom­men und den Koste­naufwand der Gesellschaft aufzuhellen, ange­fan­gen beim einzel­nen Unternehmer; den wirk­lichen Anteil des Einzelka­p­i­tal­is­ten und aller Aus­beuter in ihrer Gesamtheit am Nationaleinkom­men zu bes­tim­men; die Kulis­senschiebereien und den Schwindel der Banken und Trusts bloßzustellen und schließlich, vor den Augen der Gesellschaft, die gewis­senlose Vergeudung men­schlich­er Arbeit­skraft zu enthüllen, die das Ergeb­nis kap­i­tal­is­tis­ch­er Anar­chie und Prof­it­jagd ist. Kein Beamter des bürg­er­lichen Staates kann diese Auf­gabe durch­führen, welche Voll­macht­en man ihm auch geben mag. Die ganze Welt hat die Ohn­macht Präsi­dent Roo­sevelts und des Min­is­ter­präsi­den­ten Leon Blum gegenüber der Ver­schwörung der „60“ oder der „200“ Fam­i­lien miter­lebt. Um den Wider­stand der Arbeit­er zu brechen, bedarf es des Drucks von seit­en des Pro­le­tari­ats. Die Fab­rikkomi­tees, und nur sie, kön­nen eine wirk­liche Kon­trolle über die Pro­duk­tion garantieren, indem sie die ehrlichen und dem Volk ergebe­nen Fach­leute – als Berater und nicht als „Tech­nokrat­en“ – her­anziehen: Buch­hal­ter, Sta­tis­tik­er, Inge­nieure, Wis­senschaftler usw. Ins­beson­dere ist der Kampf gegen die Arbeit­slosigkeit nicht denkbar ohne eine bre­ite und kühne Organ­isierung großer öffentlich­er Arbeit­en. Aber die öffentlichen Arbeit­en kön­nen nur dann eine dauer­hafte und fortschrit­tliche Bedeu­tung haben, sowohl klar die Gesellschaft wie für die Arbeit­slosen selb­st, wenn sie Teil eines all­ge­meinen Plans sind, der für eine Rei­he von Jahren ent­wor­fen ist. Im Rah­men eines solchen Plans wer­den die Arbeit­er die Wieder­auf­nahme der Arbeit in den infolge der Krise geschlosse­nen pri­vat­en Betrieben auf Kosten der Gesellschaft fordern. In diesen Fällen wird die Arbeit­erkon­trolle ein­er unmit­tel­baren Ver­wal­tung durch die Arbeit­er Platz machen. Die Ausar­beitung eines Wirtschaft­s­plans, selb­st des ele­men­tarsten, – vom Stand­punkt der Arbei­t­er­in­ter­essen und nicht der Aus­beuter – ist undenkbar ohne Arbeit­erkon­trolle, ohne die Ein­sicht­nahme des Arbeit­en in alle offe­nen und geheimen Branchen der kap­i­tal­is­tis­chen Ökonomie. Die Komi­tees der ver­schiede­nen Unternehmen müssen auf entsprechen­den Kon­feren­zen neue Auss­chüsse wählen, die jew­eils die Trusts, die Indus­triezweige, die Wirtschafts­ge­bi­ete und schließlich die nationale Indus­trie in ihrer Gesamtheit umfassen. So wird die Arbeit­erkon­trolle zur Schule der Plan­wirtschaft. Durch die Erfahrung der Kon­trolle bere­it­et sich das Pro­le­tari­at darauf vor, unmit­tel­bar die Führung der nation­al­isierten Indus­trie zu übernehmen, wenn die Stunde dafür geschla­gen hat. Den Kap­i­tal­is­ten, vor allem denen kleiner­er und mit­tlerer Statur, die gele­gentlich selb­st anbi­eten, den Arbeit­ern ihre Buch­führung darzule­gen – vor allem, um ihnen die Notwendigkeit ein­er Lohnkürzung zu beweisen – wer­den die Arbeit­er antworten, daß sie die Buch­führung von einzel­nen ange­hen­den oder voll­ständi­gen Bankrottmach­ern nicht inter­essiert, son­dern nur die Buch­führung aller Aus­beuter. Die Arbeit­er kön­nen und wollen ihren Lebens­stan­dard nicht den Erfordernissen einzel­ner Kap­i­tal­is­ten anpassen, die ihrem eige­nen Sys­tem zum Opfer gefall­en sind. Die. Auf­gabe beste­ht darin, das ganze Pro­duk­tions- und Verteilungssys­tem auf rationelleren und würdi­geren Grund­la­gen zu reor­gan­isieren. Wie die Aufhe­bung des Geschäfts­ge­heimnisse die notwendi­ge Bedin­gung der Arbeit­erkon­trolle ist, so ist diese Kon­trolle der erste Schritt auf dem Wege zu sozial­is­tis­chen Lenkung der Wirtschaft.

Die Enteig­nung bes­timmter Grup­pen von Kap­i­tal­is­ten

Das sozial­is­tis­che Pro­gramm der Enteig­nung – d. h. des poli­tis­chen Sturzes der Bour­geoisie und der Besei­t­i­gung ihrer wirtschaftlichen Herrschaft – darf uns auf keinen Fall in der gegen­wär­ti­gen Über­gangspe­ri­ode, wenn die Gele­gen­heit sich bietet, davon abhal­ten zu fordern, daß bes­timmte Indus­triezweige, die für die nationale Exis­tenz am wichtig­sten sind, oder bes­timmte Grup­pen der Bour­geoisie, die am par­a­sitärsten sind, enteignet wer­den. So stellen wir den wim­mern­den Predigten der Her­ren Demokrat­en über die Dik­tatur der „60“ Fam­i­lien in den Vere­inigten Staat­en oder der „200“ Fam­i­lien in Frankre­ich die Forderung nach Enteig­nung dieser 60 oder 200 Feu­dalka­p­i­tal­is­ten ent­ge­gen. Genau­so fordern wir die Enteig­nung der monop­o­lis­tis­chen Gesellschaften der Kriegsin­dus­trie, der Eisen­bah­nen, der wichtig­sten Rohstof­fquellen usw. Der Unter­schied zwis­chen diesen Forderun­gen und der ver­wasch­enen reformistis­chen Losung der „Nation­al­isierung“ beste­ht in fol­gen­dem:

  1. Wir lehnen die Entschädi­gung ab;
  2. Wir war­nen die Massen vor den Schar­la­ta­nen der Volks­front, die zwar ein Lip­pen­beken­nt­nis für die Nation­al­isierung abgeben, in Wirk­lichkeit aber Agen­ten des Kap­i­tals bleiben;
  3. Wir rufen die Massen dazu auf, nur auf ihre rev­o­lu­tionäre Kraft zu ver­trauen;
  4. Wir verbinden die Frage der Enteig­nung mit der Frage der Arbeit­er und Bauern­macht.

Die Notwendigkeit, die Losung der Enteig­nung in der täglichen Agi­ta­tion, und demzu­folge bruch­stück­haft, und nicht nur von einem pro­pa­gan­dis­tis­chen Gesicht­spunkt aus unter ihrer ver­all­ge­mein­erten Form auszugeben, ergibt sich aus der Tat­sache, daß die ver­schiede­nen Indus­triezweige unter­schiedliche Entwick­lungsstufen erre­icht haben, im Leben der Gesellschaft von unter­schiedlich­er Bedeu­tung sind und unter­schiedliche Sta­di­en im Klassenkampf durch­laufen. Nur der all­ge­meine rev­o­lu­tionäre Auf­schwung des Pro­le­tari­ats kann die all­ge­meine Enteig­nung der Bour­geoisie auf die Tage­sor­d­nung set­zen. Es ist Ziel der Über­gangs­forderun­gen, daß Pro­le­tari­at auf die Lösung dieses Prob­lems vorzu­bere­it­en.

Die Enteig­nung der Pri­vat­banken und die Ver­staatlichung des Kred­it­sys­tems

Der Impe­ri­al­is­mus bedeutet die Herrschaft des Finanzkap­i­tals. Neben den Konz­er­nen und Trusts, und oft über ihnen, konzen­tri­eren die Banken in ihren Hän­den die wirk­liche Befehls­ge­walt über die Wirtschaft. In ihrer Struk­tur spiegeln die Ban­den in konzen­tri­ert­er Form die ganze Struk­tur des heuti­gen Kap­i­tal­is­mus wider: sie verbinden die Ten­den­zen zur Monopolbil­dung mit den Ten­den­zen zur Anar­chie. Sie organ­isieren tech­nis­che Wun­der, gigan­tis­che Unternehmen, mächtige Trusts, und sie organ­isieren auch die Teuerung, die Krisen und die Arbeit­slosigkeit. Unmöglich, auch nur einen ern­sthaften Schritt vor­wärts zu tun im Kampf gegen die Despotie der Mono­pole und die kap­i­tal­is­tis­che Anar­chie (die sich gegen­seit­ig in ihrem Zer­störungswerk ergänzen), wenn man die Steuer­hebel der Banken in den Hän­den raubgieriger Finanz­mag­nat­en beläßt. Um ein ein­heitlich­es Investi­tions- und Kred­it­sys­tem zu schaf­fen, das nach einem rationellen Plan arbeit­et, der den Bedürfnis­sen des ganzen Volkes entspricht, muß man alle Banken in ein­er einzi­gen nationalen Insti­tu­tion zusam­men­fassen. Erst die Enteig­nung der Pri­vat­banken und Vere­ini­gung des Kred­it­sys­tems in Staat­s­hand ver­schaf­fen dem Staat die notwendi­gen, wirk­samen – und d. h. materiellen und nicht nur erdacht­en bürokratis­chen – Mit­tel für die wirtschaftliche Pla­nung. Die Enteig­nung der Banken bedeutet auf keinen Fall die Enteig­nung der kleinen Bankein­la­gen. Im Gegen­teil: für die kleinen Spar­er kann die Vere­inigte Staats­bank gün­stigere Bedin­gun­gen schaf­fen als die Pri­vat­banken. Eben­so kann nur die Staats­bank den Bauern, den Handw­erk­ern und kleinen Kau­fleuten bevorzugten, d. h. bil­li­gen Kred­it ver­schaf­fen. Wichtiger aber ist noch, daß die ganze Wirtschaft, vor allem die Schw­erindus­trie und die Trans­porte, – von einem einzi­gen Finanzstab geführt – den grundle­gen­den Bedürfnis­sen der Arbeit­er und aller anderen Werk­täti­gen dienen wird. Die Ver­staatlichung der Banken bringt jedoch nur dann diese gün­sti­gen Ergeb­nisse, wenn die Staats­macht selb­st aus den Hän­den der Aus­beuter voll­ständig in die Hände der Arbeit­er überge­ht.

Streik­posten – Vertei­di­gungskom­man­dos – Arbeit­er­miliz – Die Bewaffnung des Pro­le­tari­ats

Die Streiks mit Fab­rikbe­set­zun­gen sind eine sehr ern­ste War­nung der Massen an die Adresse nicht nur der Bour­geoisie, son­der auf der Arbeit­eror­gan­i­sa­tio­nen, ein­schließlich der IV. Inter­na­tionale. 1919-1920 beset­zten die ital­ienis­chen Arbeit­er aus eigen­er Ini­tia­tive die Betriebe und zeigten damit ihren eige­nen „Führern“ die Ankun­ft der sozialen Rev­o­lu­tion. Die „Führer“ beachteten das Zeichen nicht. Der Sieg des Faschis­mus war das Resul­tat. Die Beset­zungsstreik sind noch keine Inbe­sitz­nahme der Fab­riken nach ital­ienis­ch­er Art, aber sie stellen einen entschei­den­den Schütt auf diesem Weg dar. Die aktuelle Krise kann den Rhyth­mus des Klassenkampfes bis zu einem Höhep­unkt zus­pitzen und die Entschei­dung beschle­u­ni­gen. Man darf jedoch nicht glauben, daß eine rev­o­lu­tionäre Sit­u­a­tion auf einen Schlag entste­ht. In Wirk­lichkeit wird ihr Her­an- nahen durch eine Rei­he von gewalti­gen Unruhen gekennze­ich­net sein. Die Streik­welle mit Fab­rikbe­set­zun­gen ist eines dieser Vorze­ichen. Es ist die Auf­gabe der Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale, der pro­le­tarischen Vorhut zu helfen, den all­ge­meinen Charak­ter und die Bewe­gungsabläufe unser­er Epoche zu ver­ste­hen und rechtzeit­ig den Kampf der Massen durch immer entsch­iedenere Losun­gen und organ­isatorische Kampf­maß­nah­men zu befrucht­en. Die Ver­schär­fung des Kampfes des Pro­le­tari­ats bedeutet die Ver­schär­fung der Meth­o­d­en des Gege­nan­griffs von seit­en des Kap­i­tals. Die neuen Streik­wellen mit Fab­rikbe­set­zun­gen kön­nen und wer­den unauswe­ich­lich ener­gis­che Gegen­maß­nah­men der Bour­geoisie als Reak­tion her­vor­rufen. Die Vor­bere­itun­gen dazu wer­den schon jet­zt in den Gen­er­al­stäben der Trusts getrof­fen. Wehe den rev­o­lu­tionären Organ­i­sa­tio­nen, wehe dem Pro­le­tari­at, wenn sie wieder unvor­bere­it­et über­rascht wer­den und sich auf Impro­vi­sa­tio­nen ver­lassen! Die Bour­geoisie gibt sich nir­gend­wo mit der offiziellen Polizei und Armee zufrieden. In den Vere­inigten Staat­en unter­hält sie selb­st in „ruhi­gen“ Zeit­en paramil­itärische gelbe Streik­brech­er-Trup­pen und pri­vate bewaffnete Ban­den in den Fab­riken. Hinzu kom­men noch die Ban­den der amerikanis­chen Nazis. Die franzö­sis­che Bour­geoisie hat beim ersten Her­an­na­hen der Gefahr hal­ble­gale und ille­gale faschis­tis­che Abteilun­gen bis in die offizielle Armee hinein mobil­isiert. So braucht nur der Druck der englis­chen Arbeit­er wieder zuzunehmen, und schon ver­dop­peln, ver­dreifachen, verzehn­fachen sich die Ban­den Mosleys und begin­nen einen bluti­gen Kreuz­zug gegen die Arbeit­er. Die Bour­geoisie ist sich vol­lkom­men klar darüber, daß der Klassenkampf in der gegen­wär­ti­gen Epoche unauswe­ich­lich in einen Bürg­erkrieg umzuschla­gen dro­ht. Aus den Beispie­len Ital­iens, Deutsch­lands; Öster­re­ichs, Spaniens und ander­er Län­der haben die Mag­nat­en und Lakaien des Kap­i­tals viel mehr gel­ernt als die offiziellen Führer des Pro­le­tari­ats. Die Poli­tik­er der II. und III. Inter­na­tionale, des­gle­ichen die Gew­erkschafts­bürokrat­en schließen mit vollem Bewußt­sein die Augen vor der Pri­vatarmee der Bour­geoisie; son­st kön­nten sie nicht einen Tag lang ihr Bünd­nis mit der Bour­geoisie aufrechter­hal­ten. Die Reformis­ten häm­mern den Arbeit­ern sys­tem­a­tisch die Vorstel­lung ein, daß die hochheilige Demokratie dann am besten gesichert ist, wenn die Bour­geoisie bis an die Zähne bewaffnet ist und die Arbeit­er ent­waffnet. Es ist die Pflicht der IV. Inter­na­tionale, ein für alle­mal mit dieser unter­wür­fi­gen Poli­tik Schluß zu machen. Die klein­bürg­er­lichen Demokrat­en – ein­schließlich der Sozialdemokrat­en, Stal­in­is­ten und Anar­chis­ten – schreien um so lauter vom Kampf gegen den Faschis­mus, je feiger sie in Wirk­lichkeit vor ihm kapit­ulieren. Den Ban­den des Faschis­mus kön­nen erfol­gre­ich nur bewaffnete Arbeit­er­abteilun­gen stand­hal­ten, die die Unter­stützung von Mil­lio­nen Werk­täti­gen hin­ter ihrem Rück­en fehlen. Der Kampf gegen den Faschis­mus begin­nt nicht in der Redak­tion­sstube eines lib­eralen Blattes, son­dern in der Fab­rik und endet auf der Straße. Die Streik­brech­er und die Pri­vat­gen­dar­men in den Fab­riken sind die Grundzellen der Armee des Faschis­mus. Die Streik­posten sind die Grundzellen der Armee des Pro­le­tari­ats. Hier­von muß man aus­ge­hen. Bei jedem Streik und jed­er Straßen­demon­stra­tion muß man die Notwendigkeit propagieren, Arbeit­erkom­man­dos der Selb­stvertei­di­gung zu schaf­fen. Man muß diese Losung in das Pro­gramm des rev­o­lu­tionären Flügels der Gew­erkschaften ein­brin­gen. Man muß über­all, wo es möglich ist – ange­fan­gen bei den Jugen­dor­gan­i­sa­tio­nen – die Organ­isierung von Selb­stvertei­di­gungskom­man­dos prak­tisch in die Hand nehmen und sie im Gebrauch von Waf­fen üben. Der neue Auf­schwung der Massen­be­we­gung muß dazu dienen, nicht nur die Zahl dieser Ein­heit­en zu ver­größern, son­dern auch sie zu vere­in­heitlichen – nach Stadtvierteln, Städten und Regio­nen. Man muß dem berechtigten Haß der Arbeit­er auf die Gel­ben, die Gang­ster- und Faschis­ten­ban­den einen organ­isierten Aus­druck geben. Man muß die Losung der Arbeit­er­miliz aus­geben als der einzig ern­stzunehmenden Garantie für die Unver­let­zlichkeit der Arbeit­eror­gan­i­sa­tio­nen, ihrer Ver­samm­lun­gen und der Arbeit­er­presse. Nur eine sys­tem­a­tis­che, behar­rliche, uner­müdliche und mutige Arbeit in der Agi­ta­tion und Pro­pa­gan­da, die immer in Verbindung ste­hen muß mit der Erfahrung der Massen selb­st, kann aus ihrem Bewußt­sein die Gewohn­heit­en der Fügsamkeit und Pas­siv­ität vertreiben, helden­mütige Ein­heit­en von Kämpfern erziehen, die fähig sind, allen Arbeit­ern ein Beispiel zu geben; den Ban­den der Kon­ter­rev­o­lu­tion eine Rei­he von tak­tis­chen Nieder­la­gen beib­rin­gen; das Selb­st­be­wußt­sein der Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten stärken; den Faschis­mus in den Augen des Klein­bürg­er­tums zu diskred­i­tieren und der Eroberung der Macht durch das Pro­le­tari­at den Weg bah­nen. Engels definierte den Staat als „beson­dere For­ma­tion bewaffneter Men­schen“. Die Bewaffnung des Pro­le­tari­ats ist ein unab­d­ing­bar­er wesentlich­er Teil seines Befreiungskampfes. Wenn das Pro­le­tari­at es will, find­et es Mit­tel und Wege, sich zu bewaffnen. Auch auf diesem Gebi­et fällt die Führung natür­lich den Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale zu.

Das Bünd­nis der Arbeit­er und Bauern

Der Lan­dar­beit­er ist der Waf­fen­brud­er und Gefährte des Indus­triear­beit­ers auf dem Dorf. Sie bilden zwei Teile ein und der­sel­ben Klasse. Ihre Inter­essen sind nicht zu tren­nen. Das Pro­gramm der Über­gangs­forderun­gen der Indus­triear­beit­er ist (mit) Mod­i­fika­tio­nen) auch das Pro­gramm des Land­pro­le­tari­ats. Die Bauern (Farmer) repräsen­tieren eine andere Klasse: das ist das Klein­bürg­er­tum des Dor­fes. Das Klein­bürg­er­tum set­zt sich aus ver­schiede­nen Schicht­en zusam­men, von den Halbpro­le­tari­ern bis hin zu den Aus­beutern. Deshalb beste­ht die poli­tis­che Auf­gabe des Indus­triepro­le­tari­ats darin, den Klassenkampf in das Dorf zu tra­gen: nur so kann es seine Ver­bün­de­ten von seinen Fein­den tren­nen. Die Beson­der­heit­en der nationalen Entwick­lung eines jeden Lan­des find­en ihren schärf­sten Aus­druck in der Lage der Bauern und teil­weise in der des städtis­chen Klein­bürg­er­tums (Handw­erk­er und Kau­fleute), denn diese Klassen – wie stark sie zahlen­mäßig auch sein mögen – stellen im Grund Überbleib­sel vorkap­i­tal­is­tis­ch­er Pro­duk­tions­for­men dar. Die Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale müssen so konkret wie möglich Pro­gramme von Über­gangs­forderun­gen für die Bauern und das städtis­che Klein­bürg­er­tum ausar­beit­en, die den Bedin­gun­gen des jew­eili­gen Lan­des entsprechen. Die fort­geschrit­te­nen Arbeit­er müssen es ler­nen, den Fra­gen ihrer kün­fti­gen Ver­bün­de­ten klare und kor­rek­te Antworten zu geben. Solange der Bauer ein „unab­hängiger“ Klein­pro­duzent bleibt, braucht er bil­lige Kred­ite, erschwingliche Preise für Land­maschi­nen und Dänger, gün­stige Trans­portbe­din­gun­gen, eine reelle Organ­i­sa­tion für den Absatz land­wirtschaftlich­er Erzeug­nisse. Doch die Banken, die Trusts und die Kau­fleute plün­dern den Bauern von allen Seit­en. Nur die Bauern selb­st kön­nen mit Hil­fe der Arbeit­er diesem Raub Ein­halt gebi­eten. Es ist notwendig, daß Auss­chüsse der Klein­bauern gebildet wer­den, die gemein­sam mit den Arbeit­erkomi­tees und den Auss­chüssen der Bankangestell­ten die Kon­trolle der Trans­port-, Kred­it und Han­del­sop­er­a­tio­nen in die Hand nehmen, die die Land­wirtschaft betr­e­f­fen. In dem die Großbour­geoisie ver­logen die „maßlosen Forderun­gen“ der Arbeit­er hochspielt, benutzt sie die Frage der Waren­preise kün­stlich als Keil. den sie zwis­chen die Arbeit­er und Bauern eben­so wie zwis­chen die Arbeit­er und das Klein­bürg­er­tum der Städte treibt. Der Bauer, der Handw­erk­er, der kleine Händler kön­nen im Unter­schied zum Arbeit­er, zum Angestell­ten. zum kleinen Beamten keine Lohn­er­höhun­gen par­al­lel zum Ansteigen der Preise fordern. Der offizielle bürokratis­che Kampf gegen die Teuerung dient nur dazu, die Masse zu betrü­gen. Die Bauern, die Handw­erk­er, die Kau­fleute müssen sich jedoch in ihrer Eigen­schaft als Ver­brauch­er Hand in Hand mit den Arbeit­ern aktiv in die Preis­poli­tik ein­schal­ten. Auf das Gejam­mer der Kap­i­tal­is­ten über die Pro­duk­tions-, Trans­port- und Han­dels- kosten antworten die Ver­brauch­er: „Zeigt uns eure Buch­führung; wir ver­lan­gen die Kon­trolle über die Preis­poli­tik“. Die Organe dieser Kon­trolle müssen die Preisüberwachungsauss­chüsse sein, gebildet aus Delegierten der Fab­riken, der Gew­erkschaften, der Genossen­schaften, der Bauer­nor­gan­i­sa­tio­nen, der „kleinen Leute“ der Städte, der Haus­frauen usw. Auf diesem Wege wer­den die Arbeit­er den Bauern zeigen kön­nen, daß die wahre Ursache für die über­höht­en Preise nicht in den hohen Löh­nen liegt, son­dern in maßlosen Prof­iten der Kap­i­tal­is­ten und in den toten Kosten der kap­i­tal­is­tis­chen Anar­chie. Das Pro­gramm der Nation­al­isierung des Bodens und der Kollek­tivierung der Land­wirtschaft muß so gefaßt sein, daß daraus der Gedanke der Enteig­nung der Klein­bauern oder ihrer zwangsweisen Kollek­tivierung abso­lut aus­geschlossen bleibt. Der Bauer bleibt der Besitzer seines Stückchen Lan­des, solange er es für notwendig und möglich hält. Um in den Augen der Bauern das sozial­is­tis­che Pro­gramm wieder zu Ehren zu brin­gen, muß man unbarmherzig die stal­in­is­tis­chen Meth­o­d­en der Kollek­tivierung brand­marken, die von den Inter­essen der Bürokratie dik­tiert sind und nicht von denen der Bauern oder Arbeit­er. Die Expro­pri­a­tion der Expro­pri­a­teure bedeutet auch nicht die zwangsweise Enteig­nung der kleinen Handw­erk­er und der kleinen Landbe­sitzer. Im Gegen­teil, die Arbeit­erkon­trolle über die Banken und Trusts, erst recht die Nation­al­isierung dieser Unternehmen, kön­nen für das städtis­che Klein­bürg­er­tum unver­gle­ich­lich gün­stigere Kred­it-, Einkaufs- und Verkaufs­be­din­gun­gen schaf­fen als unter der uneingeschränk­ten Herrschaft der Mono­pole. An die Stelle der Abhängigkeit vom Pri­vatkap­i­tal wird die Abhängigkeit vom Staat treten, der seinen sozial schwachen Mitar­beit­ern und Vertretern gegenüber um so aufmerk­samer sein wird, je fes­ter die Werk­täti­gen selb­st den Staat in der Hand haben. Die prak­tis­che Teil­nahme der aus­ge­beuteten Bauern an der Kon­trolle der ver­schiede­nen Wirtschafts­bere­iche wird es den Bauern erlauben, selb­st zu entschei­den, ob sie es für gün­stiger hal­ten oder nicht, zur kollek­tiv­en Bear­beitung des Bodens überzuge­hen – in welchen Fris­ten und in welchem Umfang. Die Indus­triear­beit­er verpflicht­en sich, den Bauern auf diesem Wege ihre volle Unter­stützung zu geben: über die Gew­erkschaften, die Fab­rikkomi­tees und vor allem die Arbeit­er- und Bauern­regierung. Das Bünd­nis, welch­es das Pro­le­tari­at nicht den „Mit­telk­lassen“ im all­ge­meinen, son­dern den aus­ge­beuteten Schicht­en in Stadt und Land gegen alle Aus­beuter – ein­schließlich den­jeni­gen der „Mit­telk­lassen“ – vorschlägt, kann sich nicht auf Zwang grün­den, son­dern nur auf eine freie Vere­in­barung, die in einem beson­deren „Pakt“ bekräftigt wer­den muß. Bei diesem „Pakt“ han­delt es sich genau um das Pro­gramm der Über­gangs­forderun­gen, das bei­de Seit­en frei­willig angenom­men haben.

Der Kampf gegen Impe­ri­al­is­mus und Krieg

Die ganze Welt­lage und demzu­folge auch das innere poli­tis­che Leben der einzel­nen Län­der ste­hen unter der Dro­hung des Weltkriegs. Die bevorste­hende Katas­tro­phe durch­dringt schon die tief­sten Schicht­en der Men­schheit mit Angst. Die II. Inter­na­tionale wieder­holt ihre Poli­tik des Ver­rats von 1914 mit umso größer­er Zuver­sicht, als die „Kom­mu­nis­tis­che“ Inter­na­tionale jet­zt die erste Geige des Chau­vin­is­mus spielt. Kaum hat­te die Kriegs­ge­fahr eine konkrete Gestalt angenom­men, macht­en sich die Stal­in­is­ten zu den eifrig­sten Ver­fechtern der soge­nan­nten „Nationalen Vertei­di­gung“ und ließen dabei die bürg­er­lichen und klein­bürg­er­lichen Paz­i­fis­ten weit hin­ter sich. Von Poli­tik nehmen sie nur die faschis­tis­chen Län­der aus, d. h. diejeni­gen Län­dern, wo sie selb­st über­haupt keine Rolle spie­len. Der rev­o­lu­tionäre Kampf gegen den Krieg ruht somit alleine auf den Schul­tern der IV. Inter­na­tionale. Die Poli­tik der Bolschewi­ki-Lenin­is­ten in dieser Frage wurde in den pro­gram­ma­tis­chen The­sen des Inter­na­tionalen Sekre­tari­ats for­muliert, die noch heute ihre volle Gültigkeit besitzen(Die IV. Inter­na­tionale und der Krieg, 1. Mai 1934). Der Erfolg der rev­o­lu­tionären Partei wird in der näch­sten Peri­ode vor allem von ihrer Poli­tik in der Kriegs­frage abhän­gen. Eine kor­rek­te Poli­tik umfaßt zwei Ele­mente: die Uner­bit­tlichkeit gegenüber dem Impe­ri­al­is­mus und seinen Kriegen und die Fähigkeit sich auf die Erfahrung der Massen selb­st zu stützen. In der Kriegs­frage wird das Volk schlim­mer als in jed­er anderen Frage von der Bour­geoisie und ihren Agen­ten mit Hil­fe von Abstrak­tio­nen, Leer­formeln und pathetis­chen Phrasen irrege­führt. „Neu­tral­ität“, „Nationale Vertei­di­gung“, „Kampf gegen den Faschis­mus“ usw. Alle diese Formeln enthal­ten let­ztlich nichts anderes, als die Entschei­dung über Krieg und Frieden – d. h. das Schick­sal der Völk­er – in den Hän­den der Impe­ri­al­is­ten, ihrer Regierun­gen, ihrer Diplo­matie, ihrer Gen­er­al­stäbe mit all ihren Intri­gen und Anschlä­gen gegen die Völk­er zu bleiben habe. Die IV. Inter­na­tionale weist empört all diese Abstrak­tio­nen zurück, die bei den Demokrat­en die gle­iche Rolle spie­len wie „Ehre“, „Blut“, „Rasse“ bei den Faschis­ten. Aber Empörung genügt nicht. Es ist notwendig, mit Hil­fe ein­deutiger Kri­te­rien, geeigneter Parolen und Über­gangs­forderun­gen die Massen instand zu set­zen, den konkreten Tatbe­stand hin­ter diesen trügerischen Abstrak­tio­nen zu erken­nen. „Abrüs­tung“? Aber alles dreht sich um die Frage, wer ent­waffnet und wem die Waf­fen abgenom­men wer­den. Die einzige Form der Abrüs­tung, die den Krieg ver­hin­dern oder aufhal­ten kann, ist die Ent­waffnung der Bour­geoisie durch die Arbeit­er. Aber um die Bour­geoisie zu ent­waffnen, müssen die Arbeit­er selb­st bewaffnet sein. „Neu­tral­ität“? Aber das Pro­le­tari­at ist auf keinen Fall neu­tral in einem Krieg zwis­chen Japan und Chi­na oder zwis­chen Deutsch­land und der Sow­je­tu­nion. Bedeutet das die Vertei­di­gung Chi­nas und der Sow­je­tu­nion? Selb­stver­ständlich!, aber nicht durch die Ver­mit­tlung der Impe­ri­al­is­ten, die Chi­na und die Sow­je­tu­nion erdrosseln wür­den. „Vertei­di­gung des Vater­lan­des“? Aber unter dieser Abstrak­tion ver­ste­ht die Bour­geoisie die Vertei­di­gung ihrer Prof­ite und Plün­derun­gen. Wir sind dazu bere­it, das Vater­land gegen die aus­ländis­chen Kap­i­tal­is­ten zu vertei­di­gen, wenn wir zuvor unseren eige­nen Kap­i­tal­is­ten die Hände gebun­den haben und sie daran hin­dern, das Vater­land ander­er anzu­greifen; wenn die Arbeit­er und Bauern unseres Lan­des seine wirk­lichen Her­ren wer­den; wenn die Reichtümer des Lan­des aus den Hän­den ein­er ver­schwinden­den Min­der­heit in die Hände des Volkes überge­hen; wenn die Armee aus dem Werkzeug der Aus­beuter zum Werkzeug der Aus­ge­beuteten wird. Man muß diese Grund­sätze in einzelne konkrete Gedanken zu über­set­zen ver­ste­hen, die dem Ver­lauf der Ereignisse sowie der Ori­en­tierung und dem Bewußt­seins­grad der Massen entsprechen. Außer­dem muß man streng unter­schei­den zwis­chen dem Paz­i­fis­mus des Diplo­mat­en, des Pro­fes­sors, des Jour­nal­is­ten und dem Paz­i­fis­mus des Zim­mer­manns, des Lan­dar­beit­ers und der Wäscherin. Im ersten Fall ist der Paz­i­fis­mus nichts anderes als der Deck­man­tel des Impe­ri­al­is­mus; im zweit­en der ver­wor­rene Aus­druck des Miß­trauens gegenüber dem Impe­ri­al­is­mus. Wenn ein Klein­bauer oder Arbeit­er von der Vertei­di­gung des Vater­lan­des spricht, denkt er dabei an die Vertei­di­gung seines Haus­es, sein­er Fam­i­lie und der Fam­i­lien ander­er gegen Inva­sion, gegen Bomben, gegen Gift­gase. Der Kap­i­tal­ist und sein Jour­nal­ist ver­ste­hen unter Vertei­di­gung des Vater­lan­des die Eroberung von Kolonien und Märk­ten, die Aus­dehnung des „nationalen“ Anteils am Wel­teinkom­men durch Plün­derung. Der bürg­er­liche Paz­i­fis­mus und Patri­o­tismus sind reine Lüge. Im Paz­i­fis­mus und selb­st im Patri­o­tismus der Unter­drück­ten sind Ele­mente enthal­ten, die ein­er­seits den Haß gegen zer­störerischen Krieg und ander­er­seits ihre Anhänglichkeit an das, was sie für ihre Habe hal­ten, aus­drück­en und die man erfassen muß, um daraus die notwendi­gen rev­o­lu­tionären Kon­se­quen­zen zu ziehen. Man muß diese bei­den For­men des Paz­i­fis­mus und des Patri­o­tismus einan­der gegenüber stellen. Aus­ge­hend von diesen Über­legun­gen unter­stützt die IV. Inter­na­tionale jede selb­st unzure­ichende Forderung, wenn sie geeignet ist, auch nur zu einem gerin­gen Grad die Massen in die aktive Poli­tik hineinzuziehen, ihre Kri­tik zu weck­en und ihre Kon­trolle über die Machen­schaften der Bour­geoisie zu ver­stärken. In diesem Sinne unter­stützt unsere amerikanis­che Sek­tion zum Beispiel kri­tisch den Vorschlag, einen Volk­sentscheid über die Frage der Kriegserk­lärung durchzuführen. Keine demokratis­che Reform an sich kann selb­stver­ständlich die Herrschen­den daran hin­dern, einen Krieg vom Zaun zu brechen, wann immer sie wollen. Davor muß man offen war­nen. Aber welche Illu­sio­nen auch die Massen bezüglich des Volk­sentschei­ds haben mögen, diese Forderung spiegelt das Miß­trauen der Arbeit­er und der Bauern gegenüber der Regierung und dem Par­la­ment wider. Ohne die Illu­sio­nen zu unter­stützen, aber auch ohne sie links liegen zu lassen, muß man mit allen Kräften das fortschre­i­t­ende Miß­trauen der Unter­drück­ten gegen die Unter­drück­er stärken. Je mächtiger die Bewe­gung für den Volk­sentscheid um sich greift, um so schneller tren­nen sich von ihr die bürg­er­lichen Paz­i­fis­ten, um so ein­deutiger wer­den sich die Ver­räter der „Kom­mu­nis­tis­chen“ Inter­na­tionale bloßgestellt sehen, umso kraftvoller äußert sich das Miß­trauen der Werk­täti­gen gegen die Impe­ri­al­is­ten. Vom gle­ichen Gesicht­spunkt aus muß die Forderung nach dem Wahlrecht für Män­ner und Frauen ab 18 Jahren vorge­bracht wer­den. Wen man mor­gen dazu ruft, für das „Vater­land“ zu ster­ben, der muß das Recht haben, heute seine Stimme hören zu lassen. Der Kampf gegen den Krieg muß vor allem mit der rev­o­lu­tionären Mobil­isierung der Jugend begin­nen. Man muß das Prob­lem des Krieges von allen Seit­en beleucht­en, dabei aber immer den Aspekt her­ausstellen, unter dem die Massen jew­eils mit dem Krieg kon­fron­tiert sind. Der Krieg ist ein gigan­tis­ches kom­merzielles Unternehmen, vor allem für die Kriegsin­dus­trie. Deshalb sind die „200 Fam­i­lien“ die ersten Patri­oten und die haupt­säch­lichen Kriegstreiber. Die Arbeit­erkon­trolle über die Kriegsin­dus­trie ist der erste Schritt im Kampf gegen die Fab­rikan­ten des Krieges. Der Losung der Reformis­ten nach Besteuerung der Kriegs­gewinne set­zten wir die Losung ent­ge­gen: Beschlagnahme der Kriegs­gewinne und Enteig­nung der für den Krieg arbei­t­en­den Betriebe. Wo – wie in Frankre­ich die Kriegsin­dus­trie bere­its „nation­al­isiert“ ist, behält die Losung der Arbeit­erkon­trolle ihre volle Gel­tung: das Pro­le­tari­at ver­traut dem Staat der Bour­geoisie eben­sowenig wie dem einzel­nen Bour­geois.

  • Keinen Mann, keinen Groschen für die bürg­er­liche Regierung!
  • Kein Aufrüs­tung­spro­gramm, son­dern ein Pro­gramm öffentlich­er gemein­nütziger Arbeit­en!
  • Vol­lkommene Unab­hängigkeit der Arbeit­eror­gan­i­sa­tio­nen von mil­itärisch­er und polizeilich­er Kon­trolle!

Es muß ein für alle­mal die freie Entschei­dung über das Schick­sal der Völk­er den Hän­den der raubgieri­gen und uner­bit­tlichen impe­ri­al­is­tis­chen Cliquen entris­sen wer­den, die hin­ter dem Rück­en der Völk­er han­deln. In Übere­in­stim­mung damit fordern wir:

  • Voll­ständi­ge Abschaf­fung der Geheimdiplo­matie; alle Verträge und Übereinkün­fte müssen jedem Arbeit­er und Bauern zugänglich sein;
  • Mil­itärische Aus­bil­dung und Bewaffnung der Arbeit­er und Bauern unter der unmit­tel­baren Kon­trolle der Arbeit­er- und Bauernkomi­tees;
  • Schaf­fung von Mil­itärschulen für die Aus­bil­dung von Offizieren, die aus den Rei­hen der Arbeit­er­schaft kom­men und von den Arbeit­eror­gan­i­sa­tio­nen gewählt wer­den;
  • Erset­zung des ste­hen­den Heeres, d. h. der Armee der Kaser­nen, durch eine untrennbar mit den Fab­riken, Berg­w­erken, Bauern­höfen usw. ver­bun­dene Volksmiliz.

Der impe­ri­al­is­tis­che Krieg ist die Fort­set­zung und Ver­schär­fung der Raubpoli­tik der Bour­geoisie; der Kampf des Pro­le­tari­ats gegen den Krieg ist die Fort­set­zung und Ver­schär­fung seines Klassenkampfes. Der Aus­bruch des Krieges verän­dert die Lage und zum Teil die Meth­o­d­en des Klassenkampfes, nicht aber die Ziele noch die Grun­drich­tung des­sel­ben. Deshalb wird der näch­ste Krieg wesentlich ein impe­ri­al­is­tis­ch­er Krieg sein. Der fun­da­men­tale Inhalt der Poli­tik des inter­na­tionalen Pro­le­tari­ats wird demzu­folge der Kampf gegen den Impe­ri­al­is­mus und seinen Krieg dein. Der Grund­satz dieses Kampfes lautet: „Der Haupt­feind ste­ht im eige­nen Land“ oder „Die Nieder­lage unser­er eige­nen (impe­ri­al­is­tis­chen) Regierun­gen ist das kleinere Übel“. Aber nicht alle Län­der der Welt sind impe­ri­al­is­tisch. Im Gegen­teil, die Mehrzahl der Län­der sind Opfer des Impe­ri­al­is­mus. Bes­timmte kolo­niale oder hal­bkolo­niale Län­der wer­den ohne Zweifel ver­suchen, den Krieg auszunützen, um das Sklaven­joch abzuw­er­fen. Auf ihrer Seite wird der Krieg kein impe­ri­al­is­tis­ch­er, son­dern ein Befreiungskrieg sein. Es ist die Pflicht des inter­na­tionalen Pro­le­tari­ats, unter­drück­ten Län­dern im Krieg gegen die Unter­drück­er zu helfen. Dieselbe Pflicht erstreckt sich auch auf die Sow­je­tu­nion oder jeden anderen Arbeit­er­staat, der vor oder während des Krieges entste­hen mag. Die Nieder­lage jed­er impe­ri­al­is­tis­chen Regierung im Kampf gegen einen Arbeit­er­staat oder ein Kolo­nial­land ist das kleinere Übel. Die Arbeit­er eines impe­ri­al­is­tis­chen Lan­des kön­nen jedoch einem anti­im­pe­ri­al­is­tis­chen Land nicht über die Ver­mit­tlung ihrer eige­nen Regierung helfen gle­ichgültig, welche diplo­ma­tis­chen und mil­itärischen Beziehun­gen die bei­den Län­der ger­ade unter­hal­ten. Wenn die Regierun­gen ein zeitweiliges und let­ztlich unsicheres Bünd­nis geschlossen haben, bleibt das Pro­le­tari­at des impe­ri­al­is­tis­chen Lan­des in Klassenop­po­si­tion gegenüber sein­er Regierung und unter­stützt seinen nicht-impe­ri­al­is­tis­chen „Ver­bün­de­ten“ durch seine eige­nen Meth­o­d­en, d. h. durch die Meth­o­d­en des inter­na­tionalen Klassenkampfes (Agi­ta­tion zugun­sten des Arbeit­er­staates und des Kolo­nial­lan­des nicht nur gegenüber seinen Fein­den, son­dern auch gegenüber seinen falschen Ver­bün­de­ten: Boykott und Streik in bes­timmten Fällen, Verzicht auf Streik und Boykott in anderen usw.). Wenn das Pro­le­tari­at ein Kolo­nial­land oder die Sow­je­tu­nion im Krieg unter­stützt, sol­i­darisiert es sich nicht im ger­ing­sten mit der bürg­er­lichen Regierung des Kolo­nial­lan­des oder der ther­mi­dorischen Bürokratie in der Sow­je­tu­nion. Im Gegen­teil, es wahrt seine völ­lige poli­tis­che Unab­hängigkeit sowohl der einen wie der anderen gegenüber. Indem das rev­o­lu­tionäre Pro­le­tari­at einen gerecht­en und fortschrit­tlichen Krieg unter­stützt, erobert es sich die Sym­pa­thien der Werk­täti­gen der Kolonien und der Sow­je­tu­nion, fes­tigt so die Autorität und den Ein­fluß der IV. Inter­na­tionale und kann umso bess­er den Sturz der bürg­er­lichen Regierung im Kolo­nial­land, der reak­tionäre Bürokratie in der Sow­je­tu­nion fördern. Am Anfang des Krieges wer­den sich die Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale unver­mei­dlich isoliert fühlen: jed­er Krieg über­rascht die Volks­massen und drängt sie an die Seite des Regierungsap­pa­rates. Die Inter­na­tion­al­is­ten wer­den gegen den Strom schwim­men müssen. Doch wer­den die Ver­wüs­tun­gen und Lei­den des neuen Krieges, die schon in den ersten Monat­en die bluti­gen Schreck­en von 1914–18 weit hin­ter sich lassen wer­den, die Massen bald ernüchtert haben. Die Unzufrieden­heit der Massen und ihr Aufruhr wird sprung­haft wach­sen. Die Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale wer­den sich an der Spitze der rev­o­lu­tionären Strö­mung befind­en. Das Pro­gramm der Über­gangs­forderun­gen wird eine bren­nende Aktu­al­ität gewin­nen. Das Prob­lem der Machter­oberung durch das Pro­le­tari­at wird sich in sein­er ganzen Schwere stellen. Bevor er die Men­schheit völ­lig auszehrt oder in Blut ertränkt, vergiftet der Kap­i­tal­is­mus die Weltat­mo­sphäre mit dem verderblichen Dun­st der Völk­er- und Rassen­has­s­es. Der Anti­semitismus ist heute eine der bösar­tig­sten Zuck­un­gen des kap­i­tal­is­tis­chen Todeskampfes. Die uner­bit­tliche Brand­markung aller Rassen­vorurteile und aller Schat­tierun­gen nationaler Anmas­sung und des Chau­vin­is­mus, ins­beson­dere den Anti­semitismus, muß in tägliche Arbeit aller Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale als grundle­gende Erziehungstätigkeit im Kampf gegen Impe­ri­al­is­mus und Krieg einge­hen. Unsere Grund­lo­sung ist und bleibt: „Pro­le­tari­er aller Län­der, vere­inigt euch!

Das Übergangsprogramm

Die Arbeit­er- und Bauern­regierung

Die Formel der „Arbeit­er- und Bauern­regierung“ tauchte zum ersten Mal 1917 in der Agi­ta­tion der Bolschewi­ki auf und wurde endgültig nach dem Okto­ber­auf­s­tand angenom­men. In diesem Falle stellte sie nur eine pop­uläre Beze­ich­nung der bere­its errichteten Dik­tatur des Pro­le­tari­ats dar. Die Bedeu­tung dieser Benen­nung bestand darin, die Idee des Bünd­niss­es zwis­chen Pro­le­tari­at und Bauern­schaft als Grund­lage der Sow­jet­macht in den Vorder­grund zu stellen. Als die Kom­mu­nis­tis­che Inter­na­tionale der Epigo­nen ver­suchte, die von der Geschichte läng­ste begrabenen Formel der „demokratis­chen Dik­tatur der Arbeit­er und Bauern“ wieder aufleben zu lassen, gab sie der Formel der „Arbeit­er- und Bauern­regierung“ einen völ­lig ver­schiede­nen, rein „demokratis­chen“, d. h. bürg­er­lichen Inhalt, indem sie sie der Dik­tatur des Pro­le­tari­ats ent­ge­gen­stellte. Die Bolschewi­ki-Lenin­is­ten haben die Losung der „Arbeit­er- und Bauern­regierung“ in ihrer bürg­er­lich-demokratis­chen Umdeu­tung entsch­ieden ver­wor­fen. Sie haben erk­lärt und erk­lären, daß – wenn die Partei des Pro­le­tari­ats darauf verzichtet, den Rah­men der bürg­er­lichen Demokratie zu über­schre­it­en – ihr Bünd­nis mit dem Bauern­tum bloß auf eine Unter­stützung des Kap­i­tals hin­aus­läuft. So war es bei den Men­schewi­ki und den Sozial-Rev­o­lu­tionären 1917, bei der Kom­mu­nis­tis­chen Partei Chi­nas in den Jahren 1925-27, und so ist es jet­zt bei den „Volks­fron­ten“ Spaniens, Frankre­ichs und ander­er Län­der. Von April bis Sep­tem­ber 1918 forderten die Bolschewi­ki, die Sozial-Rev­o­lu­tionäre und die Men­schewi­ki soll­ten mit der lib­eralen Bour­geoisie brechen und die Macht in ihre eige­nen Hände nehmen. Unter dieser Bedin­gung ver­sprachen die Bolschewild den Men­schewi­ki und den Sozial-Rev­o­lu­tionären, als den klein­bürg­er­lichen Vertretern der Arbeit­er und Bauern ihre rev­o­lu­tionäre Unter­stützung gegen die Bour­geoisie; sie lehn­ten es jedoch kat­e­gorisch ab, sowohl in die Regierung der Men­schewi­ki und Sozial-Rev­o­lu­tionäre einzutreten, als auch die poli­tis­che Ver­ant­wor­tung für ihre Hand­lun­gen zu übernehmen. Wenn die Men­schewi­ki und die Sozial-Rev­o­lu­tionäre wirk­lich mit den (lib­eralen) Kadet­ten und dem aus­ländis­chen Impe­ri­al­is­mus gebrochen hätte, dann hätte die von ihnen geschaf­fene „Arbeit­er- und Bauern­regierung“ nur die Errich­tung der Dik­tatur des Pro­le­tari­ats beschle­u­ni­gen und erle­ichtern kön­nen. Aber ger­ade aus diesem Grund stemmten sich ja die Spitzen der klein­bürg­er­lichen Demokratie mit aller Gewalt gegen die Errich­tung ihrer eige­nen Regierung. Die Erfahrung Ruß­lands hat gezeigt, und die Erfahrung Spaniens und Frankre­ichs bestätigt es von neuem, daß selb­st unter gün­stig­sten Bedin­gun­gen die Parteien der klein­bürg­er­lichen Demokratie (Sozial­rev­o­lu­tionäre, Sozialdemokrat­en, Stal­in­is­ten und Anar­chis­ten) unfähig sind, eine Arbeit­er- und Bauern­regierung, d. h. eine von der Bour­geoisie unab­hängige Regierung, zu schaf­fen. Trotz­dem hat­te die an die Men­schewi­ki und Sozial­rev­o­lu­tionäre gerichtete Forderung der Bolschewi­ki: „Brecht mit der Bour­geoisie, nehmt die Macht in eure eige­nen Hände!“ einen unschätzbaren erzieherischen Wert für die Massen. Die hart­näck­ige Weigerung der Men­schewi­ki und Sozial­rev­o­lu­tionäre, die Macht zu ergreifen, die in den Julita­gen auf so tragis­che Weise offen­bar wurde, verurteilte sie endgültig in der Mei­n­ung des Volkes und bere­it­ete den Sieg der Bolschewi­ki vor. Die Haup­tauf­gabe der IV. Inter­na­tionale beste­ht darin, das Pro­le­tari­at von der alten Führung zu befreien, deren Kon­ser­vatismus der katas­trophalen Lage des niederge­hen­den Kap­i­tal­is­mus völ­lig wider­spricht und das stärk­ste Hin­der­nis für den geschichtlichen Fortschritt bildet. Die Haup­tan­klage, welche die IV. Inter­na­tionale gegen die tra­di­tionellen Organ­i­sa­tio­nen des Pro­le­tari­ats erhebt, beste­ht darin, daß sie sich nicht von dem poli­tis­chen Hal­bka­dav­er der Bour­geoisie tren­nen wollen. Unter diesen Bedin­gun­gen ist die sys­tem­a­tisch an die alte Führung gerichtete Forderung: „Brecht mit der Bour­geoisie, übernehmt selb­st die Macht!“ ein äußerst wichtiges Werkzeug, um den ver­rä­ter­ischen Charak­ter der Parteien und Organ­i­sa­tio­nen der II. und III. Inter­na­tionale sowie der Inter­na­tionale von Ams­ter­dam zu ent­lar­ven. Die Losung der „Arbeit­er und Bauern­regierung“ wird von uns einzig und allein in dem Sinne gebraucht, den sie 1917 im Munde der Bolschewi­ki hat­te, d. h. als eine antibürg­er­liche Losung, aber auf keinen Fall im „demokratis­chen“ Sinn, den ihr später die Epigo­nen unter­legten. Damit haben sie die Losung, die eine Brücke zur sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion darstellt, zur Haupt­bar­riere auf diesem Weg gemacht. Von allen Parteien und Organ­i­sa­tio­nen, die sich auf die Arbeit­er und auf die Bauern stützen und in ihrem Namen sprechen, ver­lan­gen wird, daß sie poli­tisch mit der Bour­geoisie brechen und den Weg des Kampfes um die Arbeit­er- und Bauern­regierung ein­schla­gen. Auf diesem Weg ver­sprechen wir ihnen volle Unter­stützung gegenüber der kap­i­tal­is­tis­chen Reak­tion. Gle­ichzeit­ig ent­fal­ten wir eine uner­müdliche Agi­ta­tion um die Über­gangs­forderun­gen, die nach unserem Urteil das Pro­gramm der „Arbeit­er- und Bauern­regierung“ aus­machen soll­ten. Ist die Errich­tung ein­er solchen Regierung durch die tra­di­tionellen Arbeit­eror­gan­i­sa­tio­nen möglich? Die bish­erige Erfahrung zeigt uns, wie gesagt, daß dies zumin­d­est unwahrschein­lich ist. Man kann jedoch nicht von vorn­here­in kat­e­gorisch die the­o­retis­che Möglichkeit auss­chließen, daß unter dem Ein­fluß eines außergewöhn­lichen Zusam­men­tr­e­f­fens bes­timmter Umstände (Krieg, Nieder­lage, Finanzkrach, rev­o­lu­tionäre Offen­sive der Massen usw.) klein­bürg­er­liche Parteien – die Stal­in­is­ten eingeschlossen – auf dem Weg des Bruchs mit der Bour­geoisie weit­er gehen kön­nen, als ihnen selb­st lieb ist. Jeden­falls ste­ht eines außer Zweifel: selb­st wenn diese wenig wahrschein­liche Vari­ante irgend­wann und irgend­wo ver­wirk­licht und eine „Arbeit­er- und Bauern­regierung“ im oben beze­ich­neten Sinn tat­säch­lich gebildet würde, so stellte sie nur ein kurzes Zwis­chen­spiel auf dem Wege zur wirk­lichen Dik­tatur des Pro­le­tari­ats dar. Es ist jedoch müßig, sich in Mut­maßun­gen zu ver­lieren. Die Agi­ta­tion unter der Losung der „Arbeit­er- und Bauern­regierung“ behält unter allen Umstän­den einen großen erzieherischen Wert. Und das nicht zufäl­lig: diese ver­all­ge­mein­ernde Losung entspricht tat­säch­lich der Rich­tung der poli­tis­chen Entwick­lung unser­er Epoche (Bankrott und Zer­set­zung der alten bürg­er­lichen Parteien, Ver­sagen der Demokratie, Auf­stieg des Faschis­mus, wach­sendes Ver­lan­gen der Werk­täti­gen nach ein­er aktiv­eren und offen­siv­eren Poli­tik). Deshalb muß jede unser­er Über­gangs­forderun­gen zu ein und der­sel­ben poli­tis­chen Kon­se­quenz führen: die Arbeit­er müssen mit den tra­di­tionellen Parteien der Bour­geoisie brechen, um zusam­men mit den Bauern ihre eigene Macht zu erricht­en. Es ist unmöglich, die konkreten Sta­di­en der rev­o­lu­tionären Mobil­isierung der Massen vorauszuse­hen. Die Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale müssen sich in jedem neuen Sta­di­um kri­tisch ori­en­tieren und diejeni­gen Losun­gen aus­geben, welche die Hin­wen­dung der Arbeit­er zu ein­er unab­hängi­gen Poli­tik fördern, den Klassen­charak­ter dieser Poli­tik ver­tiefen, die reformistis­chen und paz­i­fistis­chen Illu­sio­nen zer­stören, die Verbindung der Vorhut mit den Massen fes­ti­gen und die rev­o­lu­tionäre Machter­grei­fung vor­bere­it­en.

Die Sow­jets

Die Fab­rikkomi­tees sind, wie schon gesagt, ein Ele­ment der Dop­pel­herrschaft in der Fab­rik. Deshalb ist ihr Beste­hen an den wach­senden Druck der Massen gebun­den. Dies gilt eben­so für die beson­deren Mas­sen­grup­pierun­gen für den Kampf gegen den Krieg, für die Preisüberwachungsauss­chüsse und für alle neuen Zen­tren der Bewe­gung, deren Auf­tauchen selb­st bezeugt, daß der Klassenkampf den Rah­men der tra­di­tionellen Organ­i­sa­tio­nen des Pro­le­tari­ats über­schrit­ten hat. Jedoch wer­den diese neuen Organe und Zen­tren bald ihren man­gel­nden Zusam­men­halt und ihr Ungenü­gen spüren. Keine der Über­gangs­forderun­gen kann bei Aufrechter­hal­tung der bürg­er­lichen Herrschaft voll­ständig ver­wirk­licht wer­den. Nun wird die Ver­tiefung der sozialen Krise aber nicht nur die Lei­den der Massen ver­größern, son­dern auch ihre Ungeduld, ihre Entschlossen­heit und ihren Angriff­s­geist. Immer neue Schicht­en von Unter­drück­ten wer­den sich erheben und ihre Forderun­gen auf­stellen. Mil­lio­nen Bedürftiger, an die die reformistis­chen Führer niemals denken, begin­nen an die Pforten der Arbeit­eror­gan­i­sa­tio­nen zu klopfen. Die Arbeit­slosen wer­den in die Bewe­gung ein­treten. Die Lan­dar­beit­er, die ruinierten und fast ruinierten Bauern, die niederen Schicht­en der Stadt, die Arbei­t­erin­nen, die Haus­frauen, die pro­le­tarischen Schicht­en der Intel­li­genz, – sie alle wer­den nach einem Zusam­men­halt und ein­er Führung suchen. Wie sind diese ver­schiede­nen Forderun­gen und Kampf­for­men in Ein­klang zu brin­gen, sei es auch nur in den Gren­zen ein­er einzi­gen Stadt? Die Geschichte hat auf diese Frage bere­its eine Antwort gegeben: durch Sow­jets, die die Vertreter aller kämpfend­en Schicht­en vere­inen. Nie­mand hat bish­er eine andere Organ­i­sa­tions­form vorschla­gen kön­nen, und es ist zweifel­haft, daß man eine find­en kann. Die Sow­jets sind a pri­ori an kein Pro­gramm gebun­den. Sie öff­nen allen Aus­ge­beuteten ihre Türen. Die Vertreter aller Schicht­en, die in den all­ge­meinen Strom des Kampfes hineinge­zo­gen wer­den, find­en Ein­gang in sie. Die Organ­i­sa­tion erweit­ert sich mit der Bewe­gung und erneuert sich dadurch ständig. Alle poli­tis­chen Rich­tun­gen des Pro­le­tari­ats kön­nen um die Führung der Sow­jets auf der Basis der bre­itesten Demokratie kämpfen. Deshalb krönt die Losung der Sow­jets das Pro­gramm der Über­gangs­forderun­gen. Sow­jets kön­nen nur dort entste­hen, wo die Massen­be­we­gung in ein offen rev­o­lu­tionäres Sta­di­um ein­tritt. Als Angelpunkt, um den sich Mil­lio­nen von Arbeit­ern in ihrem Kampf gegen die Aus­beuter sam­meln, wer­den die Sow­jets vom ersten Augen­blick ihres Erscheinens an zu Rivalen und Geg­n­ern der örtlichen Behör­den und schließlich der Zen­tral­regierung selb­st. Wenn das Fab­rikkomi­tee Ele­mente der Dop­pel­herrschaft in der Fab­rik her­stellt, so eröff­nen die Sow­jets eine Peri­ode der Dop­pel­herrschaft im ganzen Land. Die Dop­pel­herrschaft ist ihrer­seits der Höhep­unkt der Über­gangspe­ri­ode. Zwei Herrschafts­for­men; die bürg­er­liche Herrschaft und die pro­le­tarische Herrschaft, ste­hen einan­der unver­söhn­lich gegenüber. Der Zusam­men­stoß zwis­chen bei­den ist unver­mei­dlich. Von seinem Aus­gang hängt das Los der Gesellschaft ab: im Falle der Nieder­lage der Rev­o­lu­tion – die faschis­tis­che Dik­tatur der Bour­geoisie; im Falle ihres Sieges – die Sow­jet­macht, d. h. die Dik­tatur des Pro­le­tari­ats und der sozial­is­tis­che Wieder­auf­bau der Gesellschaft.

Die unter­en­twick­el­ten Län­der und das Pro­gramm der Über­gangs­forderun­gen

Die kolo­nialen und hal­bkolo­nialen Län­dern sind ihrer Natur nach rück­ständi­ge Län­der. Aber diese rück­ständi­gen Län­der leben unter den Bedin­gun­gen der Weltherrschaft des Impe­ri­al­is­mus. Deshalb hat ihre Entwick­lung einen kom­binierten Charak­ter: sie vere­inigt die prim­i­tivsten Wirtschafts­for­men mit der let­zten Errun­gen­schaften der kap­i­tal­is­tis­chen Tech­nik und Zivil­i­sa­tion. Diese Tat­sache bes­timmt eben die Poli­tik des Pro­le­tari­ats der rück­ständi­gen Län­der: es ist gezwun­gen, den Kampf um die ele­men­tarsten Auf­gaben der nationalen Unab­hängigkeit und der bürg­er­lichen Demokratie mit dem sozial­is­tis­chen Kampf gegen den Weltim­pe­ri­al­is­mus zu kom­binieren. In diesem Kampf sind die demokratis­chen Forderun­gen, die Über­gangs­forderun­gen und die Auf­gaben der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion nicht in beson­dere his­torische Epoche geschieden, son­dern gehen unmit­tel­bar auseinan­der her­vor. Kaum hat­te das chi­ne­sis­che Pro­le­tari­at begonnen Gew­erkschaften aufzubauen, war es schon gezwun­gen, an Sow­jets zu denken. In diesem Sinne ist das vor­liegende Pro­gramm voll­ständig auf die kolo­nialen und hal­bkolo­nialen Län­der anwend­bar, zumin­d­est auf jene, wo das Pro­le­tari­at bere­its fähig ist, eine unab­hängige Poli­tik zu führen. Die zen­tralen Fra­gen der kolo­nialen und hal­bkolo­nialen Län­der sind: die Agrar­rev­o­lu­tion, d. h. die Abschaf­fung des Feu­dalerbes, und die Nationale Unab­hängigkeit, d. h. das Abw­er­fen des impe­ri­al­is­tis­chen Jochs. Diese bei­den Auf­gaben sind eng miteinan­der ver­bun­den. Es ist nicht möglich, das demokratis­che Pro­gramm schlicht und ein­fach zu ver­w­er­fen: die Massen selb­st müssen dieses Pro­gramm im Kampf über­winden. Die Losung der Nation­alver­samm­lung (oder Kon­sti­tu­ante) bewahrt in Län­dern wie Chi­na oder Indi­en ihre volle Gültigkeit. Man muß diese Losung mit den Auf­gaben der nationalen Befreiung und der Agrar­reform verknüpfen. Man muß vor allem die Arbeit­er mit diesem demokratis­chen Pro­gramm bewaffnen. Sie allein kön­nen die Bauern erheben und sam­meln. Auf der Grund­lage des rev­o­lu­tionär-demokratis­chen Pro­gramms müssen die Arbeit­er der „nationalen“ Bour­geoisie ent­ge­gengestellt wer­den. Auf ein­er gewis­sen Stufe der Massen­mo­bil­isierung unter den Losun­gen der rev­o­lu­tionären Demokratie kön­nen und müssen Sow­jets entste­hen. Ihre geschichtliche Rolle, ins­beson­dere ihr Ver­hält­nis zur Nation­alver­samm­lung, ist in der jew­eils gegebe­nen Peri­ode bes­timmt durch die poli­tis­che Reife des Pro­le­tari­ats, seine Verbindung mit der bäuer­lichen Klasse und durch den bäuer­lichen Charak­ter der Poli­tik der pro­le­tarischen Partei. Früher oder später müssen die Sow­jets die bürg­er­liche Demokratie stürzen. Nur sie sind fähig die demokratis­che Rev­o­lu­tion zu Ende zu führen und so die Ära der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion zu eröff­nen. Das beson­dere Gewicht der ver­schiede­nen demokratis­chen- und Über­gangslo­sun­gen im Kampf des Pro­le­tari­ats, ihre wech­sel­seit­ige Verbindung und ihre Aufeinan­der­folge sind durch die Beson­der­heit­en und Eigen­heit­en des jew­eili­gen rück­ständi­gen Lan­des bes­timmt und zu einem beträchtlichen Teil durch den Grad sein­er Rück­ständigkeit. Jedoch kann die all­ge­meine Rich­tung der rev­o­lu­tionäre Entwick­lung gefaßt wer­den in der Formel der Per­ma­nen­ten Rev­o­lu­tion – in dem Sinn, der ihr durch drei Rev­o­lu­tio­nen in Ruß­land (1905, Feb­ru­ar 1917, Okto­ber 1917) endgultig gegeben wor­den ist. Die „Kom­mu­nis­tis­che“ Inter­na­tionale hat den rück­ständi­gen Län­dern das klas­sis­che Beispiel dafür geliefert, wie man eine kraft- und hoff­nungsvolle Rev­o­lu­tion zum Scheit­ern brin­gen kann. Während des stür­mis­chen Auf­schwungs der Massen­be­we­gung in Chi­na 1925–27 gab die KI nicht die Losung der Nation­alver­samm­lung aus und ver­bot gle­ichzeit­ig die Bil­dung von Sow­jets. Die bürg­er­liche Partei der Kuom­intang organ­isierte die KI in Kan­ton die Kar­rikatur eines Sow­jets. Nach dem unver­mei­dlichen Zusam­men­bruch des Kan­ton­er Auf­s­tands schlug die KI den Kurs des Par­ti­sa­nenkrieges und der Bauern­sow­jets ein – bei völ­liger Pas­siv­ität des Indus­triepro­le­tari­ats. Als sie so in ein­er Sack­gasse ange­langt war, benutzte die KI den japanisch-chi­ne­sis­chen Krieg, um mit einem Fed­er­strich das „sow­jetis­che“ Chi­na auszulöschen, indem sie nicht nur die „Rote Armee“ Bauern, son­dern auch die soge­nan­nte „Kom­mu­nis­tis­che Partei“ selb­st der Kuom­intang, d. h. der Bour­geoisie unterord­nete. Nach­dem die Kom­intern die inter­na­tionale pro­le­tarische Rev­o­lu­tion im Namen der Fre­und­schaft mit den „demokratis­chen“ Sklaven­hal­tern ver­rat­en hat­te, kon­nte sie nicht anders als auch den Befreiungskampf der Kolo­nialvölk­er ver­rat­en, übri­gens mit noch größerem Zynis­mus als die II. Inter­na­tionale vor ihr. Die Poli­tik der Volks­fron­ten und der nationalen Vertei­di­gung“ erfüllt unter anderem die Auf­gabe, die Hun­derte Mil­lio­nen der Kolo­nial­bevölkerung zum Kanonen­fut­ter für den demokratis­chen“ Impe­ri­al­is­mus zu machen. Die Fahne des Befreiungskampfes der kolo­nialen und hal­bkolo­nialen Völk­er, d. h. von mehr als der Hälfte der Men­schheit, ist endgültig in die Hände der IV. Inter­na­tionale überge­gan­gen.

Das Pro­gramm der Über­gangs­forderun­gen in den faschis­tis­chen Län­dern

Die Tage, da die Strate­gen der KI verkün­de­ten, daß der Sieg Hitlers nur ein Schritt auf dem Weg zum Siege Thäl­manns sei, liegen weit zurück. Thäl­mann ist aus den Gefäng­nis­sen Hitlers seit fünf Jahren nicht wieder her­aus­gekom­men. Mus­soli­ni hält Ital­ien seit mehr als sechzehn Jahren in den Ket­ten des Faschis­mus. Während all dieser Jahre sahen sich die Parteien der II. und III. Inter­na­tionale nicht nur außer­stande, eine Massen­be­we­gung einzuleit­en, son­dern auch ern­sthaftere ille­gale Organ­i­sa­tio­nen zu schaf­fen, die sich auch nur im ger­ing­sten mit den rus­sis­chen rev­o­lu­tionären Parteien der Zaren­zeit ver­gle­ichen ließen. Es gibt nicht den ger­ing­sten Grund, die Ursache für dieses Scheit­ern in der Wirkungskraft der faschis­tis­chen Ide­olo­gie zu sehen. Mus­soli­ni hat im Grunde nie irgen­deine Ide­olo­gie gehabt. Die „Ide­olo­gie“ Hitlers hat die Arbeit­er nie ern­sthaft ergrif­f­en. Die Schicht­en der Bevölkerung, denen der Faschis­mus zeitweilig den Kopf ver­dreht hat, d. h. vor allem die Mit­telk­lassen, haben Zeit genug gehabt, um ihre Augen zu öff­nen. Wenn sich eine auch nur im ger­ing­sten bemerkenswerte Oppo­si­tion auf die klerikalen protes­tantis­chen wie „katholis­chen“ Kreise beschränkt, so liegt der Grund nicht in der Macht der halb irren, halb schar­la­tanesken The­o­rien von „Rasse“ und „Blut“, son­dern im schreck­lichen Ver­sagen der Ide­ologe der Demokratie, der Sozialdemokratie und der Kom­mu­nis­tis­chen Inter­na­tionale. Nach der Nieder­w­er­fung der Paris­er Kom­mune hielt sich eine erstick­ende Reak­tion etwa acht Jahre. Nach der Nieder­lage der rus­sis­chen Rev­o­lu­tion von 1905 ver­haut­en die Arbeit­er­massen fast eben­so lange im Zus­tand der Betäubung. Jedoch han­delte es sich in diesen bei­den Fällen nur um physis­che Nieder­la­gen, die durch das Kräftev­er­hält­nis bed­ingt waren. In Ruß­land war das Pro­le­tari­at außer­dem fast unberührt. Die Frak­tion der Bolschewi­ki bestand damals erst drei Jahre. Ganz anders war die Sit­u­a­tion in Deutsch­land, wo die Führung in den Hän­den mächtiger Parteien lag, wovon die eine sechzig, die andere unge­fähr fün­fzehn Jahre alt war. Diese bei­den Parteien, die eine Mil­lio­nen­wäh­ler­schaft hat­ten, waren vor dem Kampf moralisch gelähmt und haben sich kampf­los ergeben. Inder Geschichte gab es niemals eine ver­gle­ich­bare Katas­tro­phe. Das deutsche Pro­le­tari­at ist nicht vom Feind im Kampf geschla­gen wor­den: es ist zer­brochen wor­den durch die Feigheit, Nieder­tra­cht, den Ver­rat sein­er eige­nen Parteien. Kein Wun­der, daß es den Glauben ver­loren hat an alles, was es seit drei Gen­er­a­tio­nen zu glauben gewohnt war. Der Sieg Hitlers hat wiederum Mus­soli­ni gestärkt. Die Erfol­glosigkeit der rev­o­lu­tionären Arbeit in Ital­ien und Deutsch­lands ist nichts anderes als der Preis für die ver­brecherische Poli­tik der Sozialdemokratie und der Kom­intern. Die ille­gale Arbeit erfordert nicht nur die Sym­pa­thie der Massen, son­dern darüber­hin­aus Begeis­terung ihrer fort­geschrit­ten­sten Schicht­en. Aber kann man Begeis­terung für geschichtlich bankrotte Organ­i­sa­tio­nen erwarten? Die emi­gri­erten Führer sind Agen­ten des Kreml und der GPU, demor­al­isiert bis auf die Knochen, oder ehe­ma­lige sozialdemokratis­che Min­is­ter der Bour­geoisie, die hof­fen, daß die Arbeit­er ihnen durch ein Wun­der ihre ver­lore­nen Posten wieder ver­schaf­fen. Kann man sich nur einen Augen­blick diese Her­ren als Führer der kom­menden „antifaschis­tis­chen“ Rev­o­lu­tion vorstellen? Die Ereignisse auf dem Weltschau­platz haben bish­er eben­falls keinen rev­o­lu­tionären Auf­schwung in Ital­ien und Deutsch­land begün­sti­gen kön­nen: Nieder­w­er­fung der öster­re­ichis­chen Arbeit­er, Nieder­lage der spanis­chen Rev­o­lu­tion, Entar­tung des Sow­jet­staates. In dem Maße wie die ital­ienis­chen und deutschen Arbeit­er in ihren poli­tis­chen Infor­ma­tio­nen vom Radio abhän­gen, kann man mit Bes­timmtheit sagen, daß die Sendun­gen aus Moskau, die die ther­mi­do­ri­an­is­che Lüge mit Dummheit und Scham­losigkeit verbinden, zu einem mächti­gen Fak­tor der Demor­al­isierung der Arbeit­er in den total­itären Staat­en gewor­den sind. In dieser wie in ander­er Hin­sicht ist Stal­in nur ein Helfer­shelfer Goebbels. Jedoch set­zen die Klas­sen­ge­gen­sätze, die zum Sieg des Faschis­mus geführt haben, ihr Werk auch unter der Herrschaft des Faschis­mus fort und unter­graben sie nach und nach. Die Massen wer­den immer unzufrieden­er, Hun­derte und Tausende von ergebe­nen Arbeit­er leis­ten trotz allem weit­er­hin ihre umsichtige Arbeit als rev­o­lu­tionäre Maulwürfe. Neue Gen­er­a­tio­nen erheben sich, die nicht unmit­tel­bar den Zusam­men­bruch der großen Tra­di­tio­nen und großen Hoff­nun­gen erfahren haben. In beschw­er­lich­er Kleinar­beit wird die Pro­le­tarische Rev­o­lu­tion unter der schw­eren Grab­plat­te des total­itären Regimes vor­bere­it­et. Aber damit die ver­bor­gene Energie sich in einen Arbeit­er­auf­s­tand ver­wan­deln kann, muß die Vorhut des Pro­le­tari­ats eine neue Per­spek­tive, ein neues Pro­gramm und ein neues makel­los­es Ban­ner gefun­den haben. Hierin liegt die Hauptschwierigkeit. Es ist außeror­dentlich schw­er für die Arbeit­er der faschis­tis­chen Län­der, sich in den neuen Pro­gram­men zurechtzufind­en. Ein Pro­gramm läßt sich nur durch die Erfahrung bewahrheit­en. Nun ist es ger­ade die Erfahrung der Massen­be­we­gung, die in den Län­dern der total­itären Willkürherrschaft fehlt. Es ist sehr wahrschein­lich, daß das Pro­le­tari­at in einem der „demokratis­chen“ Län­der einen großen Erfolg haben muß, um der rev­o­lu­tionären Bewe­gung auf dem Boden des Faschis­mus einen Anstoß zu geben. Eine finanzielle oder mil­itärische Katas­tro­phe kann die gle­iche Wirkung haben. Man muß heute Vor­bere­itungsar­beit, vor allem Pro­pa­gan­da, leis­ten, die erst in Zukun­ft reiche Früchte tra­gen wird. Schon jet­zt kann man mit aller Bes­timmtheit sagen: wenn die rev­o­lu­tionäre Bewe­gung in den faschis­tis­chen Län­dern ein­mal an den hellen Tag getreten ist, dann wird sie schla­gar­tig ein gewaltiges Aus­maß annehmen und sich auf keinen Fall bei Ver­suchen aufhal­ten, irgen­deine Leiche von Weimar wieder zum Leben zu erweck­en. An diesem Punkt begin­nt der unver­söhn­liche Gegen­satz zwis­chen der IV. Inter­na­tionale und den alten Parteien, die ihren Bankrott physisch über­lebt haben. Die „Volks­front“ in der Emi­gra­tion ist eine der ver­heerend­sten und ver­rä­ter­ischsten Vari­anten aller möglichen Volks­fron­ten. Sie bedeutet im Grunde die ohn­mächtige Sehn­sucht nach ein­er Koali­tion mit ein­er nicht vorhan­de­nen lib­eralen Bour­geoisie. Wenn sie über­haupt Erfolg haben sollte, dann nur den, eine Rei­he von neuen Nieder­la­gen des Pro­le­tari­ats, wie in Spanien, zu bewirken. Deshalb ist die uner­bit­tliche Brand­markung der The­o­rie und Prax­is der „Volks­front“ die erste Bedin­gung eines rev­o­lu­tionären Kampfes gegen den Faschis­mus. Das bedeutet selb­stver­ständlich nicht, daß die IV. Inter­na­tionale demokratis­che Losun­gen (als Mit­tel zur Mobil­isierung der Massen gegen den Faschis­mus) ver­wirft. Im Gegen­teil, sie kön­nen in gewis­sen Augen­blick­en eine gewaltige Rolle spie­len. Aber die Formeln der Demokratie (Koali­tions-, Presse­frei­heit usw.) sind für uns nur vorüberge­hende oder episodis­che Losun­gen in der unab­hängi­gen Bewe­gung des Pro­le­tari­ats, und nicht eine demokratis­che Schlinge, welche die Agen­ten der Bour­geoisie dem Pro­le­tari­at um den Hals leg­en. (Spanien!) Kaum nimmt die Bewe­gung nur etwas Massen­charak­ter an, und schon mis­chen sich die Über­gangslo­sun­gen mit den demokratis­chen: Fab­rikkomi­tees wer­den sicher­lich entste­hen, bevor sich die alten Bonzen aus ihren Büros an den Auf­bau von Gew­erkschaften begeben haben; die Räte wer­den Deutsch­land überziehen, bevor in Weimar eine neue Kon­sti­tu­ierende Ver­samm­lung zusam­menge­treten ist. Das­selbe gilt für Ital­ien und die anderen total­itären und halbto­tal­itären Län­der. Der Faschis­mus hat diese Län­der in poli­tis­che Bar­barei zurück­ge­wor­fen. Aber er hat ihren sozialen Charak­ter nicht verän­dert. Der Faschis­mus ist ein Werkzeug des Finanzkap­i­tals und nicht des feu­dalen Groß­grundbe­sitzes. Das rev­o­lu­tionäre Pro­gramm muß sich auf die Dialek­tik des Klassenkampfes stützen, die auch für die faschis­tis­chen Län­der gilt, und nicht auf die Psy­cholo­gie erschreck­ter Bankrottmach­er. Die IV. Inter­na­tionale ver­wirft mit Abscheu die Meth­o­d­en poli­tis­chen Mum­men­schanzes, zu denen die Stal­in­is­ten, die ehe­ma­li­gen Helden der „Drit­ten Peri­ode“. greifen, um von Fall zu Fall unter der Maske von Katho­liken, von Protes­tanten, von Juden, von deutschen Nation­al­is­ten, von Lib­eralen aufzutreten – nur um ihr eigenes wenig anziehen­des Gesicht zu ver­ber­gen. Die IV. Inter­na­tionale erscheint immer und über­all unter ihrer eige­nen Fahne. Sie legt ihr Pro­gramm offen dem Pro­le­tari­at der faschis­tis­chen Län­der dar. Schon jet­zt sind die bewußtesten Arbeit­er der ganzen Welt fest überzeugt, daß sich der Sturz Mus­soli­n­is und Hitlers sowie ihrer Hand­langer und Nachah­mer nur unter der Führung der IV. Inter­na­tionale vol­lziehen wird.

Die UdSSR und die Auf­gaben der Über­gangspe­ri­ode

Die Sow­je­tu­nion ist aus der Okto­ber­rev­o­lu­tion als ein Arbeit­er­staat her­vorge­gan­gen. Die Ver­staatlichung der Pro­duk­tion­s­mit­tel als notwendi­ge Voraus­set­zung der sozial­is­tis­chen Entwick­lung hat die Möglichkeit eines raschen Anwach­sens der Pro­duk­tivkräfte ermöglicht. Der Appa­rat des Arbeit­er­staates hat unter­dessen eine völ­lige Entar­tung durchgemacht, wobei er sich von einem Werkzeug der Arbeit­erk­lasse zu einem Werkzeug der bürokratis­chen Gewalt gegen die Arbeit­erk­lasse und mehr und mehr zu einem Werkzeug der Sab­o­tage der Wirtschaft ver­wan­delt hat. Die Bürokratisierung eines rück­ständi­gen und isolierten Arbeit­er­staates und die Ver­wand­lung der Bürokratie in eine allmächtige priv­i­legierte Kaste sind die überzeu­gend­ste – nicht nur the­o­retis­che, son­dern prak­tis­che Wider­legung der The­o­rie des Sozial­is­mus in einem Lande. So schließt die Herrschafts­form der Sow­je­tu­nion bedrohliche Wider­sprüche ein. Aber sie bleibt immer noch die Herrschafts­form eines Entarteten Arbeit­er­staates. Das ist die soziale Diag­nose. Die poli­tis­che Prog­nose stellt sich als Alter­na­tive: entwed­er beseit­igt die Bürokratie, die immer mehr zum Organ der Welt­bour­geoisie in dem Arbeit­er­staat wird, die neuen Eigen­tums­for­men und wirft das Land in den Kap­i­tal­is­mus zurück; oder die Arbeit­erk­lasse stürzt die Bürokratie und öffnet den Weg zum Sozial­is­mus. Für die Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale sind die Moskauer Prozesse keine Über­raschung, auch nicht das Ergeb­nis des per­sön­lichen Wahnsinns des Dik­ta­tors im Kreml, son­dern geset­zmäßige Fol­gen des Ther­mi­dor. Sie sind aus den unerträglichen Span­nun­gen inner­halb der Sow­jet­bürokratie her­vorge­gan­gen, die ihrer­seits die Wider­sprüche zwis­chen der Bürokratie und dem Volk wider­spiegeln sowie die Antag­o­nis­men, die sich inner­halb des „Volkes“ selb­st ver­tiefen. Das blutige „Schaus­piel“ der Moskauer Prozesse zeigt in welch­er Schärfe sich so die Wider­sprüche zuge­spitzt haben und kündigt so die nahende Entschei­dung an. Die öffentlichen Erk­lärun­gen ehe­ma­liger Kreml-Agen­ten im Aus­land, die sich geweigert haben, nach Moskau zurück­zukehren, haben auf ihre Weise unwider­leg­bar bestätigt, daß inner­halb der Bürokratie alle Schat­tierun­gen poli­tis­chen Denkens vorhan­den sind: vom echt­en Bolschewis­mus (Ignaz Reiss) bis zum vol­len­de­ten Faschis­mus (Th. Butenko). Die rev­o­lu­tionären Ele­mente in der Bürokratie, die in ver­schwinden­der Min­der­heit sind spiegeln – allerd­ings nur pas­siv – die sozial­is­tis­chen Inter­essen des Pro­le­tari­ats wieder. Die faschis­tis­chen und all­ge­mein kon­ter­rev­o­lu­tionären Ele­mente, deren Zahl ständig wächst, brin­gen in immer klar­erer Fol­gerichtigkeit die Inter­essen des Weltim­pe­ri­al­is­mus zum Aus­druck. Diese Anwärter auf die Rolle von Kom­pradoren denken nicht grund­los, daß sich die neue führende Schicht ihre priv­i­legierte Stel­lung nur durch das Aufgeben der Nation­al­isierung, der Kollek­tivi­etung und des Außen­han­delsmonopols im Namen der „west­lichen Zivil­i­sa­tion“, d. h. das Kap­i­tal­is­mus, sich­ern kann. Zwis­chen diesen bei­den Polen grup­pieren sich mit­tlere Rich­tun­gen von mehr oder min­der aus­ge­sprochen men­schewis­tis­chen, sozial­rev­o­lu­tionären oder lib­eralen Charak­ter, die zur bürg­er­lichen Demokratie tendieren. In der Gesellschaft selb­st, die als „klassen­los“ aus­gegeben wird, gibt es ohne Zweifel die gle­ichen Grup­pierun­gen wie Bürokratie, aber weniger klar aus­geprägt und in umgekehrtem Ver­hält­nis: die bewußten kap­i­tal­is­tis­chen Ten­den­zen, wie sie vor allem von der begün­stigten Schicht der Kol­cho­sen vertreten wird, sind nur für eine ver­schwindende Min­der­heit der Bevölkerung kennze­ich­nend. Aber sie find­en bre­ite Grund­lage in den klein­bürg­er­lichen Ten­den­zen zu pri­vater Akku­mu­la­tion, die aus dem all­ge­meinen Elend und von der Bürokratie bewußt ermutigt wer­den. Über dieses Sys­tem wach­sender Gegen­sätze, die immer mehr das soziale Gle­ichgewicht zer­stören, hält sich durch Ter­rormeth­o­d­en eine Ther­mi­do­ri­an­is­che Oli­garchie, die sich heute in der Haupt­sache auf die bona­partis­che Clique Stal­ins beschränkt. Die jüng­sten Prozesse waren ein Schlag gegen die Linke. Das gilt auch für die Unter­drück­ung der Führer der recht­en Oppo­si­tion, denn von den Inter­essen und den Ten­den­zen der Bürokratie her gese­hen stellt auch die rechte Gruppe der alten bolschewis­tis­chen Partei eine Gefahr von links dar. Die Tat­sache, daß sich die bona­partis­che Clique, die auch ihre recht­en Ver­bün­de­ten vom Schlage Butenkos fürchtete, in ihrem Selb­ster­hal­tungstrieb gezwun­gen sieht, zur nahezu voll­ständi­gen Ver­nich­tung der alten Garde der Bolschewi­ki überzuge­hen. ist der untrügliche Beweis für die Leben­skraft der rev­o­lu­tionären Tra­di­tio­nen in den Massen wie für deren wach­sende Unzufrieden­heit. Die klein­bürg­er­lichen Demokrat­en des West­ens, die gestern noch die Moskauer Prozesse für bare Münze nah­men, wieder­holen heute behar­rlich, daß es „in der Sow­je­tu­nion wed­er Trotzk­ismus noch Trotzk­isten“ gäbe … Sie erk­lären jedoch nicht, warum sich die ganze Säu­berung unter dem Zeichen des Kampfes gegen diese Gefahr vol­lzieht. Wenn man unter „Trotzk­ismus“ ein vol­len­detes Pro­gramm ver­ste­ht oder eine Organ­i­sa­tion, dann ist der „Trotzk­ismus“ zweifel­los äußerst schwach in der Sow­je­tu­nion. Die unbe­sieg­bare Stärke beste­ht jedoch darin, daß er nicht nur der rev­o­lu­tionären Tra­di­tion, son­dern auch der gegen­wär­ti­gen Oppo­si­tion der Arbeit­erk­lasse Aus­druck gibt. Der soziale Haß der Arbeit­er gegen die Bürokratie – genau das ist eben in den Augen der Kreml­clique der „Trotzk­ismus“. Sie hat mit Recht eine tödliche Angst davor, daß das stumme Auf­begehren der Arbeit­er mit der Organ­i­sa­tion der IV. Inter­na­tionale zusam­men­trifft. Die Ver­nich­tung der Gen­er­a­tion der alten Bolschewi­ki und der rev­o­lu­tionären Vertreter der mit­tleren und jun­gen Gen­er­a­tion hat das poli­tis­che Gle­ichgewicht noch weit­er zugun­sten des recht­en, bürg­er­lichen Flügels der Bürokratie und ihre Ver­bün­de­ten im Lande zer­stört. Von daher, d. h. von der Recht­en, muß man sich in der näch­sten Peri­ode auf immer entschlossenere Ver­suche gefaßt machen, die Gesellschafts­form der Sow­je­tu­nion zu rev­i­dieren, und zwar durch ihre Annäherung an die „west­liche Zivil­i­sa­tion“, vor allem in ihrer faschis­tis­chen Form. Auf­grund dieser Per­spek­tive stellt sich die Frage der „Vertei­di­gung der Sow­je­tu­nion“ ganz konkret. Wenn mor­gen die bürg­er­lich-faschis­tis­che Grup­pierung, kurz: die „Frak­tion Butenko“, den Kampf um die Macht aufn­immt, dann wird die Frak­tion Reiss“ unauswe­ich­lich ihren Platz auf der anderen Seite der Bar­rikade ein­nehmen. Auch wenn sie so zeitweilig zum Ver­bün­de­ten Stal­ins wird, so vertei­digt sie jedoch nicht dessen bona­partis­tis­che Clique, son­dern die sozialen Grund­la­gen der UdSSR, d. h. das den Kap­i­tal­is­ten entris­sene und ver­staatlichte Eigen­tum. Wenn die „Frak­tion Butenko“ ein mil­itärisches Bünd­nis mit Hitler einge­ht, wird die „Frak­tion Reiss“ die Sow­je­tu­nion gegen die mil­itärische Inter­ven­tion vertei­di­gen, sowohl im Innern der UdSSR wie auf Wel­tebene. Jede andere Hal­tung wäre Ver­rat. Wenn sich also die Möglichkeit ein­er „Ein­heits­front“ mit dem Ther­mi­do­ri­an­is­chen Teil der Bürokratie gegen den offe­nen Angriff der kap­i­tal­is­tis­chen Kon­ter­rev­o­lu­tion – in streng begren­zten Fällen – nicht von vorn­here­in auss­chließen läßt, so bleibt den­noch die poli­tis­che Haup­tauf­gabe in der UdSSR der Sturz der Ther­mi­do­ri­an­is­chen Bürokratie selb­st. Die Aufrechter­hal­tung ihrer Herrschaft erschüt­tert mit jedem Tag weit­er die sozial­is­tis­chen Ele­mente der Wirtschaft und ver­größert die Chan­cen kap­i­tal­is­tis­ch­er Restau­ra­tion. In der gle­ichen Rich­tung han­delt auch die Kom­mu­nis­tis­che Inter­na­tionale, Hand­langer und Kom­plice der stal­in­is­tis­chen Clique bei der Erdrosselung der spanis­chen Rev­o­lu­tion und der Demor­al­isierung des inter­na­tionalen Pro­le­tari­ats. Eben­so wie in den faschis­tis­chen Län­dern liegt die Haupt­stärke der Bürokratie nicht in ihr selb­st, son­dern in der Ent­mu­ti­gung der Massen, denen eine neue Per­spek­tive fehlt. Eben­so wie in den faschis­tis­chen Län­dern, von deren poli­tis­chem Appa­rat sich der Stal­ins in nichts unter­schei­det, es sei denn durch noch größere Raserei, ist in der UdSSR augen­blick­lich nur eine vor­bere­i­t­ende Pro­pa­gan­daar­beit möglich. Eben­so wie in den faschis­tis­chen Län­dern wer­den wahrschein­lich die Ereignisse außer­halb des Lan­des den Anstoß für eine rev­o­lu­tionäre Bewe­gung der sow­jetis­chen Arbeit­er geben. Der Kampf gegen die Kom­intern auf Wel­tebene ist zur Zeit der wichtig­ste Teil des Kampfes gegen die stal­in­is­tis­che Dik­tatur. Vieles deutet darauf hin, daß das Zer­bröck­eln der Kom­intern, die keine unmit­tel­bare Stütze in der GPU hat, dem Sturz der bona­partis­chen Clique und der ganzen ther­mi­do­ri­an­is­chen Bürokratie in all­ge­meinen voraus­ge­hen wird. Der neue Auf­schwung der Rev­o­lu­tion in der UdSSR wird ohne jeden Zweifel unter dem Ban­ner des Kampfes gegen die soziale Ungle­ich­heit und die poli­tis­che Unter­drück­ung begin­nen. Nieder mit den Priv­i­legien der Bürokratie! Nieder mit dem Stachanowsys­tem! Nieder mit der Sow­je­taris­tokratie und ihren Rangstufen und Orden! Angle­ichung der Löhne für alle Arten der Löhne! Der Kampf für die Frei­heit der Gew­erkschaften und der Fab­rikkomi­tees für dir Presse- und Ver­samm­lungs­frei­heit wird sich weit­er­en­twick­eln zum Kampf um das Wieder­erwachen und die Ent­fal­tung der Sow­jet­demokratie. Die Bürokratie hat die Sow­jets als Klassenor­gane durch den Schwindel der all­ge­meinen Wahl im Stile von Hitler/Goebbels erset­zt. Es ist notwendig, den Sow­jets nicht nur ihre freie demokratis­che Form, son­dern auch ihren Klass­en­in­halt wiederzugeben. So wie früher die Bour­geoisie und die Kulak­en nicht zu den Sow­jets zuge­lassen waren, eben­so müssen jet­zt die Bürokratie und die neue Aris­tokratie aus den Sow­jets ver­jagt wer­den. In den Sow­jets ist nur Platz für die Vertreter der Arbeit­er, der Kol­chosear­beit­er, der Bauern und der roten Sol­dat­en. Die Demokratisierung der Sow­jets ist undurch­führbar ohne die Zulas­sung von sow­jetis­chen Parteien. Die Arbeit­er und Bauern selb­st wer­den durch ihre freie Stim­ma­b­gabe zeigen, welche Parteien sow­jetisch sind. Reor­gan­i­sa­tion der Plan­wirtschaft von oben bis unten gemäß dem Inter­esse der Pro­duzen­ten und Kon­sumenten! Die Fab­rikkomi­tees müssen die Kon­trolle der Pro­duk­tion wieder übernehmen. Die demokratisch organ­isierten Kon­sumgenossen­schaften müssen die Qual­ität der Erzeug­nisse und ihre Preise kon­trol­lieren. Neuor­gan­isierung der Kol­cho­sen in Übere­in­stim­mung mit dem Willen der Kol­chos­be­wohn­er und nach ihren Inter­essen! Die kon­ser­v­a­tive inter­na­tionale Poli­tik der Bürokratie muß der Poli­tik des pro­le­tarischen Inter­na­tion­al­is­mus Platz machen. Die ganze diplo­ma­tis­che Kor­re­spon­denz des Kreml muß veröf­fentlicht wer­den. Nieder mit der Geheimdiplo­matie! Alle von der ther­mi­do­ri­an­is­chen Bürokratie insze­nierten poli­tis­chen Prozesse müssen unter den Bedin­gun­gen voll­ständi­ger Öffentlichkeit und freier Erforschung über­prüft wer­den. Die Organ­isatoren der Fälschun­gen müssen ihre ver­di­en­ten Strafen erhal­ten. Ohne den Sturz der Bürokratie, die sich durch Zwang und Fälschung hält, kann dieses Pro­gramm nicht ver­wirk­licht wer­den. Nur die siegre­iche rev­o­lu­tionäre Erhe­bung der unter­drück­ten Massen kann die Sow­jetherrschaft erneuern und ihre Weit­er­en­twick­lung zum Sozial­is­mus sich­ern. Allein die Partei der IV. Inter­na­tionale ist in der Lage, die sow­jetis­chen Massen zum Auf­s­tand zu führen.

  • Nieder mit der bona­partis­tis­chen Bande des Kain Stal­in!
  • Es lebe die Sow­jet­demokratie!
  • Es lebe die inter­na­tionale sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion!

Gegen Oppor­tunis­mus und prinzip­i­en­losen Revi­sion­is­mus

Die Poli­tik der Partei Leon Blums in Frankre­ich beweist von neuem, daß die Reformis­ten unfähig sind, irgen­det­was aus den noch so tragis­chen Lek­tio­nen der Geschichte zu ler­nen. Die franzö­sis­che Sozialdemokratie ahmt sklavisch die Poli­tik der deutschen Sozialdemokratie nach und schre­it­et der gle­ichen Katas­tro­phe ent­ge­gen. Im Laufe einiger Jahrzehnte ist die II. Inter­na­tionale in den Rah­men der bürg­er­lichen Demokratie hineingewach­sen ist zu einem untrennbaren Bestandteil der­sel­ben gewor­den ver­fault mit ihr. Die III. Inter­na­tionale hat den Weg des Reformis­mus in der Epoche betreten, wo die Krise des Kap­i­tal­is­mus die pro­le­tarische Rev­o­lu­tion endgültig auf die Tage­sor­d­nung geset­zt hat­te. Die gegen­wär­tige Poli­tik der Kom­intern in Spanien und Chi­na – eine Poli­tik, die darin beste­ht, vor der „demokratis­chen“ und „nationalen“ Bour­geoisie zu kriechen – beweist, daß auch die Kom­intern nicht mehr fähig ist, etwas zu ler­nen oder umzusteigen. Die Bürokratie, die zu ein­er reak­tionären Kraft in der UdSSR gewor­den ist, kann auf dem Weltschau­platz keine rev­o­lu­tionäre Rolle spie­len. Der Anar­cho-Syn­dikalis­mus hat ins­ge­samt dieselbe Entwick­lung erfahren. In Frankre­ich ist die Gew­erkschafts­bürokratie von Leon Jouhaux seit langem ein Agent der Bour­geoisie in der Arbeit­erk­lasse gewor­den. In Spanien hat der Anar­cho-Syn­dikalis­mus seine rev­o­lu­tionäre Fas­sade abgelegt, als die Rev­o­lu­tion begann, und wurde zum fün­ften Rad am Wagen der bürg­er­lichen Demokratie. Die zen­tris­tis­chen Zwis­chen­grup­pen, die sich um das Lon­don­er Büro scharen, sind nichts anderes als „linkes“ Zube­hör der Sozialdemokratie und der Kom­intern. Sie haben ihre völ­lige Unfähigkeit bewiesen, sich in ein­er his­torischen Sit­u­a­tion zurechtzufind­en und rev­o­lu­tionäre Schluß­fol­gerun­gen aus ihr zu ziehen. Ihr Höhep­unkt wurde von der spanis­chen POUM erre­icht, die sich unter den Bedin­gun­gen der Rev­o­lu­tion als abso­lut unfähig erwies, rev­o­lu­tionäre Poli­tik zu machen. Die tragis­chen Nieder­la­gen, die das Welt­pro­le­tari­at eine lange Rei­he von Jahren durch­ste­hen mußte, haben die offiziellen Organ­i­sa­tio­nen in einen noch größeren Kon­ser­vatismus gedrängt und haben gle­ichzeit­ig die ent­täuscht­en klein­bürg­er­lichen „Rev­o­lu­tionäre“ dazu gebracht, „neue Wege“ zu suchen. Wie immer in den Zeit­en der Reak­tion und des Nieder­gangs tauchen über­all Quack­sal­ber und Schar­la­tane auf. Sie wollen den Gang des rev­o­lu­tionären Gedankens rück­gängig machen. Anstatt aus der Ver­gan­gen­heit zu ler­nen, „kor­rigieren“ sie sie. Die einen ent­deck­en die Unhalt­barkeit des Marx­is­mus, die anderen verkün­den den Bankrott des Bolschewis­mus. Die einen schieben der rev­o­lu­tionären Dok­trin die Ver­ant­wor­tung für die Fehler und Ver­brechen der­er zu, die sie ver­rat­en haben; die anderen ver­dammen die Medi­zin, weil die keine sofor­tige wun­dertätige Heilung garantiert. Die Kühn­sten ver­sprechen, ein All­heilmit­tel zu ent­deck­en und empfehlen, unter­dessen den Klassenkampf anzuhal­ten. Zahlre­iche Propheten der neuen Moral schick­en sich an, die Arbeit­er­be­we­gung mit Hil­fe eines ethis­chen Heil­ver­fahrens zu erneuern. Die Mehrzahl dieser Apos­tel hat es geschafft, selb­st moralis­che Invali­den zu wer­den ohne jemals auf das Schlacht­feld her­abzusteigen. So bietet man dem Pro­le­tari­at als schein­bar „neue Wege“ nur alte Rezepte an, die schon längst in den Archiv­en des Sozial­is­mus vor Marx begraben liegen. Die IV. Inter­na­tionale erk­lärt der Bürokratie der II. und 111. Inter­na­tionale, der Inter­na­tionale von Ams­ter­dam und der Anar­cho-syn­dikalis­tis­chen Inter­na­tionale sowie ihren zen­tris­tis­chen Satel­liten einen unver­söhn­lichen Krieg; eben­so dem Reformis­mus ohne Refor­men, dem mit der GPU ver­bün­de­ten Demokratismus, dem Paz­i­fis­mus ohne Frieden, dem Anar­chis­mus im Dienst der Bour­geoisie, den „Rev­o­lu­tionären“, die die Rev­o­lu­tion tödlich fürcht­en. All diese Organ­i­sa­tio­nen sind nicht Bür­gen der Zukun­ft, son­dern faulende Überbleib­sel der Ver­gan­gen­heit. Die Epoche der Kriege und Rev­o­lu­tio­nen wird von ihnen keinen Stein auf dem anderen lassen. Die IV. Inter­na­tionale sucht kein All­heilmit­tel noch erfind­et sie irgen­deines. Sie ste­ht voll und ganz auf dem Boden des Marx­is­mus, der einzi­gen rev­o­lu­tionären Dok­trin, die es erlaubt, die Wirk­lichkeit zu ver­ste­hen, die Ursachen der Nieder­la­gen zu erken­nen und bewußt den Sieg vorzu­bere­it­en. Die IV. Inter­na­tionale set­zt die Tra­di­tion des Bolschewis­mus fort, der dem Pro­le­tari­at zum ersten Mal gezeigt hat, wie die Macht zu erobern ist. Die IV. Inter­na­tionale fegt die Quack­sal­ber, Schar­la­tane und unge­betene Moral­predi­ger hin­weg. In ein­er auf Aus­beu­tung gegrün­de­ten Gesellschaft ist die ober­ste Moral, die Moral der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion. Gut sind die Mit­tel und Meth­o­d­en, die das Klassen­be­wußt­sein der Arbeit­er, ihr Ver­trauen auf ihre eigene Kräfte und ihre Opfer­bere­itschaft für den Kampf erhöhen. Unzuläs­sig sind die Meth­o­d­en, die den Unter­drück­ten Furcht und Unter­wür­figkeit ein­flössen, den Geist des Protestes und der Revolte erstick­en oder den Willen der Massen durch den Willen der Führer, die Überzeu­gungskraft durch den Zwang und die Analyse der Wirk­lichkeit durch Dem­a­gogie und Fälschung erset­zen. Genau deshalb sind die Sozialdemokratie, die den Marx­is­mus pros­ti­tu­iert hat, wie auch der Stal­in­is­mus, Antithese des Bolschewis­mus, Tod­feind der pro­le­tarischen Rev­o­lu­tion und ihrer Moral. Der Wirk­lichkeit ins Auge sehen; nicht den Weg des ger­ing­sten Wider­standes suchen; die Dinge beim Namen nen­nen; den Massen die Wahrheit sagen, so bit­ter sie auch sein mag; Hin­dernisse nicht fürcht­en; streng sein in den kleinen Din­gen wie in den großen; Wage­mut, wenn die Stunde der Aktion kommt; das sind die Regeln der IV. Inter­na­tionale. Sie hat bewiesen, daß sie gegen den Strom zu schwim­men ver­ste­ht. Die näch­ste geschichtliche Welle wird sie auf ihren Gipfel heben.

Gegen Sek­tier­ertum

Unter dem Ein­fluß des Ver­rats und der Entar­tung der his­torischen Organ­i­sa­tio­nen des Pro­le­tari­ats entste­hen oder erneuern sich im Umkreis der IV. Inter­na­tionale sek­tiererische Grup­pierun­gen und Ein­stel­lun­gen ver­schieden­ster Art. Ihre gemein­same Basis ist die Weigerung, für Teil- und Über­gangs­forderun­gen zu kämpfen, d.h. für die ele­mentaren Inter­essen und Bedürfnisse der Massen, so wie sie ein­mal sind. Sich auf die Rev­o­lu­tion vorzu­bere­it­en, heißt für die Sek­tier­er, sich selb­st von den Vorzü­gen des Sozial­is­mus zu überzeu­gen. Sie schla­gen vor, den „alten“ Gew­erkschaften den Rück­en zu kehren, d.h. Mil­lio­nen von organ­isierten Arbeit­ern – als ob die Massen außer­halb der Bedin­gun­gen des wirk­lichen Klassenkampfes leben kön­nten! Sie bleiben gle­ichgültig gegenüber dem Kampf, der sich im Innern der reformistis­chen Organ­i­sa­tio­nen abspielt, – als ob man die Massen für sich gewin­nen kön­nte, ohne in diesen Kampf einzu­greifen! Sie weigern sich, in der Prax­is einen Unter­schied zwis­chen der bürg­er­lichen Demokratie und dem Faschis­mus zu machen, – als ob die Massen diesen Unter­schied nicht auf Schritt und Tritt zu spüren bekä­men! Die Sek­tier­er sind unfähig, mehr als zwei Far­ben zu unter­schei­den: schwarz und weiß. Um sich nicht der Ver­suchung auszuset­zen, ver­sim­peln sie die Wirk­lichkeit. Sie weigern sich, die bei­den in Spanien kämpfend­en Lager zu unter­schei­den, nur weil bei­de einen bürg­er­lichen Charak­ter haben. Aus dem gle­ichen Grund glauben sie, daß man im Krieg zwis­chen Japan und Chi­na neu­tral bleiben muß. Sie leug­nen den grund­sät­zlichen Unter­schied zwis­chen der Sow­je­tu­nion und den bürg­er­lichen Län­dern und weigern sich angesichts der reak­tionären Poli­tik der sow­jetis­chen Bürokratie, die durch die Okto­ber­rev­o­lu­tion geschaf­fe­nen Eigen­tums­for­men gegen den Impe­ri­al­is­mus zu vertei­di­gen. Unfähig, Zugang zu den Massen zu find­en, beschuldigen sie diese deshalb gern der Unfähigkeit sich auf die Höhe der rev­o­lu­tionären Ideen zu erheben. Eine Brücke – in Form von Über­gangs­forderun­gen – erscheint diesen ster­ilen Propheten völ­lig über­flüs­sig, weil sie gar nicht beab­sichti­gen, aufs andere Ufer zu kom­men. Sie treten auf der Stelle und beg­nü­gen sich damit, immer die gle­ichen leeren Abstrak­tio­nen zu wieder­holen. Die poli­tis­chen Ereignisse sind für sie nur eine Gele­gen­heit, Kom­mentare abzugeben, aber nicht zu han­deln. Da nun die Sek­tier­er – eben­so wie die Wirrköpfe und Wun­dertäter aller Art – in jedem Augen­blick von der Wirk­lichkeit Nasen­stüber erhal­ten, leben sie in einem Zus­tand ständi­ger Aufre­gung, bekla­gen sich unaufhör­lich über das „Regime“ und seine „Meth­o­d­en“ und geben sich klein­lichen Intri­gen hin. In ihren eige­nen Rei­hen führen sie gewöhn­lich ein despo­tis­ches Reg­i­ment. Die poli­tis­che Entkräf­ti­gung des Sek­tier­ertums ergänzt nur – wie sein Schat­ten – die Hin­fäl­ligkeit des Oppor­tunis­mus, ohne rev­o­lu­tionäre Per­spek­tiv­en zu eröff­nen. In der prak­tis­chen Poli­tik verbinden sich die Sek­tier­er auf Schritt und Tritt mit den Oppor­tunis­ten, ins­beson­dere mit den Zen­tris­ten, um gegen den Marx­is­mus zu kämpfen. Die Mehrzahl der sek­tiererischen Grup­pen und Cliquen dieser Art, die sich von den Brotkru­men der IV. Inter­na­tionale ernähren, führen eine organ­isatorisch „unab­hängige“ Exis­tenz, voll höch­ster Ansprüche, aber ohne ger­ing­ste Aus­sicht auf Erfolg. Die Bolschewi­ki-Lenin­is­ten kön­nen, ohne ihre Zeit zu ver­lieren, diese Grup­pen ruhig ihrem eige­nen Schick­sal über­lassen. Jedoch befind­en sich sek­tiererische Ten­den­zen in unseren eige­nen Rei­hen und üben auf die Arbeit bes­timmter Sek­tio­nen einen ver­häng­nisvollen Ein­fluß aus. Das ist eine Sache, die keinen Tag länger geduldet wer­den darf. Eine richtige Poli­tik in bezug auf die Gew­erkschaften ist eine Grund­vo­raus­set­zung für die Zuge­hörigkeit zur IV. Inter­na­tionale. Wer den Weg der Massen­be­we­gung wed­er sucht noch find­et, der ist kein Kämpfer, son­dern eine Belas­tung für die Partei. Ein Pro­gramm wird nicht für eine Redak­tion­sstube gemacht, son­dern für die rev­o­lu­tionäre Aktion von Mil­lio­nen Men­schen. Die Säu­berung der Rei­hen der IV. Inter­na­tionale vom Sek­tier­ertum und den unverbesser­lichen Sek­tier­ern ist die wichtig­ste Voraus­set­zung für rev­o­lu­tionäre Erfolge.

Macht den Weg frei für die Jugend! Macht den Weg frei für die werk­täti­gen Frauen!

Die Nieder­lage der spanis­chen Rev­o­lu­tion, für die ihre „Führer“ ver­ant­wortlich sind, der schändliche Bankrott der Volks­front in Frankre­ich und das Ans-Licht-Treten der Ver­fälschun­gen der Moskauer Prozesse: diese drei Tat­sachen zusam­men ver­set­zen der Kom­intern einen Schlag, von dem sie sich nicht wieder erholen wird, und brin­gen dabei ihren Ver­bün­de­tenden, den Sozialdemokrat­en und Anar­chosyn­dikalis­ten, tiefe Wun­den bei. Das heißt natür­lich nicht, daß sich die Mit­glieder dieser Organ­i­sa­tio­nen auf einen Schlag der IV. Inter­na­tionale zuwen­den wer­den. Die ältere Gen­er­a­tion, die schreck­liche Nieder­la­gen durchgemacht hat, wird zum großen Teil den Kampf aufgeben. Im übri­gen legt die IV. Inter­na­tionale keinen Wert darauf, zu einem Zuflucht­sort für invalide Rev­o­lu­tionäre und ent­täuschte Bürokrat­en und Kar­ri­eremach­er zu wer­den. Im Gegen­teil: gegen den Zus­trom klein­bürg­er­lich­er Ele­mente, die gegen­wär­tig in den Appa­rat­en der alten Organ­i­sa­tio­nen vorherrschen, müssen wir strenge Vorkehrun­gen tre­f­fen: eine Prü­fungszeit für Kan­di­dat­en, die keine Arbeit­er sind, vor allem, wenn es sich um ehe­ma­lige Bürokrat­en han­delt; für diese das Ver­bot, während der ersten drei Jahre ver­ant­wortliche Posten in der Partei zu übernehmen usw. In der IV. Inter­na­tionale ist und wird keine Platz sein für den Kar­ri­eris­mus, dieses Kreb­s­geschwür der alten Inter­na­tionalen. Nur diejeni­gen wer­den Zugang zu uns find­en, die für und nicht von der Bewe­gung leben wollen. Die rev­o­lu­tionären Arbeit­er müssen sich als die Her­ren fühlen. Für sie ste­hen die Tore unser­er Organ­i­sa­tion weit offen. Selb­stver­ständlich gibt es auch unter den Arbeit­ern, die früher in der ersten Rei­he standen, heute eine ganze Menge, die müde gewor­den und ent­täuscht sind. Sie wer­den, zumin­d­est in der näch­sten Peri­ode, abseits bleiben. Wenn sich ein Pro­gramm oder eine Organ­i­sa­tion ver­braucht hat, ver­braucht sich auch die Gen­er­a­tion, die sie auf ihren Schul­tern trug. Die Erneuerung der Bewe­gung vol­lzieht sich durch die Jugend, die frei ist von aller Ver­ant­wor­tung für die Ver­gan­gen­heit. Die IV. Inter­na­tionale wen­det der jun­gen Gen­er­a­tion des Pro­le­tari­ats beson­dere Aufmerk­samkeit zu. In ihrer ganzen Poli­tik bemüht sie sich darum, das Ver­trauen der Jugend in ihre eige­nen Kräfte und in ihre Zukun­ft zu erweck­en. Nur die frische Begeis­terung und die Angriff­s­lust der Jugend kön­nen die ersten Erfolge im Kampf sich­ern; nur diese Erfolge kön­nen die besten Ele­mente der alten Gen­er­a­tion auf den Weg der Rev­o­lu­tion zurück­kehren lassen. So war es bish­er und so wird es immer sein. Alle oppor­tunis­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen konzen­tri­eren ihrer Natur nach ihre Aufmerk­samkeit haupt­säch­lich auf die oberen Schicht­en der Arbeit­erk­lasse und ignori­eren demzu­folge die Jugend genau­so wie die werk­täti­gen Frauen. Nun ver­set­zt aber die Epoche des kap­i­tal­is­tis­chen Zer­falls der Frau die härtesten Schläge – als Arbei­t­erin wie als Haus­frau. Die Sek­tio­nen der IV. Inter­na­tionale müssen bei den unter­drück­testen Schicht­en der Arbeit­erk­lasse und dem­nach bei den werk­täti­gen Frauen Unter­stützung suchen. Sie wer­den dort uner­schöpfliche Quellen der Ergeben­heit, der Selb­st­losigkeit und Opfer­bere­itschaft find­en. Nieder mit Bürokratismus und Kar­ri­eremacher­tum! Macht den Weg frei für die Jugend! Macht den Weg frei für die werk­täti­gen Frauen! Das sind die Losun­gen, die auf dem Ban­ner der IV. Inter­na­tionale ste­hen.

Unter dem Ban­ner der IV. Inter­na­tionale

Skep­tik­er fra­gen: aber ist denn der Augen­blick gekom­men, eine neue Inter­na­tionale zu grün­den? Es ist unmöglich, sagen sie, eine Inter­na­tionale kün­stlich“ zu grün­den; nur große Ereignisse kön­nen sie entste­hen lassen usw.. All diese Ein­würfe beweisen nur, daß Skep­tik­er für die Grün­dung ein­er neuen Inter­na­tionale nichts tau­gen. Über­haupt tau­gen sie nichts. Die IV. Inter­na­tionale hat sich bere­its aus großen Ereignis­sen erhoben: den größten Nieder­la­gen des Pro­le­tari­ats in der Geschichte. Die Ursache dieser Nieder­la­gen ist die Entar­tung und der Ver­rat der alten Führung. Der Klassenkampf duldet keine Unter­brechung. Die III. Inter­na­tionale ist – nach der II. – für die Rev­o­lu­tion gestor­ben. Es lebe die IV. Inter­na­tionale! Aber die Skep­tik­er sind noch nicht zum Schweigen gebracht: ist denn schon der Augen­blick gekom­men, sie zu proklamieren? – „Die IV. Inter­na­tionale“ – antworten wir – „braucht nicht ‚proklamiert‘ zu wer­den. Sie ist da und sie kämpft. Sie ist schwach? Ja, sie zählt noch nicht sehr viele Rei­hen, denn sie ist noch jung. Es sind bis jet­zt vor allem Kad­er. Aber diese Kad­er sind der einzige Bürge der Zukun­ft. Außer­halb dieser Kad­er gibt es auf diesem Plan­eten keine einzige rev­o­lu­tionäre Strö­mung, die diesen Namen wirk­lich ver­di­ent. Wenn unsere Inter­na­tionale zahlen­mäßig auch noch schwach ist, so ist sie doch stark durch die Dok­trin, das Pro­gramm, die Tra­di­tion und die unver­gle­ich­liche Fes­tigkeit ihrer Kad­er. Wer das heute noch nicht erken­nt, der mag weit­er abseits ste­hen. Mor­gen wird das deut­lich­er wer­den.“ Die IV. Inter­na­tionale erfreut sich schon seit heute des ver­di­en­ten Has­s­es der Stal­in­is­ten, der Sozialdemokrat­en, der bürg­er­lichen Lib­eralen und der Faschis­ten. Sie hat und wird keinen Platz in irgen­dein­er Volks­front haben. Sie kämpft uner­bit­tlich gegen alle poli­tis­chen Grup­pierun­gen, die mit der Bour­geoisie ver­bün­det sind. Ihre Auf­gabe ist es, die Herrschaft des Kap­i­tals zu stürzen. Ihr Ziel ist der Sozial­is­mus. Ihre Meth­ode ist die pro­le­tarische Rev­o­lu­tion. Ohne innere Demokratie gibt es keine rev­o­lu­tionäre Erziehung. Ohne Diszi­plin gibt es keine rev­o­lu­tionäre Aktion. Die innere Struk­tur der IV. Inter­na­tionale fußt auf den Prinzip­i­en des demokratis­chen Zen­tral­is­mus: volle Frei­heit in der Diskus­sion, volle Ein­heit im Han­deln. Die gegen­wär­tige Krise der men­schlichen Zivil­i­sa­tion ist die Krise der pro­le­tarischen Führung. Die fort­geschrit­te­nen Arbeit­er, die in der IV. Inter­na­tionale vere­inigt sind, zeigen ihrer Klasse den Ausweg aus dieser Krise. Sie leg­en ihr ein Pro­gramm vor, das sich auf die inter­na­tionale Erfahrung des Befreiungskampfes des Pro­le­tari­ats und aller Unter­drück­ten der Welt grün­det. Sie bieten ihr ein unbeschmutztes Ban­ner.

Arbeit­er und Arbei­t­erin­nen aller Län­der: Ver­sam­melt euch unter dem Ban­ner der IV. Inter­na­tionale! Es ist das Ban­ner eures kom­menden Sieges!

Statuten der Vierten Internationale

Statuten der Vierten Internationale

in der Fas­sung wie sie vom 15. Weltkongress der IV. Inter­na­tionale 2003 angenom­men wur­den.1 Präam­bel

  1. Die Vierte Inter­na­tionale – eine inter­na­tionale Organ­i­sa­tion, die für die sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion kämpft – set­zt sich aus Sek­tio­nen zusam­men, aus poli­tisch Aktiv­en, die ihre Grund­sätze und ihr Pro­gramm akzep­tieren und anwen­den. Sie sind in nationalen Sek­tio­nen organ­isiert, in ein­er einzi­gen weltweit­en Organ­i­sa­tion vere­inigt, han­deln in den großen poli­tis­chen Fra­gen gemein­sam und führen freie Diskus­sio­nen, wobei die Regeln der Demokratie beachtet wer­den.
  2. Ziel der Vierten Inter­na­tionale ist es, in allen Län­dern zur poli­tis­chen Bewusst­wer­dung und Organ­isierung des Pro­le­tari­ats und der anderen Klassen, die vom Impe­ri­al­is­mus aus­ge­beutet wer­den, beizu­tra­gen, um den Kap­i­tal­is­mus mit sein­er Unter­drück­ung, sein­er Armut, sein­er Unsicher­heit, seinen Kriegen und seinem Blutvergießen abzuschaf­fen. Sie sucht eine demokratis­che sozial­is­tis­che Gesellschaft zu erricht­en, die auf dem Grund­satz beruht, dass die Emanzi­pa­tion der Arbei­t­erIn­nen­klasse und aller Unter­drück­ten und Aus­ge­beuteten ”das Werk der Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er selb­st” sein wird, als erster Schritt zu ein­er kün­fti­gen klassen­losen Gesellschaft, um ein­er demokratisch geplanten Wirtschaft dauer­haften Frieden, soziale Gle­ich­heit, Schutz der Umwelt, Bekämp­fung jeglich­er Unter­drück­ung und men­schliche Sol­i­dar­ität sicherzustellen.
  3. Die Vierte Inter­na­tionale sucht die fortschrit­tlichen gesellschaftlichen Erfahrun­gen der Men­schheit in ihr Pro­gramm aufzunehmen. Sie stützt sich auf die Errun­gen­schaften der rev­o­lu­tionären marx­is­tis­chen Bewe­gung – und hält sie lebendig, indem sie die unverzicht­baren Lehren zieht aus der Paris­er Kom­mune, der Okto­ber­rev­o­lu­tion 1917 in Rus­s­land, den Errun­gen­schaften und Debat­ten der ersten vier Kon­gresse der Drit­ten Inter­na­tionale, dem Kampf und den Ausar­beitun­gen der Linken Oppo­si­tion gegen den Stal­in­is­mus, dem auf ihrem Grün­dungskongress 1938 ver­ab­schiede­ten Über­gang­spro­gramm und den zen­tralen pro­gram­ma­tis­chen Doku­menten, die seit damals auf ihren Kon­gressen angenom­men wor­den sind.
  4. Mit diesem Ansatz eines Über­gangs von den unmit­tel­baren Kämpfen bis hin zum Bruch mit dem Kap­i­tal­is­mus und den Bürokra­tien wen­det sich die Vierte Inter­na­tionale der Zukun­ft zu und kämpft:
    • für die unmit­tel­baren und Über­gangs­forderun­gen der Lohnar­beit­er und Lohnar­bei­t­erin­nen;
    • für demokratis­che Rechte und öffentliche Frei­heit­en;
    • für einen rev­o­lu­tionären Bruch mit dem Kap­i­tal­is­mus, für die Erset­zung des bürg­er­lichen Staats durch die Staatsver­wal­tung der Pro­duzentin­nen und Pro­duzen­ten selb­st, in den abhängig gehal­te­nen Län­dern für das Hinüberwach­sen der demokratis­chen und nationalen Kämpfe zu rev­o­lu­tionären antikap­i­tal­is­tis­chen Kämpfen;
    • für einen demokratis­chen Sozial­is­mus, der auf gesellschaftlichem Eigen­tum an den Pro­duk­tion­s­mit­teln, Selb­stor­gan­i­sa­tion der Arbei­t­en­den, Selb­st­bes­tim­mung der Völk­er und Garantie der öffentlichen Frei­heit­en beruht, in dem Parteien und Staat voneinan­der getren­nt sind;
    • für die Ein­heit der Massen- und Volks­be­we­gung und der Arbei­t­erin­nen- und Arbeit­erk­lasse auf demokratis­chen Grund­la­gen, wobei Parteien­plu­ral­is­mus und Vielfalt von Ten­den­zen respek­tiert und die Unab­hängigkeit von Bour­geoisie und Staat gewahrt bleiben;
    • für die Ausweitung der For­men von Selb­stor­gan­i­sa­tion und die Ein­hal­tung der demokratis­chen Rechte in den Kämpfen;
    • gegen alle par­a­sitären Bürokra­tien (stal­in­is­tis­ch­er, sozialdemokratis­ch­er, gew­erkschaftlich­er, nation­al­is­tis­ch­er Art usw.), die die Massenor­gan­i­sa­tio­nen beherrschen;
    • gegen Unter­drück­ung der Frauen und für eine autonome Frauen­be­we­gung;
    • gegen Unter­drück­ung der Schwulen und Les­ben sowie sämtliche For­men von sex­ueller Unter­drück­ung;
    • gegen nationale Unter­drück­ung, für die Ein­hal­tung des Rechts auf Selb­st­bes­tim­mung und Unab­hängigkeit der unter­drück­ten Völk­er;
    • gegen Ras­sis­mus und alle For­men von Chau­vin­is­mus;
    • gegen religiöse Fun­da­men­tal­is­men und für die Tren­nung von Reli­gion und Staat;
    • für die Umwelt aus ein­er antikap­i­tal­is­tis­chen und antibürokratis­chen Per­spek­tive;
    • für einen aktiv­en Inter­na­tion­al­is­mus und inter­na­tionale anti­im­pe­ri­al­is­tis­che Sol­i­dar­ität, für die Vertei­di­gung der Inter­essen der arbei­t­en­den Massen in jedem Land ohne Aus­nahme, ohne Sek­tier­ertum und ohne Unterord­nung unter diplo­ma­tis­che oder Nüt­zlichkeit­ser­wä­gun­gen;
    • für den Auf­bau von rev­o­lu­tionären, pro­le­tarischen, fem­i­nis­tis­chen und demokratis­chen Parteien mit aktiv­en Mit­gliedern, in denen die Rechte auf freie Mei­n­ungsäußerung und Ten­denz­bil­dung anerkan­nt und geschützt sind;
    • für den Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionären Inter­na­tionale, ein­er plu­ral­is­tis­chen Mass­en­in­ter­na­tionale.
  5. Die nationalen Sek­tio­nen stellen die organ­isatorischen Grun­dein­heit­en der Inter­na­tionale dar. Ziel jed­er nationalen Sek­tion ist es, alle Kräfte zu vere­inen, die unsere gemein­samen Ziele teilen, um eine rev­o­lu­tionäre marx­is­tis­che Massen­partei aufzubauen, die in der Lage ist, eine entschei­dende Rolle im Klassenkampf des Lan­des hin zu einem Sieg des Sozial­is­mus zu spie­len. Die Entwick­lung ihrer nationalen Sek­tio­nen ist das Mit­tel, mit dem die Vierte Inter­na­tionale ihr emanzi­pa­torisches Ziel zu erre­ichen sucht, denn eine inter­na­tionale Organ­i­sa­tion kann in ein­er Rev­o­lu­tion nicht das Han­deln ein­er nationalen Sek­tion erset­zen oder an deren Stelle treten.

Kapi­tel I: Sek­tio­nen

Artikel 1 – Die Inter­na­tionale beste­ht aus nationalen Sek­tio­nen, die die in der Präam­bel zu ihren Statuten dargelegten Grund­sätze anerken­nen, an ihren Aktiv­itäten und ihrem organ­isatorischen Leben teil­nehmen und die vere­in­barten Finanzbeiträge zahlen. Die nationalen Sek­tio­nen sind in der Real­ität der Klassenkämpfe ihrer Län­der ver­wurzelt und bauen gle­ichzeit­ig gemein­sam die Inter­na­tionale auf, auch indem sie ihr Per­so­n­en und Mit­tel zur Ver­fü­gung stellen. Die Beiträge, die an die Inter­na­tionale zu zahlen sind, wer­den unter Berück­sich­ti­gung der ihnen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel mit den Sek­tion­sleitun­gen vere­in­bart.

Artikel 2 – Die Sek­tio­nen der Inter­na­tionale inte­gri­eren die poli­tis­che Lin­ie, die von der Inter­na­tionale beschlossen wurde, aus freier Zus­tim­mung in ihre poli­tis­che Prax­is. Die Sek­tio­nen kön­nen ihre eige­nen Posi­tio­nen zum Aus­druck brin­gen, jedoch unter der Voraus­set­zung, dass sie nicht die dop­pelte Demarka­tion­slin­ie der Geg­n­er­schaft zum Kap­i­tal­is­mus wie zum Impe­ri­al­is­mus über­schre­it­en. Eine Sek­tion der Vierten Inter­na­tionale hat allerd­ings die Verpflich­tung, die von den Leitungs­gremien der Inter­na­tionale angenomme­nen Res­o­lu­tio­nen zu veröf­fentlichen. Sie kann auf dem näch­sten Weltkongress eine Änderung dieser Posi­tio­nen beantra­gen.

Artikel 3 – Damit die Inter­na­tionale wirk­sam sein kann, soll­ten die Rev­o­lu­tionärin­nen und Rev­o­lu­tionäre, die sich mit der Vierten Inter­na­tionale iden­ti­fizieren, in den jew­eili­gen Län­dern in einem ein­heitlichen Rah­men han­deln. Deshalb müssen die Mit­glieder der Inter­na­tionale so agieren, dass die Ein­heit inner­halb ein­er vere­inigten Sek­tion der Inter­na­tionale ermöglicht wird. Diese Sek­tion kann eine unab­hängige Organ­i­sa­tion oder eine Strö­mung in ein­er vere­inigten Partei der antikap­i­tal­is­tis­chen Kräfte sein, in der Mit­glieder der Inter­na­tionale aktiv sind, ohne dass sie ihre pro­gram­ma­tis­che Iden­tität aufgeben. In den Län­dern, in denen eine Sek­tion von einem Weltkongress anerkan­nt wor­den ist, unter­hält die Leitung der Inter­na­tionale Beziehun­gen zu anderen poli­tis­chen Kräften mit Zus­tim­mung der Sek­tion. Mit­glieder nationaler Sek­tio­nen, die in bürg­er­liche Par­la­mente gewählt wur­den, sind verpflichtet, die von ihren nationalen Sek­tio­nen beschlosse­nen Richtlin­ien zu befol­gen und sind den Leitungs­gremien und Kon­gressen der Grup­pierun­gen, die sie repräsen­tieren, rechen­schaft­spflichtig.

Artikel 4 – Das innere Leben der Sek­tio­nen muss sich nach demokratis­chen Prinzip­i­en und Nor­men richt­en, die eine kollek­tive Beteili­gung an den Diskus­sio­nen, den Beschlüssen und der Über­prü­fung der Umset­zung der Beschlüsse gewährleis­ten und ein Kli­ma schaf­fen, bei dem alle Genossin­nen und Genossen sich in der Lage fühlen, auf der Grund­lage wech­sel­seit­i­gen Respek­ts daran teilzunehmen. Zu diesen Nor­men und Prinzip­i­en gehört:

  1. a) dass Infor­ma­tio­nen, Entwürfe und angenommene Texte allen Genossin­nen und Genossen sowohl auf nationaler als auch inter­na­tionaler Ebene zur Ken­nt­nis gebracht wer­den;
  2. b) dass imper­a­tive Man­date für Delegierte nicht zuge­lassen sind, das heißt, dass Delegierte unab­hängig von der Posi­tion der sie wäh­len­den Instanz die Frei­heit haben müssen, auf einem Kongress oder ein­er Kon­ferenz im Lichte der Diskus­sio­nen nach ihrem Gewis­sen und ihren Überzeu­gun­gen abzus­tim­men;
  3. c) dass die Delegierten, die für örtliche, nationale oder inter­na­tionale Kon­gresse gewählt wor­den sind, vor den zuständi­gen Gremien umge­hend Bericht erstat­ten;
  4. d) dass die erforder­lichen Maß­nah­men ergrif­f­en wer­den, um die tat­säch­liche Ausübung dieser demokratis­chen Rechte sicherzustellen, ohne dass irgen­deine Kat­e­gorie oder ein Teil der Mit­glieder in der Prax­is in soziokul­tureller, geschlechtlich­er oder son­stiger Form diskri­m­iniert wird, ein­schließlich des Rechts auf Selb­stor­gan­i­sa­tion auf der Grund­lage von geschlechtlich­er, sex­ueller, nationaler, ras­sis­ch­er oder son­stiger Unter­drück­ung.

Artikel 5 – Die Sek­tio­nen der Inter­na­tionale erken­nen in ihren Rei­hen das Ten­den­zrecht an und prak­tizieren es, d. h. das Recht von poli­tis­chen Min­der­heit­en zusam­men­zukom­men, um sich zur Vertre­tung ihrer Auf­fas­sung in den inter­nen Debat­ten der Organ­i­sa­tion zu organ­isieren; das Recht dieser Min­der­heit­en, ihre eigene Mei­n­ung organ­i­sa­tion­sin­tern oder öffentlich auf einem mit den Leitungs­gremien der Organ­i­sa­tion vere­in­barten Weg zu äußern; ihr Recht auf Repräsen­ta­tion in den Leitungs­gremien; ihr Recht auf pro­por­tionale Repräsen­ta­tion auf den Kon­gressen der Organ­i­sa­tion; ihr Recht, ihre Mei­n­ung der Inter­na­tionale zur Ken­nt­nis zu brin­gen. Min­der­heit­s­ten­den­zen sind verpflichtet, bei der prak­tis­chen Umset­zung der poli­tis­chen Beschlüsse der Mehrheit die Ein­heit und die Diszi­plin der Organ­i­sa­tion zu respek­tieren.

Artikel 6 – Die Mit­glieder haben im Fall von Diszi­pli­narver­fahren das Recht, von Anschuldigun­gen, die gegen sie erhoben wer­den, im Vorhinein schriftlich in Ken­nt­nis geset­zt zu wer­den. Sie haben fern­er das Recht, auf die Anschuldigun­gen zu antworten. Soweit es möglich ist, haben die Genossin­nen oder Genossen das Recht, denen gegenüberzutreten, die Anschuldigun­gen erhoben haben. Jedes Mit­glied und jede Gruppe von Mit­gliedern der Inter­na­tionale, gegen die von ein­er nationalen Sek­tion Maß­nah­men ergrif­f­en wor­den sind, kön­nen, nach­dem sie die Ver­fahrens­möglichkeit­en aus­geschöpft haben, die ihnen inner­halb der Sek­tion zur Ver­fü­gung ste­hen, an die Inter­na­tionale appel­lieren. Die Inter­na­tionale set­zt eine Kom­mis­sion ein, die sich mit der Angele­gen­heit befassen und dem zuständi­gen Leitungs­gremi­um Bericht erstat­ten wird, welch­es dann einen Beschluss zu der ange­focht­e­nen Maß­nahme fällen wird. Die Sek­tio­nen sind gehal­ten, sich bei Diszi­pli­narver­fahren an die Beschlüsse der Inter­na­tionale zu hal­ten. Die Nichtein­hal­tung von Organ­i­sa­tion­snor­men ist mit der Zuge­hörigkeit zur Inter­na­tionale unvere­in­bar. Eine nationale Sek­tion, die von ein­er Diszi­pli­n­ar­maß­nahme ein­er Zwis­chenin­stanz der Inter­na­tionale betrof­fen ist, kann einen Appell an das nächst höhere Gremi­um der Inter­na­tionale richt­en.

Artikel 7 – In Anerken­nung der Tat­sache, dass es unter beson­deren Bedin­gun­gen Organ­i­sa­tio­nen geben kann, die die Vierte Inter­na­tionale unter­stützen, die aber noch nicht dazu imstande oder bere­it sind, die Ver­ant­wor­tung ein­er Sek­tion zu übernehmen, kann der Weltkongress oder das von ihm gewählte Inter­na­tionale Komi­tee diesen Grup­pen den formellen Sta­tus von sym­pa­thisieren­den Organ­i­sa­tio­nen gewähren. Die sym­pa­thisieren­den Organ­i­sa­tio­nen müssen die Posi­tio­nen der Inter­na­tionale veröf­fentlichen und ihre Presse ver­bre­it­en, die inter­nen und nach außen gerichteten Aktiv­itäten der Vierten Inter­na­tionale unter­stützen und sich daran beteili­gen und regelmäßig Beiträge an die Vierte Inter­na­tionale zahlen. Repräsen­tan­tinnen und Repräsen­tan­ten von sym­pa­thisieren­den Organ­i­sa­tio­nen wer­den zu den Sitzun­gen des Inter­na­tionalen Komi­tees und des Weltkon­gress­es ein­ge­laden; sie haben dort Red­erecht und das Recht auf Abgabe von bera­ten­den Stim­men, sofern die Organ­i­sa­tion das Kri­teri­um der Beitragszahlung erfüllt hat. Das Ziel des formellen Sta­tus ein­er sym­pa­thisieren­den Organ­i­sa­tion ist es, eine Brücke zur Entwick­lung von nationalen Sek­tio­nen in den betr­e­f­fend­en Län­dern zu schla­gen.

Artikel 8 – Die Organ­i­sa­tio­nen, die die Per­spek­tive des Kampfs der Inter­na­tionale teilen, ihr aber nicht formell beitreten möcht­en, kön­nen den Sta­tus eines ”per­ma­nen­ten Beobachters” erhal­ten. Dieser Sta­tus ermöglicht es ihnen, mit Red­erecht, aber ohne Stimm­recht an für die jew­eilige Organ­i­sa­tion fest­gelegten Sitzun­gen von Leitungs­gremien teilzunehmen.

Kapi­tel II: Gremien Artikel 9 – Höch­stes Beschlussgremi­um der Inter­na­tionale ist ihr Weltkongress, der min­destens alle fünf Jahre zusam­menkommt und von dem Inter­na­tionalen Komi­tee min­destens sechs Monate vorher, der Min­dest­dauer der Vor­bere­itungs­diskus­sion, ein­berufen wird. Ein außeror­dentlich­er Weltkongress kann jed­erzeit von dem Inter­na­tionalen Komi­tee oder einem Drit­tel der Sek­tio­nen ein­berufen wer­den. Der Weltkongress bildet den Abschluss eines demokratis­chen Prozess­es der Diskus­sion und der Wahl von Delegierten in den nationalen Sek­tio­nen und legt die poli­tis­che Lin­ie der Inter­na­tionale ins­ge­samt zu allen pro­gram­ma­tis­chen Fra­gen fest. Bei Fra­gen, die die nationalen Sek­tio­nen ange­hen, dient der Weltkongress als let­zte Beru­fungs- und Beschlussfas­sungsin­stanz. Der Kongress wird aus den Del­e­ga­tio­nen der nationalen Sek­tio­nen gebildet, die pro­por­tion­al zur Stärke ihrer aktiv­en Mit­glieder repräsen­tiert sind, wobei jede Sek­tion unab­hängig von ihrer Größe durch min­destens eine Per­son vertreten wird. Die Stim­men ein­er Sek­tion kön­nen auf die Mit­glieder ihrer Del­e­ga­tion aufgeteilt wer­den, wenn ihr aus­nahm­sweise aus prak­tis­chen Grün­den weniger Mit­glieder ange­hören, als ihr auf­grund ihrer Größe zuste­hen wür­den. Umgekehrt kön­nen sich zwei Per­so­n­en die Stimme ein­er Sek­tion teilen, die das Recht auf nur eine Stimme hat.

Artikel 10 – Der Kongress fasst seine Beschlüsse zu poli­tis­chen und organ­isatorischen Fra­gen mit absoluter Stim­men­mehrheit, zu Ver­fahrens­fra­gen mit ein­fach­er Mehrheit ohne Gewich­tung der Stim­men. Über die Auf­nahme neuer Sek­tio­nen beschließt er mit absoluter Mehrheit, über den Auss­chluss ein­er Sek­tion mit Zwei­drit­telmehrheit. Er ist das einzige Gremi­um, das das Recht hat, die Statuten der Inter­na­tionale mit ein­er Zwei­drit­telmehrheit zu ergänzen oder abzuän­dern.

Artikel 11 – Der Weltkongress wählt ein Gremi­um aus drei oder fünf Genossin­nen und Genossen, die ver­schiede­nen Sek­tio­nen ange­hören, nicht den inter­na­tionalen Leitungs­gremien ange­hören und alle den Respekt der inter­na­tionalen Mit­glied­schaft genießen, als ”Beru­fungskom­mis­sion”. Sie unter­sucht auf Bit­ten des Inter­na­tionalen Komi­tees oder aus eigen­er Ini­tia­tive Fälle, bei denen es um Ver­stöße gegen die Diszi­plin oder unsere ethis­chen Grund­sätze geht, sowie Beschw­er­den über Vorge­hensweisen der inter­na­tionalen Gremien. In der Beru­fungskom­mis­sion müssen genug Frauen sein, damit sie imstande ist, in allen berechtigten Fällen, die vor die Beru­fungskom­mis­sion gebracht wer­den, als auss­chließlich aus Frauen zusam­menge­set­ztes Gremien zu tagen, wenn dies ver­langt wor­den ist. Sie erstat­tet dem Inter­na­tionalen Komi­tee Bericht und gibt Empfehlun­gen für die zu ergreifend­en Maß­nah­men. Sie ist gegenüber dem Weltkongress rechen­schaft­spflichtig, der auf den­jeni­gen fol­gt, auf dem sie gewählt wor­den ist. Die möglichen Diszi­pli­n­ar­maß­nah­men schließen die Sus­pendierung der Mit­glied­schaft und den Auss­chluss aus der Inter­na­tionale ein.

Artikel 12 – Das höch­ste Beschlussgremi­um zwis­chen Weltkon­gressen ist das Inter­na­tionale Komi­tee (IK), das nor­maler­weise zwei Mal im Jahr zusam­men­tritt. Es wird vom Weltkongress aus den Vertreterin­nen und Vertretern der Sek­tio­nen unter Berück­sich­ti­gung der Notwendigkeit gewählt, Per­son­al für die zen­tralen Aktiv­itäten der Inter­na­tionale zur Ver­fü­gung zu stellen, und des Ziels, dass min­destens 50 % Frauen gewählt wer­den und die Schwelle von 30 % nie unter­schrit­ten wird. Sek­tio­nen, die keine Mit­glieder des Inter­na­tionalen Komi­tees haben, kön­nen sich den­noch von ein­er Per­son mit Beobachter­sta­tus repräsen­tieren lassen. Eine Sek­tion kann ver­lan­gen, dass Mit­glieder ihrer Del­e­ga­tion, die auf dem Weltkongress gewählt wor­den sind, entwed­er pro­vi­sorisch oder dauer­haft erset­zt wer­den. Dieser Aus­tausch muss von dem Inter­na­tionalen Komi­tee bestätigt wer­den. Die Grund­sätze für die Stim­me­naufteilung unter Mit­gliedern ein­er Del­e­ga­tion sind diesel­ben wie für den Weltkongress. Wahlen zu Leitungs­gremien erfol­gen namentlich und per geheimer Abstim­mung.

Artikel 13 – Das Inter­na­tionale Komi­tee trifft seine Beschlüsse zu poli­tis­chen und organ­isatorischen Fra­gen mit absoluter Stim­men­mehrheit der bei der Abstim­mung Anwe­senden. Über Ver­fahrens­fra­gen beschließt es mit ein­fach­er Mehrheit der Anwe­senden ohne Gewich­tung der Stim­men. Über die Zulas­sung von Organ­i­sa­tio­nen mit dem Sta­tus ein­er sym­pa­thisieren­den Organ­i­sa­tion oder eines per­ma­nen­ten Beobachters beschließt es mit absoluter Mehrheit, wobei die Gremien zu spez­i­fizieren sind, zu denen diese Organ­i­sa­tio­nen dauer­haft ein­ge­laden wer­den. Über die Mit­glied­schaft im Exeku­tivbüro, in anderen Auss­chüssen sowie die Bestel­lung von Haup­tamtlichen beschließt es mit absoluter Stim­men­mehrheit der anwe­senden Stimm­berechtigten.

Artikel 14 – Das Exeku­tivbüro kommt zwis­chen den Sitzun­gen des Inter­na­tionalen Komi­tees zusam­men, um für die Umset­zung der Beschlüsse der voraus­ge­gan­genen Sitzung des Inter­na­tionalen Komi­tees zu sor­gen und dessen näch­ste Sitzung vorzu­bere­it­en. Das Exeku­tivbüro ist für seine Beschlüsse dem Inter­na­tionalen Komi­tee gegenüber rechen­schaft­spflichtig. Es ist nor­maler­weise nicht befugt, poli­tis­che Entschei­dun­gen zu tre­f­fen; in drin­gen­den Fällen kann es die im Inter­na­tionalen Komi­tee repräsen­tierten Sek­tio­nen kon­sul­tieren und im Namen des Inter­na­tionalen Komi­tees Posi­tio­nen veröf­fentlichen, die die Zus­tim­mung ein­er absoluten Mehrheit der Mit­glieder des Inter­na­tionalen Komi­tees erhal­ten. Es kann keine Beschlüsse zu Diszi­pli­narver­fahren fassen, jedoch seinen Stand­punkt for­mulieren, der aber nur als Anhalt­spunkt dient. Es hat den Auf­trag, sich um die Umset­zung der Beschlüsse des Inter­na­tionalen Komi­tees, der ver­ant­wor­tungsvollen Führung der prak­tis­chen Organe der Inter­na­tionale (Presse, Schu­lung, Region­al- und Sek­torenko­or­di­na­tio­nen) und die Vor­bere­itung der Sitzun­gen des Inter­na­tionalen Komi­tees sowie die Arbeit des Appa­rats zu küm­mern.

Artikel 15 – Das Inter­na­tionale Komi­tee ist mit­tels von ihm benan­nter Struk­turen für die Her­aus­gabe der offiziellen Presse der Inter­na­tionale ver­ant­wortlich – wenn möglich, in den drei Sprachen Englisch, Spanisch, Franzö­sisch –, in der die wesentlichen Res­o­lu­tio­nen und Erk­lärun­gen der Leitungs­gremien der Inter­na­tionale, Artikel und Doku­mente über inter­na­tionale Ereignisse und das Leben der Sek­tio­nen veröf­fentlicht und inter­na­tionale Kam­pag­nen aufge­grif­f­en wer­den. Eben­so ist es für die Her­aus­gabe eines inter­nen Bul­letins ver­ant­wortlich. Das Inter­na­tionale Komi­tee legt die Einzel­heit­en für die Veröf­fentlichun­gen dieses Bul­letins in der Diskus­sion­sphase vor einem Weltkongress fest, damit die Vor­bere­itungs­doku­mente, die in den Leitungs­gremien zur Abstim­mung gestell­ten Texte und Diskus­sions­beiträge, in denen alle Posi­tio­nen zum Aus­druck gebracht wer­den kön­nen, zugänglich gemacht wer­den.

Artikel 16 – Das Inter­na­tionale Komi­tee ist für die Kon­trolle der Finanzver­wal­tung der Inter­na­tionale auf Grund­lage von regelmäßi­gen Bericht­en auf seinen Sitzun­gen ver­ant­wortlich und ver­ab­schiedet die Finanzberichte und Haushalt­sen­twürfe. Es wählt bei jed­er Sitzung aus seinen Rei­hen eine Kom­mis­sion, die die Buch­hal­tung kon­trol­liert. Die tagtägliche Ver­wal­tung der Finanzen liegt in der Ver­ant­wor­tung des Exeku­tivbüros. Die Einkom­men­squellen der Inter­na­tionale sind Mit­glieds­beiträge, Spenden­samm­lun­gen und frei­willige Spenden sowie der Verkauf unser­er Mate­ri­alien.

Artikel 17 – Alles was in diesen Statuten nicht vorge­se­hen ist, wird durch Son­der­regelun­gen fest­gelegt, die jed­er Kongress rev­i­dieren kann. 1Diese Statuten wur­den vom 15. Weltkongress der IV. Inter­na­tionale, der im Feb­ru­ar 2003 stat­tfand, angenom­men. Die Abstim­mung über die Präam­bel ergab: 82 der Man­date dafür (86,32 %), keine Gegen­stimme, 9 Enthal­tun­gen (9,47 %), 4 Nicht­teil­nahme (4,21 %). Die Abstim­mung über das Gesamt­doku­ment fiel so aus: 87 Fürstim­men (90,63 %), 6 Gegen­stim­men (6,25 %), 3 Enthal­tun­gen (3,13 %).